Punkte auf der Landkarte
Augsburg
Aus dem römischen Heerlager wurde die »Fuggerstadt«. Bis zum Ende der Renaissance entwickelte sich die Reichsstadt zu einem der bedeutendsten Handels- und Wirtschaftszentren der Welt.
Der Gegenwart. — 6. Dezember 2024
Ein Asylbewerber aus dem Irak soll einen Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt in Augsburg geplant haben. In einem Asylwohnheim wurde der 37jährige festgenommen. Zuvor soll er Kontakt mit weiteren Mitgliedern der islamistischen Terror-Miliz „Islamischer Staat“ gehabt haben. Aus Kreisen der Sicherheitsbehörden hieß es, der Asylwerber hätte im Zuge einer Ausspähaktion bereits Fotos vom Weihnachtsmarkt gemacht. Wie die Welt am Freitag berichtet, soll der Mann bereits unter Terrorverdacht gestanden haben. Im Internet soll er den Behörden aufgefallen sein, weil er in sozialen Netzwerken den IS verherrlicht haben soll. Laut dem Bericht postete der Iraker Videos von Hinrichtungen Ungläubiger und von Selbstmordattentaten.
Die bei der Generalstaatsanwaltschaft München angesiedelte Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) führt nach BR-Anfrage aktuell ein Ermittlungsverfahren – allerdings nicht wegen Anschlagsplanungen. Es bestehe der Anfangsverdacht der „Terrorismusfinanzierung sowie der Verbreitung von gewaltverherrlichenden Videos der Terrororganisation IS“, so die ZET. […] Wie dem BR aus Sicherheitskreisen bestätigt wurde, haben die Ermittler den Iraker als Terrorkoordinator identifiziert; auch habe der Mann Geld zum IS transferiert, nach Syrien, in die Türkei und in den Irak. […] Der Iraker sitzt Innenminister Herrmann zufolge derzeit in der Abschiebungshaftanstalt Eichstätt. […] Es sei „von einer terroristischen Gefahr auszugehen“ gewesen, erklärte eine Sprecherin des Augsburger Amtsgerichts.
BR24: »Christkindlesmarkt Augsburg: Wie groß war die Terrorgefahr?«, 6.12.2024
Der Name der Stadt, die zu den ältesten in Deutschland gehört, geht auf das 15 v. Chr. gegründete römische Heerlager und die spätere römische Provinzhauptstadt zurück. Im 13. Jahrhundert löste sich die Stadt von der Bischofsherrschaft, wurde spätestens 1316 zur Reichsstadt und häufiger Schauplatz von Reichstagen mit engen Verbindungen zu den Herrschern des Heiligen Römischen Reiches, die unter anderem von den Kaufmannsfamilien Welser und Fugger finanziert wurden („Fuggerstadt“). Nach der Reformation wurde Augsburg, in dem 1555 der Augsburger Religionsfriede geschlossen wurde, bikonfessionell.
Antike
Als Gründungsjahr Augsburgs gilt 15 v. Chr., da in diesem Jahr auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils Oberhausen ein Legionslager, das später auch als Nachschubdepot diente, errichtet wurde. Kaiser Augustus hatte seinen beiden Stiefsöhnen Drusus und Tiberius den Auftrag dazu erteilt. Diesem Gründungsdatum zufolge wäre Augsburg nach Trier die zweitälteste Stadt Deutschlands.
Um das vor der Zeitenwende entstandene Lager bildete sich im ersten Jahrhundert die Siedlung Augusta Vindelicum, der Kaiser Hadrian im Jahr 121 n. Chr. das römische Stadtrecht verlieh. Augsburg war ab etwa 95 n. Chr. Hauptstadt der römischen Provinz Raetien, die sich bis nach Oberitalien erstreckte. Es ist unbekannt, wann genau Augsburg Provinzhauptstadt wurde. Archäologische Befunde deuten darauf hin, dass Kempten (Cambodunum) noch bis ins späte 1. Jahrhundert n. Chr. diese Funktion hatte. Tacitus bezeichnete Augsburg als die schönste („splendidissima“) Stadt Raetiens.
Neuen Forschungen zufolge wurde der Neckar-Odenwald-Limes erst im Jahre 98 n. Chr. unter Kaiser Trajan angelegt, zeitgleich mit dem für dieses Jahr gesicherten Bau der römischen Fernstraße von Mainz über Bad Cannstatt nach Augsburg. Ein Zusammenhang dieser beiden strategischen Bauprojekte mit der Verlegung der Hauptstadt der Provinz Rätien von Kempten nach Augsburg liegt nahe, ist aber bisher nicht positiv belegt.
Im Jahre 260 n. Chr. fielen die germanischen Juthungen in Italien und Raetien ein und verschleppten tausende Italiker. Auf ihrem Rückmarsch wurden sie jedoch in einer zweitägigen Schlacht vom römischen Statthalter bezwungen und in die Flucht geschlagen, wie der 1992 gefundene Augsburger Siegesaltar belegt. 271 kam es nach wiederholten Vorstößen der Juthungen und anderer Stämme zur Belagerung der Stadt.
Nach der Teilung der römischen Provinz Raetia im Jahr 294 wurde Augsburg Hauptstadt der Provinz Raetia Secunda, in die nach dem Ende der römischen Herrschaft um 450 die Alamannen einfielen. Die Siedlung bestand – wie die Überlieferung des 6. Jahrhunderts nahelegt – aber fort. Schon in der Spätantike wurde Augsburg möglicherweise Sitz eines Bischofs, auch wenn es dafür keine schriftlichen und archäologischen Zeugnisse gibt.
Frühe Entwicklung im Mittelalter
Es ist ungeklärt, ob Augsburg als Verwaltungssitz ohne Unterbrechung zwischen Antike und Mittelalter fortbestand. Die Siedlung und das Christentum ihrer Bevölkerung sind aber für das 6. Jahrhundert bezeugt, wie sich aus der Erwähnung der Verehrung der Stadtheiligen Afra in der Vita sancti Martini des Venantius Fortunatus von 565 und aus archäologischen Funden ergibt.
Augsburg war zur Zeit Karls des Großen von Kämpfen zwischen Bayern und Franken betroffen. Der von Karl eingesetzte Bischof Simpert machte sich um den Wiederaufbau der Stadt verdient. Die Bedeutung Augsburgs wuchs gegen Ende des Frühmittelalters wieder an, als König Otto I. mit Hilfe des Bischofs Ulrich von Augsburg die westwärts strebenden Ungarn in der im Jahre 955 geführten Schlacht auf dem Lechfeld südlich der Stadt besiegte.
Am 21. Juni 1156 erhielt Augsburg durch Kaiser Friedrich Barbarossa wieder das Stadtrecht, das knapp hundert Jahre später 1251 durch das Recht auf Führung eines Siegels und auf Besteuerung ihrer Bürger erweitert wurde. Barbarossas Augsburger Schied 1158 (zwei Jahre nach der Stadterhebung Augsburgs) markiert den offiziellen Stadtgründungstag Münchens.
Erhebung Augsburgs zur Reichsstadt
Den Höhepunkt dieser Entwicklungen bildete die Reichsunmittelbarkeit, die am 9. März 1276 von König Rudolf von Habsburg mit dem Privileg des eigenen Satzungsrechts verliehen wurde. Das Stadtrecht wurde im Stadtbuch von 1276 zusammengefasst. Die nun ausgeweitete Selbstständigkeit Augsburgs führte zu heftigen Auseinandersetzungen mit dem Hochstift als weltlichem Herrschaftsbereich des Fürstbischofs, die ihren Höhepunkt in der Verlagerung der bischöflichen Hauptresidenz nach Dillingen an der Donau im 15. Jahrhundert fanden. Die Entwicklung Augsburgs zur Reichsstadt wurde laut Eberhard Isenmann 1316 abgeschlossen, als Ludwig der Bayer die Unveräußerlichkeit der Stadt vom Reich garantierte.
In der Folge übernahmen mehr und mehr Patrizierfamilien die Herrschaft über die Stadt, was jedoch nicht immer problemlos ablief: So gab es 1368 einen Aufstand der städtischen Handwerker, der zur Einführung einer Zunftverfassung führte. Elf Jahre später trat Augsburg dem Schwäbischen Städtebund bei, der 1388 wieder zerfiel.
Infolge der Zunftverfassung und der damit verbundenen Regulierung aller handwerklichen Tätigkeiten wuchs die Macht der Zünfte stetig an, und sie waren bis 1547 an der Stadtregierung beteiligt. Sieben Jahre zuvor, 1540, war die Augsburger Börse gegründet worden. Die Stadt entwickelte sich aufgrund ihrer zentralen Lage an alten Fernstraßen, z. B. der Via Claudia Augusta, der Via Julia und der Via Imperii, zu einer bedeutenden Handelsstadt mit Beziehungen zu den Hansestädten an Nord- und Ostsee sowie nach Italien.
Frühe Neuzeit
Den Höhepunkt dieser Periode stellt die Diktatur des Ulrich Schwarz dar, der das Bürgermeisteramt 1469 mit großen politischen Visionen übernommen hatte. Anfangs gelang es ihm unter anderem, den bis dato unterrepräsentierten niederen Zünften Mitsprache im Stadtregiment einzuräumen und Augsburg aus der Überschuldung zu befreien. Als sich ihm das Patriziat jedoch entgegenstellte, griff er zu brutalen Mitteln und ließ an den Patrizierbrüdern Vittel die Todesstrafe vollstrecken, was zu seinem eigenen Sturz und seiner Hinrichtung 1478 führte.
Mit dem Zuzug Günther Zainers begann das Aufblühen des Augsburger Buchdrucks. Im Jahr 1468 druckte er S. Bonaventurae meditationes vite domini. Neben geistlicher Literatur verkaufte der Typograf Volksbücher in deutscher Sprache, Erbauungsschriften, Arzneibücher und Kalender. Im Jahr 1471 schnitt Zainer mit der Type 3 eine der ersten deutschen Antiquaschriften. Erhard Ratdolt vervollkommnete aus Venedig bezogenes Antiqua-Design. Weitere entstandene Offizinen sorgten dafür, dass die Stadt an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert zu den namhaftesten Verlagsorten in Europa zählte. Nicht zuletzt Johann Schönsperger trug dazu bei. Da die Reichsstadt über keine Universität verfügte und Absatzmöglichkeiten außerhalb des wissenschaftlichen oder kirchlichen Sektors allein das weltliche Publikum eröffnete, wurden zwischen 1480 und 1500 etwa 75 Prozent der hergestellten Bücher in Augsburg in Umgangssprache gedruckt. So brachte es der deutsche Äsop auf damals 22 Auflagen. Schönspergers Theuerdank wird den großartigsten Erzeugnissen im Buchdruck der Renaissance zugerechnet.
Nachdem schon im 13. Jahrhundert einzelne Städte des Reichs das Münzrecht erhalten hatten, versuchte auch der Augsburger Rat dieses Privileg zu erlangen. Der Augsburger Stadtschreiber Konrad Peutinger wurde als Leiter der Stadtverwaltung und als kaiserlicher Rat im Frühjahr 1521 auf den Reichstag zu Worms gesandt, der unter der Regierung des jungen Kaisers Karl V. abgehalten wurde. Er sollte dort nicht nur die alten Privilegien erneuern lassen, sondern auch das Ansuchen stellen, das Münzrecht für die Stadt zu erhalten, was ihm auch gelang. Am 21. Mai 1521 unterschrieb Kaiser Karl V. die entsprechende Urkunde, in der der Stadt Augsburg die Erlaubnis erteilt wurde, eigene Münzen zu prägen. Noch im selben Jahr wurde die Prägetätigkeit aufgenommen. Die reichsstädtischen Prägungen Augsburgs endeten im Jahr 1805, als Augsburg die Reichsfreiheit verlor und an Bayern fiel.
Bereits vor dem endgültigen Niedergang der Zunftherrschaft im Jahre 1547 entwickelte sich Augsburg vom Beginn der Neuzeit bis zum Ende der Renaissance zu einem der bedeutendsten Handels- und Wirtschaftszentren der Welt, was vor allem auf den Einfluss der Kaufmannsfamilien Fugger und Welser zurückging. In dieser Zeit zählte Augsburg zusammen mit Köln, Prag und Nürnberg zu den größten Städten des Heiligen Römischen Reiches.
Reformationszeit
Die Stadt gehörte ab 1500 zum Schwäbischen Reichskreis. Nach dem Reichstag zu Augsburg musste sich Martin Luther 1518 in den Fuggerhäusern vor dem vom Papst beauftragten Kardinal Thomas Cajetan hinsichtlich seiner Thesen verantworten. Luther wohnte während seines Aufenthaltes im Karmelitenkloster St. Anna, wo sich auch der Augsburger Bürgermeistersohn und Karmeliter Christoph Langenmantel aufhielt, der sich freundschaftlich um ihn kümmerte und ihn beriet. Als Martin Luther den Widerruf seiner Thesen verweigerte, bestand die dringende Gefahr seiner Verhaftung. Christoph Langenmantel führte ihn in der Nacht vom 19. zum 20. Oktober heimlich durch eine geheime Pforte in der Stadtmauer, so dass er entfliehen konnte. Mit Datum vom 25. November 1518 sandte ihm Luther aus Wittenberg einen Dankesbrief. Augsburg gehörte 1529 zu den Vertretern der evangelischen Minderheit beim Reichstag zu Speyer, beteiligte sich aber nicht an der Protestation. Ihre Bürgerschaft forderte die ungehinderte Ausbreitung des evangelischen Glaubens, die auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 mit dem Augsburger Bekenntnis von Philipp Melanchthon formuliert wurde. Die Confessio Augustana stellt die Bekenntnis- und Gründungsurkunde der Lutherischen Kirche dar.
In der Stadt Augsburg existierte zwischen 1524 und 1573 eine bedeutende Täufergemeinde, die vor allem durch die Augsburger Märtyrersynode im August 1527, eine internationale Zusammenkunft von Abgesandten unterschiedlicher Täuferkreise, Bekanntheit erlangte. Bedeutende Gestalten der Augsburger Täufer waren Jakob Dachser, Hans Leupold und Pilgram Marbeck. Die meisten der Synodalen starben später als Märtyrer für ihre Überzeugungen.
Am 22. Juli 1534 beschloss der Große Rat der Stadt, dass nur von ihm „installierte“ Prädikanten in der Stadt predigen durften. Der katholische Gottesdienst wurde auf die acht Kirchen der Stifte eingeschränkt. Kleinere Kirchen und Klosterkirchen wurden geschlossen. Mit diesem Religionsmandat nahm der Rat formal die Kirchenhoheit der Stadt in Anspruch.
Im Jahr 1548 veranlasste Kaiser Karl V. eine neue patrizische Stadtverfassung und erließ das Augsburger Interim. Mit der neuen Stadtverfassung führte die Stadt ein paritätisches Regierungs- und Verwaltungssystem ein (Gleichberechtigung und exakte Ämterverteilung zwischen Katholiken und Protestanten – siehe Paritätische Reichsstadt). Der Augsburger Reichs- und Religionsfrieden 1555 beruhigte auch in der Stadt das Zusammenleben der Bürger. 28 Jahre später – am 24. Februar 1583 – wurde in Augsburg der Gregorianische Kalender eingeführt; dies führte zu einem heftigen Kalenderstreit, der im Juni 1584 mit der Ausweisung des lutherischen Theologen Georg Mylius seinen Höhepunkt erreichte.
Dreißigjähriger Krieg
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Fuggerstadt 1628 mit einer Garnison von acht Kompanien bayerischer Truppen belegt, was wöchentliche Kosten von 8950 Gulden verursachte. Unter der Besatzung wurde ab 1629 das Restitutionsedikt zu Lasten der Protestanten mit Zwang durchgesetzt, und aus dem Rat der Stadt und den Schulen wurden die Protestanten entfernt. Am 19. April 1632 stand das schwedische Heer unter König Gustav Adolf vor den Toren und forderte die Übergabe der Stadt. Am 20. April stimmte der Rat der Stadt der freiwilligen Übergabe gegen freien Abzug der bayerischen Besatzungstruppen zu. Neuer Kommandant wurde zunächst der Sohn des schwedischen Reichskanzlers Oxenstierna und nach ihm Johann Georg aus dem Winckel. Die protestantischen Bürger erhielten ihre alten Rechte zurück. Anfang 1634 gab es in der Stadt kaum noch Lebensmittel, weil die nähere Umgebung von durchziehenden Truppen völlig verwüstet und ausgeplündert war. Mitte des Jahres 1634 nutzen erneut zwei schwedische Heere unter Bernhard von Sachsen-Weimar und Gustaf Horn die Stadt und die Umgebung als Lager- und Ausgangsort für ihre Operationen bei den Kämpfen um Regensburg und Landshut.
Nach der vernichtenden Niederlage der Schweden bei Nördlingen wurde Augsburg im Herbst 1634 von kaiserlichen und bayerischen Truppen eingekreist und abgeriegelt, in der Absicht, die Stadt auszuhungern. Alle Zufahrtswege wurden blockiert, und immer wieder wurde versucht, die Wasserzufuhr zu unterbinden. In der Stadt entstand eine Hungersnot mit grausamen Begleitumständen und 5000 Toten am Jahresende 1634. Danach wurden nur noch protestantische Bürger versorgt. Nachdem auch Versuche des schwedischen Kommandanten misslangen, heimlich Lebensmittel aus Ulm zu besorgen, kapitulierte die Stadt am 13. März 1635.
Seit Beginn des Dreißigjährigen Krieges war die Bevölkerung Augsburgs um zwei Drittel gefallen. Unter dem neuen bayerischen Stadtkommandanten Otto Heinrich Fugger wurde der religiöse Zustand zur Zeit des Restitutionsediktes wiederhergestellt, und die Stadt musste Entschädigungszahlungen von 300.000 Gulden aufbringen. In den folgenden 12 Jahren war Augsburg nicht mehr so stark vom Krieg betroffen. Erst gegen Ende des Krieges im September 1646 wurde Augsburg wieder zum Ziel eines vereinigten schwedisch-französischen Heeres unter den Feldherren Carl Gustav Wrangel und Turenne. Die Stadt wurde so heftig beschossen, dass die Bürger wieder bereit waren, die Stadt an die Schweden zu übergeben. Die Schweden gaben aber die Belagerung auf, als sich ein bayerisches Entsatzheer unter dem Feldherrn Johann von Werth näherte. Auch von der letzten großen Feldschlacht des Krieges wurde Augsburg Mitte Mai 1648 noch am Rande betroffen. Nach der Schlacht bei Zusmarshausen zogen sich die vor den schwedisch-französischen Truppen flüchtenden kaiserlich-bayerischen Truppen bis vor die Mauern der Stadt zurück. Der in der Schlacht tödlich verwundete kaiserliche Feldherr Melander starb in Augsburg.
Augsburg in der Barockzeit
Nach 1653 fand auch 1690 nochmals in Augsburg die Wahl des deutschen Königs statt.
Im 18. Jahrhundert erlebte die Instrumentenmacherkunst in Augsburg eine neue Blüte. Sie ist eng mit dem Namen Georg Friedrich Branders (1713–1783) verbunden, dessen Erzeugnisse in ganz Europa Anklang fanden. Auf Seiten der Musik machten sich Johann Andreas Stein und dessen Tochter Nannette Streicher einen bedeutenden Namen: Ersterer war einer der Lieblingsklavierbauer der Familie Mozart, Letztere erlernte diese Handwerkskunst von ihrem Vater, siedelte um 1800 aber nach Wien über, wo sie einen eigenen musikalischen Salon führte und u. a. einen regen Briefwechsel mit Ludwig van Beethoven führte, der ohne ihre Instrumente seine besten Werke wohl nie geschrieben hätte. Im 18. Jahrhundert war Augsburg zudem eines der bedeutendsten Druckerzeugniszentren Europas. Am 13. Dezember 1703 wurde Augsburg im Spanischen Erbfolgekrieg durch bayerische Truppen unter Kurfürst Maximilian II. Emanuel besetzt, die es 1704 allerdings wieder räumen mussten.
1784/1785 kam es zu Weberunruhen, die schließlich am 29. Januar 1794 im Weberaufstand gipfelten. Den Hintergrund des Streites bildete die aufkommende Textilindustrie mit ihren Kattunmanufakturen, welche das Weberhandwerk bedrohten. So hatte Johann Heinrich Schüle 1771 mit der Schüleschen Kattunfabrik in Augsburg die erste Fabrik auf dem europäischen Kontinent errichtet.
Augsburg im Königreich Bayern Durch den Friedensvertrag von Pressburg (26. Dezember 1805) verlor Augsburg, das bereits am 21. Dezember von bayerischen Truppen besetzt worden war, die Reichsfreiheit und fiel an das Königreich Bayern. Ab 1809 erhielt die Stadt einen eigenen Polizeidirektor und unterstand direkt der Kreisverwaltung. Deshalb bezeichnete man sie als „kreisunmittelbar“. Nach Umbenennung der Kreise in Regierungsbezirke und der Bezirksämter in Landkreise (1938) wurde daraus „kreisfrei“, weil diese Städte außerhalb der Landkreisverbände unmittelbar der Regierung unterstanden.
1839 ging eine erste Eisenbahnverbindung zwischen Augsburg und München in Betrieb. Im Rahmen des 1843 begonnenen Projekts Ludwig-Süd-Nord-Bahn mit der Strecke Augsburg–Nürnberg und Lindau–Augsburg wurde der erste Kopfbahnhof aufgegeben und ab 1846 ein neuer Durchgangsbahnhof benutzt: der bis heute in Betrieb stehende Hauptbahnhof Augsburgs. Die älteste Augsburger Bahnhofshalle dient heute als Teil eines Straßenbahndepots und ist das älteste erhaltene Empfangsgebäude einer deutschen Großstadt, während der Hauptbahnhof das älteste noch im Betrieb befindliche Empfangsgebäude einer deutschen Großstadt besitzt.
1862 entstand das Bezirksamt Augsburg, aus dem später der Landkreis Augsburg hervorging. Dieser wurde bei der Gebietsreform 1972 mit dem ehemaligen Landkreis Schwabmünchen, einem Teil des ehemaligen Landkreises Wertingen, und einigen Orten der Landkreise Donauwörth und Neuburg an der Donau vereinigt. Seine heutige Ausdehnung erhielt der Landkreis Augsburg mit der Ausgliederung der Gemeinde Baar zum Landkreis Aichach-Friedberg im Jahr 1994. Augsburg blieb Sitz des Landkreises, die Stadt selbst war stets kreisfrei.
Im 19. Jahrhundert erlangte Augsburg noch einmal Bedeutung als Zentrum der Textilindustrie und des Maschinenbaus. Neben der heute nur noch unter dem Kürzel MAN bekannten Maschinenfabrik Augsburg Nürnberg, in der Rudolf Diesel 1893 bis 1897 den Dieselmotor entwickelte, hatte zum Beispiel die Messerschmitt AG seit 1927 hier ihren Hauptsitz. Mit der Allgemeinen Zeitung von Johann Friedrich Cotta erschien in Augsburg außerdem die bedeutendste deutsche Tageszeitung dieser Zeit.
Zum Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts machte sich der technische Fortschritt auch in der Fuggerstadt bemerkbar: Nachdem 1881 bereits Pferdebahnen auf Schienen eingeführt worden waren, ging 1898 die elektrische Straßenbahn in Betrieb. Der Abriss des mittelalterlichen Weberhauses führte in einer Zeit des raschen Wachstums zu heftigen Protesten.
Im April 1919 gab es kurzzeitig im Zusammenhang mit der Münchner Räterepublik auch in Augsburg in Anlehnung an die Sowjets (russ. für „Räte“) eine Räterepublik, die jedoch am Ostersonntag unter dem militärischen Druck der nach Bamberg ausgewichenen bayerischen Regierung unter Johannes Hoffmann weichen musste.
Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
Bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 erhielt die NSDAP in Augsburg 32,3 Prozent der Stimmen. Mit Beginn der „Nationalen Revolution in Bayern“ am 9. März begann der Terror gegen politische Gegner auch in Augsburg. Ende März 1933 wurde der 1929 gewählte Stadtrat aufgelöst und anhand der Ergebnisse der Reichstagswahl vom 5. März neu besetzt, jedoch ohne die Stadträte der KPD. Im Mai verließ die SPD, die schon vorher von fast allen städtischen Ausschüssen ausgeschlossen war, auf Druck der Nationalsozialisten den Stadtrat, am 5. Juli folgte die BVP. Die Abgeordneten der DNVP schlossen sich der Fraktion der NSDAP an. Mit der Neugliederung des Reiches 1933 wurde Bayern in sechs Gaue eingeteilt. Augsburg wurde Hauptstadt des Gaues Schwaben.
Schon am 9. März 1933 wurden kommunistische Funktionäre in „Schutzhaft“ genommen. Richteten sich die Verhaftungen zunächst gegen Kommunisten und Sozialdemokraten, gerieten schnell auch Jüdisch-Deutsche und andere missliebige Personen, wie auch Abgeordnete der BVP, in Haft. Auch der Brand der Sängerhalle (im heutigen Wittelsbacher Park) am 30. April 1934 war Anlass einer Verhaftungswelle.
Anfang 1933 gab es in Augsburg 126 Betriebe in jüdisch-deutschem Besitz, darunter 20 der Industrie und 55 Großhandelsfirmen. Ihre Gesamtzahl ging durch die Repressalien bis 1938 auf 79 zurück. Bei den Novemberpogromen wurde am Morgen des 10. November 1938 die 1917 erbaute Synagoge in Brand gesteckt. In der Folge wurden jüdisch-deutsche Geschäfte und Privatwohnungen verwüstet und die männlichen jüdisch-deutschen Bürger in Konzentrationslager (KZ) verschleppt, um sie zur Emigration zu nötigen und ihr Vermögen zu konfiszieren (Arisierung).
Während des Zweiten Weltkrieges wurden zur Dezentralisierung der Rüstungsproduktion der Flugzeugfabrik Messerschmitt AG in Augsburg und im näheren Umland mehrere Außenlager des KZ Dachau errichtet. Das KZ-Außenlager Haunstetten wurde im Februar 1943 in diesem Ortsteil im Bereich einer ehemaligen Kiesgrube gebaut, 2700 männliche KZ-Häftlinge dort inhaftiert und nach Zerstörung bei Bombenangriffen im April 1944 als KZ-Außenlager Augsburg-Pfersee in einer Luftnachrichtenkaserne neu eingerichtet, als Hauptlager des Außenlagerkomplexes Schwaben. Auch in Gablingen gab es ein Lager für 1000 Häftlinge, zudem das KZ-Außenlager Horgau. 235 Häftlinge wurden direkt in Augsburg von SS-Männern ermordet oder starben an den katastrophalen Lebensbedingungen und wurden auf dem Westfriedhof begraben, woran drei Gedenktafeln erinnern. 2000 Gefangene wurden im Frühjahr 1945 bei einem Todesmarsch aus der Kaserne Pfersee nach Klimmach getrieben, wobei viele von ihnen starben. Im Stadtteil Kriegshaber waren 500 ungarische Jüdinnen für die Arbeit in den Michel-Werken interniert.
Augsburg erlitt im Zweiten Weltkrieg durch Luftangriffe schwere Schäden, da die Stadt mit Produktionsstätten wichtiger Rüstungsunternehmen ein militärisches Ziel alliierter Bomberverbände war. Augsburg wurde über zehnmal bombardiert, davon zweimal in Angriffen von größerer Wirkung: am 17. April 1942 war das Ziel die U-Boot-Motoren-Produktion der MAN, am 25. und 26. Februar 1944 galt der Angriff im Rahmen der Area Bombing Directive der Innenstadt, den Messerschmitt-Werken und dem Hauptbahnhof als einem süddeutschen Eisenbahnknotenpunkt. Bis heute sind die Folgen spürbar, einmal durch den unwiederbringlichen Verlust wertvoller Kulturgüter, zum anderen durch die Gefahren, die von noch immer im Boden befindlichen Blindgängern ausgehen.
Am 28. April 1945 rückten Einheiten der 7. US-Armee – dank der erfolgreichen Augsburger Freiheitsbewegung ohne Kampfhandlungen – in Augsburg ein und befreiten damit Augsburg von der NS-Herrschaft. Sie errichteten hier einen Stützpunkt mit mehreren Kasernen, der erst 1998 durch den Abzug der letzten Truppen vollständig aufgegeben wurde.
Nachkriegszeit
Die Altstadt mit ihren bedeutenden Bauten wurde nach Kriegsende größtenteils wieder aufgebaut, wobei einige Arbeiten bis in die heutige Zeit andauern. So konnte die Renovierung des 1985 anlässlich der 2000-Jahr-Feier der Stadt eröffneten Goldenen Saals erst 1996 abgeschlossen werden. Als Hauptstadt des Regierungsbezirks Schwaben fügte sich Augsburg in das politische System der Bundesrepublik Deutschland und des Freistaats Bayern ein.
Textgrundlage: https://de.wikipedia.org/wiki/Augsburg

Jakob Fugger (1459–1525), Porträt von Albrecht Dürer, circa 1519 — Foto: Staatsgalerie Altdeutsche Meister/Wikimedia
Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburger Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.
Fakten & Daten
Augsburg (im schwäbischen Dialekt Augschburg, lateinisch Augusta Vindelicum und Augusta Vindelicorum) ist eine kreisfreie Großstadt im Südwesten Bayerns und eine der drei Metropolen in diesem Bundesland. Sie ist Universitätsstadt und Sitz der Regierung des Bezirks Schwaben sowie des Landratsamtes des die Stadt im Westen umgebenden Landkreises Augsburg.
Die Stadt wurde 1909 zur Großstadt und ist mit rund 300.000 Einwohnernnach München und Nürnberg die drittgrößte Stadt Bayerns. Der Ballungsraum Augsburg steht bezüglich Bevölkerung und Wirtschaftskraft in Bayern ebenfalls an dritter Stelle und ist Teil der Planungsregion Augsburg, in der etwa 885.000 Menschen leben. Augsburg hatte im Jahr 2017 unter den deutschen Großstädten über 200.000 Einwohnern die zweitgeringste Rate aller Straftaten.
Augsburg hat einen eigenen, auf das Stadtgebiet beschränkten gesetzlichen Feiertag, das Augsburger Hohe Friedensfest am 8. August. Damit ist Augsburg die Stadt mit der größten Anzahl gesetzlicher Feiertage in Deutschland.
Bekannt ist Augsburg vor allem für die Fuggerei, die älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt, die Jakob Fugger im Jahr 1521 gegründet hat. Weitere wichtige Sehenswürdigkeiten sind der Augsburger Dom, das prachtvolle Rathaus mit dem Goldenen Saal, und die Augsburger Puppenkiste, ein berühmtes Marionettentheater. (Wikipedia)