Der Friedrichshagener Kreis um Wilhelm Bölsche und Bruno Wille mitsamt Damen, Kind und Kegel — Foto: Wikimedia

Friedrichshagen am Großen Müggelsee
Friedrichshagen am Großen Müggelsee auf einer Karte
aus DDR-Zeiten — Illustration: VEB Landkartenverlag/friedrichshagen-online.de — Vergrößern ⋙ Link

Berlin-Friedrichshagen

Friedrichshagen ist ein Ortsteil im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick, am Nordufer des Müggelsees gelegen. Mittelpunkt von Friedrichshagen ist die Bölschestraße, die zwei Jahrhunderte Baugeschichte repräsentiert. Die für ihre Einkaufsmöglichkeiten und vielfältige Gastronomie bekannte Straße konnte durch Sanierungsmaßnahmen ihren Charakter – einerseits Lebensader und andererseits Flaniermeile – erhalten.

Geschichte

Der Ort wurde als Kolonistendorf Friedrichshagen am 29. Mai 1753 im Auftrag von Friedrich II. gegründet. Vornehmlich wurden Baumwollspinner aus Böhmen und Schlesien angesiedelt, die in einfachen Lehmfachwerkhäusern lebten. Sie betrieben Baumwollspinnerei in Heimarbeit und verdienten sich in den Wintermonaten ihren Lebensunterhalt durch Besenbinderei. Um durch den Verkauf von süßen Maulbeeren einen Zusatzverdienst zu erlangen, pflanzten die Friedrichshagener mehrere hundert Maulbeerbäume an. Seidenraupenzucht ist nicht dokumentiert.

Inmitten der Siedlung errichteten die Einwohner einen Betsaal mit Schulstube und Lehrerwohnung. Erst um 1800 bekamen sie ein eigenes Gotteshaus, das aber nur ein schlichter Saalbau war, dem 1848 ein Glockentürmchen hinzugefügt wurde.

Im Jahr 1842 wurde die Haltestelle Friedrichshagen auf der Strecke der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn von Berlin in Richtung Frankfurt (Oder) eröffnet. Durch diese günstige Verkehrsanbindung entwickelte sich Friedrichshagen im 19. Jahrhundert zu einem Villenvorort und beliebten Ausflugsziel für „Sommerfrischler“, die besonders die landschaftlichen Reize des Müggelsees genossen. Friedrichshagen wurde 1878 eine eigenständige Landgemeinde und erhielt um 1880 den Titel „Klimatischer Luftkurort“. Es entstanden zwei Badestellen am Müggelsee, der Kurpark sowie Biergärten, Cafés und Hotels.

Hermann Gladenbeck verlegte 1887 seine bekannte Bildgießerei nach Friedrichshagen. Hier wurden bis 1926 Standbilder und Denkmale nach den Entwürfen bekannter Bildhauer in Bronze gegossen.

Ab 1889 wurde ein Wasserwerk im Stil einer neogotischen Klosteranlage zur Versorgung des Berliner Ostens errichtet und 1893 eröffnet. Nach Erweiterungen und Modernisierungen ist das Wasserwerk Friedrichshagen bis heute in Betrieb. In einem Schöpfmaschinenhaus am Ufer des Müggelsees befindet sich seit 1987 das Wasserwerkmuseum der Berliner Wasserbetriebe. Das gesamte Betriebsgelände steht unter Denkmalschutz. (Wikipedia)

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Friedrichshagener Dichterkreis

Mitglieder und Personen aus dem Umfeld des Kreises (Wikipedia):

Lou Andreas-Salomé (1861–1937)

Max Baginski (1864–1943)

Wilhelm Bölsche (1861–1939)

Paul Brock (1900–1986)

Anna Costenoble (1863–1930)

Max Dauthendey (1867–1918)

Ida Dehmel (1870–1942)

Paula Dehmel (1862–1918)

Richard Dehmel (1863–1920)

Hermann Friedmann (1873–1957)

Curt Grottewitz (1866–1905)

Max Halbe (1865–1944)

Knut Hamsun (1859–1952)

Ola Hansson (1860–1925)

Adalbert von Hanstein (1861–1904)

Maximilian Harden (1861–1927)

Julius Hart (1859–1930)

Heinrich Hart (1855–1906)

Otto Erich Hartleben (1864–1905)

Wilhelm Hegeler (1870–1943)

Peter Hille (1854–1904)

Hugo Höppener, gen. Fidus (1868–1948)

Felix Hollaender (1867–1931)

Dagny Juel (1867–1901)

Bernhard Kampffmeyer (1867–1942)

Paul Kampffmeyer (1864–1945)

Wolfgang Kirchbach (1857–1906)

Hermann Krieger (1866–1943)

Hedwig Lachmann (1865–1918)

Gustav Landauer (1870–1919)

Else Lasker-Schüler (1859–1945)

Adalbert Luntowski (1883–1934)

John Henry Mackay (1864–1933)

Laura Marholm (1854–1928)

Christian Morgenstern (1871–1914)

Erich Mühsam (1878–1934)

Willy Pastor (1867–1933)

Wilhelm von Polenz (1861–1903)

Stanisław Przybyszewski (1868–1927)

Wilhelm Spohr (1868–1959)

Rudolf Steiner (1861–1925)

Bertha von Suttner (1843–1914)

August Strindberg (1849–1912)

Frank Wedekind (1864–1918)

Bruno Wille (1860–1928)

 

Neuer Friedrichshagener Dichterkreis

Der Neue Friedrichshagener Dichterkreis (laut Statuten hieß er wie sein Vorgänger Friedrichshagener Dichterkreis) war die scherzhafte Neugründung des Friedrichshagener Dichterkreises durch Johannes Bobrowski und Manfred Bieler im Jahr 1962. Sie bezogen sich dabei auch auf Bobrowskis Wohnort Berlin-Friedrichshagen und machten sich, als zunächst einzige Mitglieder, gleich zu Präsidenten, gemäß den Statuten des Friedrichshagener Dichterkreises § 1.

Statuten und Mitglieder

Als besonders bedeutsam seien die Präambel und der § 8 der Statuten zitiert:

„Präambel: Der Friedrichshagener Dichterkreis steht auf dem Boden Friedrichshagens und sieht seine Aufgaben in der Beförderung der schönen Literatur und des schönen Trinkens.“

„§ 8: Das Zentralorgan des Friedrichshagener Dichterkreises ist die Leber. Besondere Mitteilungen erfolgen durch das Herz.“

Den Mitpräsidenten Manfred Bieler kannte Bobrowski seit 1959, als jener ihn mit Günter Bruno Fuchs besuchte. Bieler lebte bis 1964 ebenfalls in Friedrichshagen. „Ehrenmitglieder“ des Dichterkreises waren Günter Bruno Fuchs, Robert Wolfgang Schnell, Lothar Kusche und später Christa Reinig, „Korrespondierendes Mitglied“ war Klaus Wagenbach: Mit Fuchs war Bobrowski seit 1959 befreundet, und er porträtierte ihn später als Maler Philippi in Levins Mühle. Schnell kannte Bobrowski von seinen Besuchen in der Kreuzberger Hinterhofgalerie Zinke. Mit Kusche hatte er sich bei seinen Besuchen des Kabaretts Die Distel angefreundet. Den damaligen Fischer-Lektor Klaus Wagenbach lernte er bei der Betreuung des Manuskriptes von Levins Mühle kennen und schätzen. Er wurde nach der Gründung des eigenen Wagenbach-Verlags 1964 Bobrowskis Verleger. (Wikipedia)