Hilfe/Tipps/Patentrezepte
Adoptivkinder stillen
Auch ohne eigene Schwangerschaft können Frauen ihr Baby mit Muttermilch versorgen – das ist in Deutschland noch weitgehend unbekannt.
Der Gegenwart. — 21. Januar 2024
Dass auch Adoptivmütter stillen können, ist in Deutschland noch weitgehend unbekannt. Dabei gibt es eine Anzahl von Faktoren, die das Stillen von Adoptivkindern begünstigen. […] Die Bedeutung des Adoptivstillens sollte nicht unterschätzt werden. Auch hier gelten die Vorteile der Muttermilch gegenüber künstlicher Milchnahrung. Durch den häufigen Hautkontakt lässt sich die Bindung zwischen Mutter und Kind einfacher herstellen. Das Allergierisiko wird gesenkt, da Immunglobuline für einen besseren Immunschutz sorgen. Das Stillen ist kostenlos, die Muttermilch hat die richtige Zusammensetzung und Temperatur und ist immer „fertig“. Darüber hinaus trägt das Stillen zur optimalen Formung des Gaumens und Kiefers sowie zur optimalen Zahn- und Sprachentwicklung bei. Und gerade im Fall von Adoptivkindern kann durch das Stillen ein noch engerer Kontakt zu dem nicht selbst geborenen Kind hergestellt werden.
Verschiedene externe Faktoren tragen dazu bei, den Prolaktinspiegel im Blut zu erhöhen und damit die Milchbildung anzuregen. Prinzipiell reicht eine regelmäßig wiederholte mechanische Stimulation der Brustwarzen aus, um den Milchfluss in Gang zu bringen. Am wirksamsten sind Saug-/Wring-Bewegungen, wie sie ein Säugling beim Stillen ausführt. Am zweitwirksamsten ist eine Massage mit der Hand, wobei man „Melk“-Bewegungen ausführt, die das Saugen des Säuglings nachahmen. Erst die drittwirksamste Methode ist die Benutzung einer Milchpumpe. Die Stimulation sollte mindestens sechsmal am Tag für mindestens je 10 bis maximal 30 Minuten erfolgen. Je nach Anlagen und äußeren Umständen erreicht man die ersten echten Milchtropfen nach 6 Tagen bis 6 Wochen.
Medikamentöse Hilfe
Zur Vermeidung des recht aufwendigen manuellen Prozesses greifen viele Frauen zumindest für die ersten Monate auf medikamentöse Hilfe zurück. In der Regel kommt dabei der Dopamin-Antagonist Domperidon zum Einsatz. Domperidon überwindet die Blut-Hirn-Schranke nicht, geht nur in sehr geringer Menge in die Milch über und ist erstaunlich nebenwirkungsarm. Domperidon ist allerdings zumindest in Deutschland nicht zur Induktion der Milchbildung zugelassen. International wird der Einsatz von Domperidon zur Milchbildung stark diskutiert, da dieses Medikament einerseits sehr wirksam für diesen Zweck ist, andererseits aber ein Todesfall bei sehr hoher intravenöser Dosierung während einer Chemotherapie berichtet worden war. Zur Induktion der Milchbildung kommen demgegenüber nach Newman und Schöbl lediglich drei- bis viermal täglich 10–20 mg über 3–8 Wochen zum Gebrauch. Die Mehrzahl der Frauen reagiert bei dieser Dosierung innerhalb von drei bis vier Tagen, manche innerhalb von 24 Stunden und andere innerhalb von zwei bis drei Wochen.
Indikationen
Hauptgründe (Indikationen) für eine Induzierte Laktation sind:
▬ Stillen ohne Schwangerschaft (Ammen, Adoptivmütter);
▬ Gesundheitliche Gründe, speziell zur Prävention von Brustkrebs, Diabetes Typ 2, Osteoporose;
▬ Erotische Gründe;
▬ Selbsterfahrung als Frau;
▬ Kosmetische Gründe (natürliche Möglichkeit zur Vergrößerung der weiblichen Brust).
Textgrundlage: https://de.wikipedia.org/wiki/Induzierte_Laktation
Brusternährung
Als Stillen oder Brusternährung wird die Ernährung des Säuglings und Kleinkinds an der Brust einer Mutter oder einer Amme oder einer anderen stillfähigen Frau bezeichnet. Allgemeiner wird die bei Säugetieren natürliche Versorgung des Nachwuchses mit Milch aus den Milchdrüsen auch Säugen genannt. Durch das Stillen wird im Körper der stillenden Frau das Wohlbefinden auslösende Hormon Oxytocin ausgeschüttet. Oxytocin verstärkt den Milchfluss und bewirkt ein Zusammenziehen des Uterus (Nachwehen). Dadurch werden der Wochenfluss und die Rückbildung der Gebärmutter beschleunigt. Dieses „Sich-Zusammenziehen“ der Gebärmutter kann die stillende Mutter in den ersten Tagen als sehr stark und unangenehm empfinden. Dieses Gefühl setzt unmittelbar beim Stillen ein, klingt aber nach kurzer Zeit ab. Außerdem wird durch das Stillen und die damit verbundene Hormonausschüttung die emotionale Nähe von Mutter und Kind gefördert. (Wikipedia)
Mundmotorik
Das Stillen zwingt den Säugling keineswegs nur zum Saugen, sondern zu einem komplexen, melkenden Bewegungsmuster seiner gesamten Mundmuskulatur (Lippen, Zunge, Gaumensegel, Wangen- und Kiefermuskulatur). Das Flaschentrinken dagegen nimmt lediglich die Wangen- und den Ringmuskel der Lippen in Anspruch. Weil die übrigen Muskelgruppen bei Flaschentrinkern unter Umständen unzureichend stimuliert und trainiert werden, begünstigt frühes Abstillen nachweislich Fehlentwicklungen der Mundmotorik mit Folgen wie angewöhnter Mundatmung, ungewöhnlicher Ruhestellung der Lippen und der Zunge, Fehlformungen des Zahnbogens und Gaumens, Zahnfehlstellungen, Zähneknirschen, übermäßigem Saugdrang, Beeinträchtigung des Kauens, Saugens oder Schluckens, bis hin zu Artikulationsstörungen. (Wikipedia)
Induzierte Laktation
Induzierte Laktation wird das gezielte Hervorrufen der Milchbildung (Laktation) ohne vorangegangene Schwangerschaft genannt. Von Relaktation spricht man bei Frauen, die den Milchfluss nach einer Pause des Stillens wieder in Gang bringen wollen. Grundsätzlich kann die Bildung der Muttermilch bei jeder Frau unabhängig von einer Schwangerschaft hervorgerufen werden und sogar bei Männern kann eine Laktation induziert werden. Eine (eventuell Jahre) zurückliegende Schwangerschaft erleichtert die Induktion, ist aber nicht erforderlich. Die Frau kann sich auch jenseits der Wechseljahre befinden, sterilisiert sein oder eine Hysterektomie hinter sich haben. Die gezielte Induktion erfolgt in der Regel zum Stillen eines Adoptivkindes und wird dann Adoptivstillen genannt. Gelegentlich erfolgt die Induktion der Milchbildung auch aus erotischen Gründen; siehe erotische Laktation. Von der Induzierten Laktation ist die spontan auftretende Galactorrhoe abzugrenzen. (Wikipedia)
Literatur & Infos
Daniela Herrmann: „Adoptivstillen“ in kinderkrankenschwester 31. Jg. (2012) Nr. 3 ⋙ Link
Regine Gresens stillkinder.de: Linktipps – Adoptivstillen ⋙ Link