Großtaten und Meisterstücke
August Kopisch
Der Kunstmaler und Schriftsteller erfand einen Reise-Ofen, entdeckte auf Capri die Blaue Grotte und dichtete einige der bekanntesten deutschen Verse: »Die Heinzelmännchen«.
Der Gegenwart. — 9. Januar 2025
August Kopisch wurde als Sohn des wohlhabenden Breslauer Kaufmanns Christian Gottlieb Kopisch geboren. Er besuchte das Maria-Magdalenen-Gymnasium in Breslau bis zur Prima. Da er sich schon seit seiner Kindheit der Malerei verschrieb, verbrachte er die Jahre zwischen 1815 und 1818 auf den Kunstakademien in Dresden und Prag. Im Oktober 1817 ging er nach Wien, wurde dort Schüler an der Kunstakademie und studierte bis Mitte 1819 das Fach Historienmalerei. Er schwankte schon damals zwischen Malerei und Poesie und spielte auch Gitarre und Klavier. In Wien erfreute er sich der besonderen Förderung durch Professor Joseph Georg Meinert und den Philologen Vuk Stefanović Karadžić.
Im Winter 1820/21 brach er sich bei einem Schlittschuh-Unfall die rechte Hand. Da die Hand steif blieb, gab er die Malerei schweren Herzens und gegen den Willen seiner Familie auf und widmete sich fortan fast nur noch der Literatur. Insgesamt sind von Kopisch nur 23 Gemälde nachgewiesen, von denen etwa die Hälfte heute noch existiert.
Längere Italien-Reise
Zur Heilung seiner Hand (und weil er sich unglücklich in ein mit ihm verwandtes Mädchen verliebt hatte) brach Kopisch im Frühjahr 1824 zu einer längeren Italien-Reise auf. In Rom fand er schnell Anschluss bei den Deutschrömern. 1826 hielt sich Kopisch in Neapel auf. Dort lernte er August von Platen-Hallermünde kennen, der ihn auch literarisch beeinflusste. Durch seine Fertigkeit im Schwimmen entdeckte er nach eigenem Bekunden zusammen mit dem Heidelberger Maler Ernst Fries im Jahr 1826 die Blaue Grotte auf Capri.
In Neapel begann Kopisch erneut zu malen und wurde bald zu einem stadtbekannten Original, den die Einwohner nur Don Augusto Prussiano nannten. Filippo Cammarano machte ihn sogar zu einer Figur in einer seiner Volkskomödien. Für seine Landschaftsbilder wählte er übersteigerte Farben mit großer Strahlkraft (Bengalisch Blau, Sonnenuntergangsrot), die er z. T. neu entwickelte. Er bestieg während eines Ausbruchs 1828 den Vesuv, um das Farbenspiel der Lava malen zu können. Ein später Nachklang seiner Italienreise ist sein 1848 entstandenes Meisterwerk „Die Pontinischen Sümpfe bei Sonnenuntergang“.
Zum Kunstbeirat bestellt
1829 kehrte Kopisch nach Breslau zurück. Gemeinsam mit Carl Ferdinand Langhans errichtete er dort 1831 ein Pleorama des Golfes von Neapel. Ab 1833 lebte er in Berlin, wo er im königlichen Hofmarschallamt eine Anstellung fand, 1840 in den Königlichen Kunstbeirat bestellt wurde und 1844 von König Friedrich Wilhelm IV., den er 1828 in Italien als Kronprinzen kennengelernt hatte, den Professorentitel erhielt.
Ab 1847 weilte Kopisch in Potsdam. In den Revolutionsjahren 1848/49 verhielt sich Kopisch äußerst loyal zum Königshaus. Am 12. Juli 1852 heiratete Kopisch in Berlin Marie von Sellin. Auf einer Reise nach Berlin erlitt August Kopisch einen Schlaganfall, dem er am 6. Februar 1853 erlag. Beigesetzt wurde er in einem Ehrengrab der Stadt Berlin im Feld OM G2 auf dem Dreifaltigkeitskirchhof II in Berlin-Kreuzberg.
Textgrundlage: https://de.wikipedia.org/wiki/August_Kopisch
Die Heinzelmännchen.
Wie war zu Cölln es doch vordem,
Mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn, war man faul: ... man legte sich
Hin auf die Bank und pflegte sich:
Da kamen bei Nacht,
Ehe man’s gedacht,
Die Männlein und schwärmten
Und klappten und lärmten
Und rupften
Und zupften
Und hüpften und trabten
Und putzten und schabten ...
Und eh ein Faulpelz noch erwacht, ...
War all sein Tagewerk ... bereits gemacht!
Die Zimmerleute streckten sich
Hin auf die Spän’ und reckten sich;
Indessen kam die Geisterschaar
Und sah was da zu zimmern war:
Nahm Meißel und Beil
Und die Säg’ in Eil:
Sie sägten und stachen
Und hieben und brachen,
Berappten
Und kappten,
Visirten wie Falken
Und setzten die Balken ...
Eh sich’s der Zimmermann versah ...
Klapp, stand das ganze Haus ... schon fertig da!
Beim Bäckermeister war nicht Noth,
Die Heinzelmännchen backten Brodt.
Die faulen Burschen legten sich,
Die Heinzelmännchen regten sich –
Und ächzten daher
Mit den Säcken schwer!
Und kneteten tüchtig
Und wogen es richtig
Und hoben
Und schoben
Und fegten und backten
Und klopften und hackten.
Die Burschen schnarchten noch im Chor:
Da rückte schon das Brodt, ... das neue, vor!
Beim Fleischer ging es just so zu:
Gesell und Bursche lag in Ruh.
Indessen kamen die Männlein her
Und hackten das Schwein die Kreuz und Quer.
Das ging so geschwind,
Wie die Mühl’ im Wind:
Die klappten mit Beilen,
Die schnitzten an Speilen,
Die spülten,
Die wühlten
Und mengten und mischten
Und stopften und wischten.
That der Gesell die Augen auf:
Wapp! hing die Wurst da schon im Ausverkauf!
Beim Schenken war es so: es trank
Der Küfer bis er niedersank,
Am hohlen Fasse schlief er ein,
Die Männlein sorgten um den Wein
Und schwefelten fein
Alle Fässer ein.
Und rollten und hoben
Mit Winden und Kloben,
Und schwenkten
Und senkten
Und gossen und panschten
Und mengten und manschten.
Und eh der Küfer noch erwacht:
War schon der Wein geschönt und fein gemacht!
Einst hatt’ ein Schneider große Pein:
Der Staatsrock sollte fertig sein;
Warf hin das Zeug und legte sich
Hin auf das Ohr und pflegte sich.
Da schlüpften sie frisch
In den Schneidertisch;
Und schnitten und rückten
Und nähten und stickten,
Und faßten
Und paßten
Und strichen und guckten
Und zupften und ruckten,
Und eh mein Schneiderlein erwacht:
War Bürgermeisters Rock bereits gemacht!
Neugierig war des Schneiders Weib,
Und macht sich diesen Zeitvertreib:
Streut Erbsen hin die andre Nacht,
Die Heinzelmännchen kommen sacht;
Eins fähret nun aus,
Schlägt hin im Haus,
Die gleiten von Stufen
Und plumpen in Kufen,
Die fallen
Mit Schallen,
Die lärmen und schreien
Und vermaledeien!
Sie springt hinunter auf den Schall
Mit Licht: husch, husch, husch, husch! – verschwinden All!
O weh nun sind sie alle fort
Und keines ist mehr hier am Ort!
Man kann nicht mehr wie sonsten ruh’n,
Man muß nun Alles selber thun!
Ein Jeder muß fein
Selbst fleißig sein,
Und kratzen und schaben
Und rennen und traben
Und schniegeln
Und biegeln
Und klopfen und hacken
Und kochen und backen.
Ach, daß es noch wie damals wär!
Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her!

August Kopisch porträtiert von Joseph v. Führich (1800–1876) — Kupferdruck einer Heliogravüre, etwa 1829/Wikimedia
Lebensdaten
August Kopisch (* 26. Mai 1799 in Breslau; † 6. Februar 1853 in Berlin) war ein deutscher Erfinder, Landschafts- und Historienmaler und Schriftsteller bzw. Dichter. Kopisch erfand den sog. „Berliner Schnellofen“, einen tragbaren, spiritusbetriebenen Ofen zum Erwärmen kleiner Räume, vornehmlich auf Reisen, und ließ ihn patentieren. Kopisch übersetzte auch Dantes Göttliche Komödie und italienische Volkslieder ins Deutsche. Bekannt wurde sein Gedicht über die Kölner Heinzelmännchen. 1899 wurde der Heinzelmännchenbrunnen vom Kölner Verschönerungsverein aus Anlass des 100. Geburtstags von August Kopisch gestiftet. 1948 wurde der Kopischweg in Hamburg-Niendorf nach ihm benannt. (Wikipedia)
Das Buch und die Bilder

August Kopisch: Die Heinzelmännchen. Mit Bildern von Arpad Schmidhammer (Scholz' künstlerische Volks-Bilderbücher). Jos. Scholz-Verlag, Mainz (ca.1910)

August Kopisch: Die Heinzelmännchen. Mit Bildern von Fritz Gareis. Loewes Verlag Ferdinand Carl, Stuttgart (ca. 1912)

August Kopisch: Die Heinzelmännchen. Mit Bildern von Ernst Kutzer. Alfred Hahn Verlag, Leipzig (ca. 1930)

August Kopisch: Die Heinzelmännchen. Mit Bildern von Beatrice Braun-Fock. Jos Scholz-Mainz Verlag, Wiesbaden (1936)

August Kopisch: Die Heinzelmännchen. Mit Bildern von Fritz Baumgarten (Mainzer Künstler-Bilderbücher). Engelbert Dessart Verlag, Bad Aibling (um 1956)
[Hinweise zu den Erscheinungsdaten der Bücher werden gern entgegengenommen und ggf. hier korrigiert.]
Biografisches
Arpad Schmidhammer, eigentlich Arpath Emil Schmidhammer, (* 12. Februar 1857 in St. Joachimsthal; † 13. Mai 1921 in München) war ein deutscher Buchillustrator und Karikaturist. Schmidhammer arbeitete u. a. für die Zeitschrift Jugend als einer der ersten Illustratoren, ferner für die Anthologie Knecht Ruprecht (1900) und das Jugendland. Neben zahlreichen Beiträgen als Kinderbuchillustrator verfasste er auch eigene Kinderbücher. Viele von ihm illustrierte Bücher erschienen im Verlag Jos. Scholz in Mainz, meist in den Reihen Scholz’ Künstler-Bilderbücher, Scholz’ künstlerische Malbücher und Scholz’ künstlerische Volks-Bilderbücher. Er veröffentlichte im Ersten Weltkrieg propagandistische „Kriegsbilderbücher“, profilierte sich aber auch als scharfer politischer, besonders antiklerikaler Karikaturist seiner Zeit. Zusammen mit Hans Thoma entwarf Schmidhammer ab 1896 Kostüme für die Inszenierung des Rings des Nibelungen bei den Bayreuther Festspielen. (Wikipedia)
Fritz Gareis junior (* 21. Oktober 1872 in Wien; † 5. Oktober 1925 ebenda) war ein österreichischer Karikaturist, Illustrator und Maler. Fritz Gareis junior studierte zunächst bei seinem Vater, dem Bildhauer und Maler Fritz Gareis (1845–1903). Ausstellungen machten ihn als Genre- und Landschaftsmaler bekannt. Popularität erlangte Gareis in Österreich mit seinen humoristischen Beiträgen in der Zeitschrift Die Muskete (1915/23). Weitere Zeitungen und Zeitschriften entdeckten sein Talent. Er war Illustrator bei Der Montag (1921/23), bei der Satirezeitschrift Der Götz von Berlichingen (1923/25) und Kleine Volkszeitung (1923/25). Für die Zeitschrift Der Götz von Berlichingen zeichnete Gareis einen der ersten europäischen Comics mit Sprechblasen. Illustrationen und Vignetten zu zahlreichen Büchern, aber auch Plakate, Postkarten und Spendenmarken runden sein graphisches Werk ab. (Wikipedia)
Ernst Kutzer (* 10. Juni 1880 in Böhmisch Leipa, Österreich-Ungarn; † 19. März 1965 in Wien) war österreichischer Maler, Grafiker, Autor und Bilderbuchillustrator. Ab 1910 begann er, Jugendbücher für den Stuttgarter Verlag Levy & Müller zu illustrieren, und entwickelte dabei seine unverwechselbaren Kinderzeichnungen. Während des Ersten Weltkrieges war er Kriegsmaler. Daneben zeichnete und malte er zahlreiche Postkarten, die bis heute hoch im Sammlerkurs stehen, sowie Sammelbilder für Stollwerck-Sammelalben. Nach 1933 war Kutzer in vielen Schulbüchern im Deutschen Reich vertreten. In der Nachkriegszeit wurden bei Neuauflagen die NS-Symbole aus den Grafiken entfernt und Kutzers Name als Mitautor der Schulbücher nicht mehr genannt. Ab 1948 „normalisierte“ sich die Lage um die Kutzerbücher. Es entstand sein in Österreich am weitesten verbreitetes Bilderbuch, Puckerl und Muckerl. Dieses Buch erscheint immer noch im Breitschopf Verlag, der nach dem Zweiten Weltkrieg durch seine Aufträge Kutzer und seiner Familie das Überleben mit ermöglichte. Auch in dieser Zeit waren Kutzers Fibeln und Lese- und Rechenbücher Bestandteil des Schulunterrichts. Das Esperanto-Lehrbuch ist noch heute in Gebrauch. (Wikipedia)
Beatrice Braun-Fock (* 14. April 1898 in Amsterdam; † 30. Januar 1973 in Bad Wiessee) war niederländisch-deutsche Zeichnerin und Buchillustratorin. Mit mehr als 50 Kinder- und Jugendbüchern gehört sie zu den bekanntesten Illustratoren des 20. Jahrhunderts. Schon während der Studienzeit an der Kunstgewerbeschule München wurden ihre Zeichnungen im Simplicissimus veröffentlicht. Neben Käthe Kollwitz und Kasia von Szadurska gehörte sie zu den ersten Frauen, die für die satirische Wochenschrift arbeiteten. 1924 kam ihre Tochter Karla zur Welt. 1930 und 1931 erschienen mehrere Bücher im Jos. Scholz Verlag Mainz in der Reihe Scholz’ Künstler-Bilderbücher, darunter Märchen der Brüder Grimm und Die Heinzelmännchen. Zu jener Zeit waren ihre Illustrationen beispielgebend für die künstlerische Entwicklung des Bilderbuchs in Deutschland. In den 1930er-Jahren gestaltete sie ihre Bilder flächiger und verwendete kräftigere Farben. 1947 erschien Friedrich Rückerts Das Männlein in der Gans. Sie führte ihre Illustrationstechnik mit prägnanten, klaren Formen zu einer zeitgemäßen Buchillustration wie 1956 im Buch Der schwarze Schimmel, für das Ernst Heimeran die Verse dichtete. 1957 erschien im Kinderbuchverlag Berlin die Lizenzausgabe des Buches für die DDR. Es zählt zu den besten Kinderbüchern nach dem Zweiten Weltkrieg. (Wikipedia)
Friedrich „Fritz“ Karl Baumgarten (* 18. August 1883 in Reudnitz bei Leipzig; † 3. November 1966 in Leipzig) war ein deutscher Kinderbuchillustrator, Lithograf, Zeichner und Maler. Er hat über mehrere Jahrzehnte zahlreiche Bilderbücher mit Wichteln und Zwergen gestaltet und einen charakteristischen Stil geprägt. Die über neunzig nach 1945 erschienenen Bilderbücher (u.a. im Abel & Müller Verlag, Engelbert Dessart Verlag, Titania-Verlag, Pestalozzi-Verlag, mit Versen/Texten von Helle Carola Gärtner-Scholle, Gisela Fischer, Ruth Kraft, Liselotte Burger, Helge Darnstädt, Lena Hahn, Erich Heinemann u. a. m.) erreichten eine Auflage von bis heute insgesamt fast einer Million. (Wikipedia)
