So steht es geschrieben
Anker gelichtet!
Friedrich Meister verfaßte das »Marine-Jahrbuch für Deutschlands Jugend 1908» und brachte seine Abenteuer auf den Weltmeeren in die gute Stube.
Der Gegenwart. — 22. Januar 2026 — Nach einem Zufallsfund in der Bücherzelle.
Von LILLY WILLIGEROD und FRIEDRICH MEISTER. | Zu jenen Zeiten, vor etwa vierzig Jahren, als unser Held seinen neuen Beruf antrat, ging die Bahn noch nicht ganz bis dorthin, er mußte den letzten Teil der Fahrt mit dem Dampfschiff auf der, kurz vor ihrer Mündung in die Nordsee, hier sehr breiten Themse zurücklegen, und als Sheerneß endlich in Sicht kam, betrachtete er durch sein schönes Fernrohr, das ihm der Gouverneur beim Abschiede geschenkt hatte, gespannt die dort vor Anker liegenden Schiffe, um dasjenige herauszufinden, das bestimmt war, ihn als sein schwimmendes »Heim« für lange Jahre in weite Ferne zu tragen.
»Wo liegt das Kriegsschiff ›Viktoria‹?« fragte er einige schmutzige Fischerjungen, die ihn eiligst umringten, um sein Gepäck zu tragen, als er die Landungsbrücke betrat.
»Das wissen wir nicht, aber dort am Strande liegt gleich das Seemannshotel, wohin alle Seeoffiziere gehen, ›Admiral Nelson‹ heißt es!«
So ging er denn zum »Admiral Nelson«, einem anständigen, aber sehr einfachen Gasthause, das den Namen »Hotel« heutzutage nicht verdienen würde. Es lag am Ende einer sehr schmutzigen Straße und war mehr als einfach eingerichtet, in unserer Zeit würden die Seeoffiziere ein solches Haus sicher nicht betreten. Ja die Zeiten haben sich seitdem sehr geändert, selbst der an Bord eines Kriegsschiffes gewiß nicht verwöhnte Seemann verlangt am Lande sein elegantes Hotel mit Teppichen, Sofas, Lese- und Rauchsälen. Damals genügte auch eine gute Empfehlung und Fürsprache neben guter Schulbildung, um ohne Examen gleich als Offiziersaspirant angestellt zu werden, während jetzt erst schwere Vorbereitungsjahre in einer Kadettenanstalt und auf Schulschiffen durchgemacht werden müssen.
»Ein Uniformschneider soll hier in der Nähe wohnen, können Sie mir das Haus zeigen?« fragte Erich den Kellner, der ihm sein kleines Schlafzimmer im »Admiral Nelson« angewiesen hatte.
»Gewiß Herr, ganz in der Nähe, gleich das dritte Haus rechts.«
Der Schneider war sehr höflich und diensteifrig, nahm ihm das Maß und versprach die erste Uniform um neun Uhr am nächsten Morgen, die zweite am Nachmittag zu liefern. Er hielt Wort, und gleich nach dem Frühstück konnte der junge Seekadett die neuen Kleidungsstücke mit den blitzenden, goldenen Ankerknöpfen anlegen, schnallte den kleinen Degen um und verließ das Haus, um vor allem sein Schiff zu sehen. Natürlich fühlte er sich anfänglich recht unbehaglich, denn es kam ihm vor, als ob jedermann seine Uniform betrachte und etwas daran nicht in Ordnung sei, aber sie kleidete seine hübsche, hochgewachsene Gestalt ganz vorzüglich, und niemand beachtete ihn als er in Gedanken versunken an den Strand kam. Gespannt betrachtete er alle dort ankernden Schiffe, bemerkte gar nicht, daß das Boot einer Fregatte gelandet war und ein Offizier mit Federhut und Epauletten dicht an ihn herankam.
»Wissen Sie denn gar nicht, was sich gehört, junger Herr?« hörte er plötzlich eine ernste Stimme fragen, »daß Sie einen Kapitän vorübergehen lassen, ohne zu salutieren? Zu welchem Schiff gehören Sie denn?«
»Verzeihung! Zur ›Viktoria‹, Herr,« sagte Erich und grüßte, vor Schreck errötend.
»Zur ›Viktoria‹? Und wann sind Sie eingetreten, wie heißen Sie?«
»Erich Walder aus Helgoland, aber ich bin noch nicht eingetreten.«
»Nun, da ist's erklärlich«, lachte der Kapitän, »wohlan denn, Herr Walder, da ist's hohe Zeit, daß Sie sofort Seemannsdienst und Seemannssitten kennen lernen; James,« rief er dann dem ältesten Manne der Besatzung seines Bootes zu, »führen Sie diesen jungen Herrn sogleich an Bord und sagen dem ersten Leutnant, daß derselbe den Dienst bei uns antritt.«
Damit wendete er sich zum Gehen, und als Erich – der den Vorwurf verstanden und verdient, nun ehrerbietig gegrüßt und der Offizier ihm gütig zugewinkt hatte – jetzt den Bootsmann fragte, ob das vielleicht der Kommandant der »Viktoria« sei, erwiderte derselbe: »Ja gewiß, junger Herr, und was für ein braver Kommandant ist Kapitän Ellis; wohl dem Schiffe, das von ihm geführt wird, ich segele nun schon seit Jahren mit ihm und verehre ihn wie keinen zweiten zuvor!«
Schweigend ging die Fahrt
nun vonstatten, während Erich sich
vergebens nach der Brigg umsah.
Der alte Seemann hätte offenbar gern noch eine längere Lobrede über die guten Eigenschaften seines Befehlshabers gehalten, aber das erlaubte der Dienst nicht – »niemals im Boote reden« – heißt die Vorschrift für die Untergebenen, und schweigend ging die Fahrt nun vonstatten, während Erich sich vergebens nach der Brigg umsah, als sie sich jetzt einer alten abgetakelten Fregatte mit der Vizeadmiralsflagge näherten.
»Die ›Viktoria‹ liegt noch im Trockendock, Herr,« sagte der Bootsmann, der sein verwundertes Gesicht bemerkt hatte, »und die Besatzung ist einstweilen auf dieser alten Fregatte ›Phoebe‹ einquartiert.«
»Ich bin an Bord gekommen, um mich zum Dienst zu melden, Herr Oberleutnant,« sagte Erich salutierend zum ersten Offizier, als er das Quarterdeck der Fregatte betrat.
»Sehr wohl, gehen Sie hinunter und lassen Sie sich vom Zahlmeister einschreiben; wie heißen Sie?«
»Erich Walder, Herr Oberleutnant!«
»Gut, Sie können auch später eingeschrieben werden, und wollen jetzt schnell jenen Kutter besteigen, um die Arbeiter ans Land zu bringen.«
Erich war entzückt, daß er sofort seine Tätigkeit beginnen sollte, und sprang in das große Boot, hatte aber nichts weiter zu tun, als ruhig neben dem Steuermann zu sitzen, und kehrte, nachdem die Arbeiter gelandet waren, auf die Fregatte zurück, um sich beim Zahlmeister zu melden, der ihm mitteilte, daß die ›Viktoria‹ nachmittags aus dem Dock, und die Besatzung dann gleich an Bord käme.
Erich ging nun wieder auf das obere Deck, wo er Herrn Scharf, den ersten Offizier, traf, der sich mit ihm in ein Gespräch einließ; er war ein sehr gutherziger, tüchtiger Seemann von etwa dreißig Jahren, aber im Dienst war seine Art und Weise ganz zu seinem Namen passend, sehr streng und scharf gegen seine Untergebenen. Als er hörte, daß Erichs Gepäck im Gasthause zurückgeblieben, weil er nur durch zufälliges Zusammentreffen mit Kapitän Ellis so frühmorgens an Bord gekommen war, befahl ihm der Offizier, jetzt gleich ans Land zu fahren, um dasselbe zu holen. – »Kommen Sie dann pünktlich um fünf Uhr auf die ›Viktoria‹!« rief er ihm nach, als Erich sofort die Strickleiter hinunter in ein bereit liegendes Boot stieg, »wir gehen morgen nachmittag schon in See.« – Am Lande angekommen, bezahlte er sofort seine Gasthausrechnung und auch den Schneider, der die zweite Uniform, ebenfalls vollendet, schon in die dazu besorgte Seekiste packte, auf der in großen Buchstaben Erichs und des Schiffes Namen standen.
Um fünf Uhr nachmittags legte er mit dem Boote, das ihn und sein Eigentum trug, bei der schmucken Sechzehnkanonenbrigg ›Viktoria‹ an, und strahlend überflog sein Blick das stolze Fahrzeug mit den vielen Rahen und aufgerollten Segeln, das ihn so bald schon für mehrere Jahre in weite Ferne tragen sollte – wohin? das wußte noch niemand von der Besatzung, das sollten sie erst in Portsmouth erfahren.
Kapitän Ellis ging auf dem Quarterdeck auf und ab, als Erich, mit einem Briefe in der Hand, ehrerbietig salutierend, sich bei ihm meldete.
»Ah, Herr Walder!« rief er freundlich und streckte ihm die Rechte entgegen, »wir haben uns schon gestern kennen gelernt, da bringen Sie mir wohl gar einen Brief aus Helgoland von meinem Jugendfreund, dem Gouverneur, der bei der Admiralität den besonderen Wunsch ausgesprochen hat, daß Sie bei mir Ihre ersten Heldentaten verrichten sollen. Seien Sie mir herzlich willkommen! Ich werde Ihnen ein strenger Vorgesetzter im Dienste sein,« setzte er dann gütig lächelnd hinzu, nachdem er das Schreiben durchflogen, – »aber ein zweiter Vater in den Freistunden, wenn Sie stets brav und tüchtig sind und Vertrauen zu mir haben – und nun lassen Sie sich durch James in die Kadettenkajüte führen, damit Sie Ihre Kameraden kennen lernen.«
Als Erich mit dem Quartermeister eine kleine Treppe dicht vor dem Hauptmast hinuntergegangen war, fand er auf dem Unterdeck ein gar buntes Gewirr, die Mannschaft hatte ihre Abendmahlzeit vollendet, und die Leute waren von ihren Frauen und allerlei Freunden umgeben, welche die Erlaubnis erhalten, zum letzten Lebewohl an Bord zu kommen, denn am folgenden Morgen durfte kein Fremder mehr das Deck betreten. Hier sah man zwei Freunde miteinander reden, dort weinte eine zärtliche Gattin mit ihrem Kleinsten auf dem Arme, das größere Schwesterchen auf des scheidenden Vaters Knien schaukelnd, während die laute Stimme eines Handelsjuden im dichtesten Menschengewühl seine schlechten Waren anpries, die Matrosen mit Tabak für die lange Reise versorgte und hie und da unbrauchbare Uhren verkaufte, die nach wenigen Tagen nicht mehr ticken konnten.
Der Kadett bahnte sich einen Weg durch das Gedränge zum Ende des Decks und trat in die offene Tür einer großen viereckigen Kajüte, welche durch eine Hängelampe hell erleuchtet war, und wo sein Führer ihn mit den Worten »ein neu eingetretener junger Herr« sechs jugendlichen Kadetten vorstellte, welche, um einen großen Tisch gelagert, ihr Abendessen einnahmen.
»Treten Sie näher, fürchten Sie sich nicht!« rief die schrille noch nicht ganz gesetzte Stimme eines blonden Jungen, der wenigstens zwei Jahre jünger und einen Kopf kleiner als Erich war.
Ein schallendes Gelächter erfolgte und ein lautes: »Bravo Milford! Kaum ist der Knirps acht Tage hier bei uns an Bord, und jetzt spielt er sich schon als Protektor auf.«
»Trinken Sie Tee oder Grog?
Ich nehme stets Grog, denn Sie wissen ja,
das ist das richtigste Getränk auf See.«
»Kümmern Sie sich nicht um den schlimmen Burschen,« sagte der Kleine errötend und machte dienstfertig einen Platz neben sich auf der Bank für Erich frei. »Setzen Sie sich hier zu mir, was wollen Sie trinken, Tee oder Grog? Ich nehme stets Grog, denn Sie wissen ja, das ist das richtigste Getränk auf See,« und der kleine Junge setzte ein großes Glas mit der dunkeln Flüssigkeit an die Lippen und machte einen vergeblichen Versuch, so auszusehen, als wenn sie ihm vortrefflich schmeckte.
Erich hatte sich anfänglich über seinen kleinen Beschützer amüsiert, aber jetzt sagte er doch sehr ernst und entschieden, während er sich eine Tasse Tee einschenkte: »Ich berühre niemals Spirituosen, und es wäre Ihnen viel besser, wenn Sie es auch nicht täten.«
»Ja, vielleicht haben Sie recht, Tee ist wohl erfrischender,« erwiderte Milford erleichtert und offenbar sehr froh, daß er nicht länger den lustigen Seemann zu spielen brauchte.
Bald darauf ertönte das Kommando: »Alle Fremden von Bord!« und als das Deck von sämtlichen Besuchern verlassen war, nahm Milford seinen neuen Kameraden mit sich, um ihm das prächtige Schiff zu zeigen.
Die erste Nacht an Bord war nicht gerade sehr erquickend für Erich, das Getrampel über seinem Kopfe, sowie das Anschlagen der großen Glocke beim Ablösen der Wache raubte ihm den Schlaf, und da seine Hängematte dicht an einer offenen Kanonenluke angebracht war, sauste eine starke Brise zu ihm herein, die gewiß sehr erfrischend in den Tropen sein mochte, aber nicht in einer kalten Oktobernacht auf der Nordsee. Aber diese kleinen Unannehmlichkeiten waren bald vergessen, als am andern Nachmittag der Kommandoruf: »Anker gelichtet!« erscholl, und die Mannschaft geschäftig auf dem Deck hin und her lief. Dann wurden die Segel gespannt, der Kompaß gerichtet, und unter einer förmlichen Wolke von großen Segeln ging die »Viktoria« in See und salutierte im Vorbeifahren die Admiralsflagge mit sechzehn Kanonenschüssen. Ein starker Nordost jagte sie schnell in den Kanal hinein, und Erich war glückselig, als er an den Großmast gelehnt, nun so mitten ins herrliche Seeleben eingeführt war, bis jetzt hatte er aber nur den Zuschauer gespielt und sehnte sich sehr, auch tätig zugreifen zu dürfen, was denn auch bald genug geschehen sollte.
»Der erste Offizier beordert all die jungen Herren auf Deck,« sagte ein Bootsmann, seinen Kopf in die Kajüte steckend, wo gerade der Abendtee eingenommen wurde. Schnell liefen sie sämtlich hinauf, und Herr Scharf teilte Erich mit, daß er mit ihm die mittlere Nachtwache zu übernehmen habe und sich deshalb sofort zur Ruhe begeben möge. Der Kadett gehorchte, war aber so aufgeregt und so besorgt, daß er nicht zur rechten Zeit erwachen würde, daß es elf Uhr vorüber war, als er endlich die Augen schließen konnte, und er infolgedessen schrecklich schläfrig war, als sehr bald seine Hängematte stark geschüttelt wurde und eine rauhe Stimme ihm ins Ohr rief: »Acht Glockenschläge, Herr, Mitternacht vorüber!«
Schnell stolperte er, halb im Schlafe, aus seiner Hängematte und war noch nicht mit dem Ankleiden fertig, als ein Quartermeister mit dem Rufe eintrat: »Beeilen Sie sich, der erste Offizier wartet darauf, daß Sie die Wache mustern.« Erich stürzte die Treppe förmlich hinauf, unterwegs die Jacke zuknöpfend, und las dann beim matten Schein des Kompaßlichtes unter strömendem Regen die Namen der Matrosen ab. Wie leid tat ihm seine schöne, neue Uniformsjacke! Von Jugend auf hatte die Mutter ihn daran gewöhnt, seine Kleider zu schonen, und nun hatte er in der Eile nicht einmal den Gummiüberzug anlegen können. Das Wetter war schrecklich, heftige Windstöße warfen ihn ab und zu gegen die eiserne Schutzwand des Deckes, das Hauptsegel war so tief herabgelassen, daß die nassen Zipfel seinen Kopf streiften, und tropfenweise floß das kalte Wasser seinen Nacken hinunter. Aber er durfte seinen Platz nicht verlassen, denn jeden Augenblick mußte er eines Befehles gewärtig sein, jetzt erscholl auch schon das Kommando: »Toppsegel reffen, Herr Walder, steigen Sie schnell in die obersten Rahen.«
Das war selbst für einen gewandten Seemann keine leichte Aufgabe in dieser stockfinsteren Nacht, bei dem stark arbeitenden Schiffe und den heftigen Windstößen, die so leicht einen Mann von der Höhe über Bord schleudern. Da hieß es sich krampfhaft festhalten, aber das geteerte Takelwerk war naß und schlüpfrig, mehr als einmal glitten seine Füße von der Strickleiter, so daß er förmlich in der Luft schwebte, nur noch von den Händen oben gehalten. Aber mit der ihm eigenen Besonnenheit und Geistesgegenwart kletterte er weiter, sah er doch, wie groß die Gefahr, daß der Sturm die flatternde Leinwand da oben in Fetzen riß.
Nach der bestandenen Feuerprobe
jagte die Brigg bei der starken Brise
sehr schnell den Kanal hinauf.
Endlich war das Toppsegel gerefft, und er blieb noch eine Weile oben und betrachtete beim matten Schimmer des ab und zu hinter den schwarzen Wolken hervorbrechenden ersten Viertels des Mondes das wilde, schaurig schöne Schauspiel ringsum, bis der erste Offizier ihn herunterrief und freundlich zur Loge schickte, weil er die Feuerprobe brav bestanden und für die erste Nachtwache genug getan hatte. Bei der starken Brise jagte die Brigg sehr schnell den Kanal hinauf, und am zweiten Tage wurden bei Spithead die Anker ausgeworfen. Wie gern hätte unser Held dort landen mögen, um Portsmouth, den größten englischen Kriegshafen, zu besehen, besonders Peter Simpels Wirtshaus »Die blaue Post«, wie gern hätte er das besucht! Aber Urlaub wurde nicht gewährt, nur der Kapitän ließ sich abends durch einige Matrosen ans Land bringen, und wie froh war Erich, als er am andern Morgen den Befehl erhielt, ihn von den Docks abzuholen, doch auch da durfte er das Boot nicht verlassen, denn Kapitän Ellis erschien schon nach fünf Minuten auf der Landungsbrücke, von mehreren Herren und Dienern mit Gepäck begleitet. Der eine war ein hoher, ehrwürdig aussehender Offizier, und James, der Quartermeister, flüsterte dem Kadetten ins Ohr, das sei der Admiral.
»So leben Sie denn wohl, Ellis,« sagte derselbe, ihm herzlich die Hand schüttelnd, »ich wünsche Ihnen günstige Winde, viel Glück und Vergnügen hinter der hohen Mauer und später reiche Prisengelder.«
»Prisengelder!« Bei diesem magischen Worte nickten die Matrosen einander fröhlich zu, denn die waren jetzt in Friedenszeiten nur an der Westküste von Afrika bei der Verfolgung der Sklavenschiffe zu erhoffen. Nun wußten sie endlich, wohin das Schiff bestimmt war, bis jetzt war das für die Besatzung ein Geheimnis geblieben, und Kapitän Ellis sah sehr zufrieden aus, als das Boot nun abfuhr, aber was war nur mit der hohen Mauer gemeint, von welcher der Admiral sprach, und wer waren die drei von Dienern und vielem Gepäck begleiteten Herren? »Der eine sieht fast wie ein Prediger aus,« dachte sich Erich, und wie gleich darauf der Kapitän ihm freundlich zunickte, als er sich zu ihm auf die Bank setzte, konnte er sich nicht enthalten, zu fragen, ob die »Viktoria« nach Afrika segele. Eigentlich war das nicht recht passend für einen Seekadetten, aber Kapitän Ellis war offenbar in sehr gütiger Stimmung und erwiderte lächelnd: »Ja, mein junger Freund, wir haben eine schöne Aufgabe vor uns, und es wird Ihnen sicher gefallen, daß wir für die Station an der Westküste bestimmt sind, um die elenden Sklavenjäger zu fangen. Sie haben auch Ursache, sich darüber zu freuen, denn in zwölf Monaten lernen Sie dabei mehr als in drei Jahren bei der Mittelmeerflotte, wir müssen aber zuvor einen großen Umweg machen, der uns gut acht Monate Zeit kostet, und jene Herren nach China bringen. Mr. Maxwell war schon früher längere Zeit dort als englischer Konsul in Canton, aber die Söhne des himmlischen Reiches, wie die Chinesen sich gern nennen, hatten sich ja wieder einmal gegen das Eindringen der Europäer empört, und Canton mußte von unserer Flotte bombardiert werden, bis sie, zahm gemacht, beim Friedensschlusse einige wenige ihrer Häfen für unsere Schiffe freigaben. Nun wird es hoffentlich bald besser dort für unsere Handelsbeziehungen, und der Konsul geht mit seinen Sekretären zurück. Jener Herr im schwarzen Anzuge gehört zu der englischen Missionsgesellschaft, welche sich mit schwachen Erfolgen bemüht, die Chinesen zum Christentum zu bekehren, er war auch schon mehrere Jahre in Canton tätig, aber als die Feindseligkeiten gegen die Engländer dort zu arg wurden, kam er nach England, wo er bis jetzt als Prediger wirkte, und will nun aufs neue versuchen, in China Missionsstationen anzulegen.«
Erich hatte mit so leuchtenden, glückstrahlenden Blicken diesen Mitteilungen zugehört und dankte dem gütigen Kapitän so herzlich dafür, daß dieser ihn wohlgefällig betrachtete und ihm versprach, den Prediger zu bitten, ihn über das chinesische Volk, das sich von den Europäern so hartnäckig abschließt, ein wenig zu unterrichten. »Ich habe meinem Freunde, dem Gouverneur, Ihrem warmen Beschützer, gestern abend geschrieben, wohin wir segeln, damit Ihre Eltern Sie in Gedanken auf unserer interessanten Reise begleiten können,« schloß der freundliche Kapitän seinen Bericht, als die »Viktoria« jetzt nahe war, »und wenn Sie, wie ich vermute, recht lange Briefe für dieselben schreiben, so übergeben Sie diese stets dem Zahlmeister, der sie auf unserer nächsten Anlegestation durch die Admiralität befördert, welche uns auch alle für uns bestimmten Nachrichten aus der Heimat in die Seehäfen schickt, die wir berühren werden.«
Sein treuherziges, offenes Wesen
hatte ihn bald zum Liebling aller Offiziere
und Kameraden gemacht.
Die Benennung » Briefe« verdienten die ausführlichen Berichte, welche Erich in Madeira, wo frisches Wasser eingenommen wurde, ablieferte, eigentlich nicht mehr, es war schon mehr eine Art Tagebuch, das er dem Zahlmeister zur Beförderung übergab, in dem er den Eltern alle seine bisherigen Erlebnisse und die Personen genau schilderte, mit denen er am meisten zu tun hatte. Er bat sie, die Blätter, nachdem alle seine Freunde auf Helgoland dieselben gelesen, auch nach Goslar an seinen unvergeßlichen Lehrer zu senden, dem Gouverneur aber schrieb er einen besonderen Dankesbrief für die große Güte, seine Anstellung auf der »Viktoria« bewirkt und ihn dem freundlichen Kapitän Ellis empfohlen zu haben. Dadurch war aber auch sein Leben doppelt interessant und befriedigend geworden, denn derselbe beschäftigte sich häufig und gern mit dem jungen, braven Helgoländer, dessen fließende englische Sprache gar nicht den Deutschen verriet, wohl aber sein treuherziges, offenes, biederes Wesen, das ihn bald zum Liebling aller Offiziere und Kameraden gemacht hatte. Auch die Vorgesetzten verkehrten, trotz aller Strenge im Dienst, in den Freistunden gern mit dem geistig hervorragenden, jungen Kadetten und erstaunten über seine bedeutenden Schulkenntnisse.
Einen sehr interessanten Beschützer erwarb er sich nach und nach in dem Missionar, mit dem Kapitän Ellis ihn gleich zu Anfang der Reise bekannt gemacht hatte. Als der alte Herr eines Morgens zu sehr früher Stunde auf dem Deck spazieren ging, fiel ihm auf, daß der junge Helgoländer, mit ernstem Ausdruck in dem hübschen, von der Seeluft gebräunten Antlitz, auf einer niederen Bank am Vorderbug des Schiffes saß und offenbar ganz vertieft in das Lesen eines kleinen Buches schien. Unbemerkt trat er näher und sagte, ihn freundlich begrüßend: »Darf ich einmal sehen, was Sie da so sehr fesselt, mein junger Freund?«
Erich sprang ehrerbietig auf und überreichte ihm das aufgeschlagene Kapitel der Bergpredigt in einer kleinen Taschenbibel, auf deren erstem Blatte seiner teueren Mutter Hand die Worte geschrieben hatte:
»Wer stets nur seine Zuversicht / Auf Gott setzt, den verläßt er nicht.«
»Vergiß das nie, mein geliebter Erich, bleib immer Deinem Gott getreu, das ist der heißeste Wunsch
Deiner Mutter.«
»Sie haben offenbar eine brave, fromme Mutter, mein lieber Sohn,« sagte der Missionar ernst, »beherzigen Sie ihre Mahnung und diesen schönen Spruch, dann wird es Ihnen stets gut gehen auf der stürmischen Reise des Lebens, und auch die unausbleiblichen Prüfungen, die keinem Menschen erspart bleiben, werden Ihnen zum Segen gereichen.«
Aus: Lilly Willigerod und Friedrich Meister: Was der Kapitän erzählt. Bilder aus dem Seemannsleben nach wahren Begebenheiten für die Jugend. Mit 8 Farbdruck- und 59 Text-Illustrationen von Willy Planck. Loewes Verlag Ferdinand Carl, Stuttgart — Ausschnitt aus „Fünftes Kapitel. Der englische Seekadett.“

Friedrich Meister, Porträt-Zeichnung
aus einem seiner Abenteuerbücher
Reproduktion: Wikimedia
Lebensdaten
Friedrich Meister (geb. 28. Juli 1841 in Baruth/Mark — gest. 10. Januar 1918 in Berlin) war ein deutscher Seeoffizier und Schriftsteller, bekannt für seine See- und Kolonialgeschichten sowie frühe Science-Fiction, die oft auf seinen Erfahrungen eines zehnjährigen Marine-Lebens basierten und Abenteuerromane neu bearbeitete. Er publizierte auch unter Pseudonymen wie Friedrich von Baruth und Karl Held. Zu seiner Zeit wurde der überseeische Handelsverkehr zum größten Teil noch durch Segelschiffe besorgt. Auf solchen Segelschiffen fuhr Friedrich Meister durch alle Meere. Dabei lernte er fremde Länder und Völker kennen. Er bereiste China, Siam, Japan und den Südsee-Archipel bis zur Küste von Neu-Guinea und nördlich davon, die Philippinen. Er war in Westindien, Nord- und Südamerika, England, Italien und Griechenland. Er sah die »Sultansstadt am Goldenen Horn«, das heutige Istanbul, und die Westküsten des Schwarzen Meeres. In Japan erkrankte er an einem Augenleiden, das ihn schließlich dazu zwang, den Seemannsberuf aufzugeben. An Land wusste er zunächst nicht, wovon er leben sollte. Er versuchte dies und das und gelangte schließlich zur Schriftstellerei. (Aus dem Vorwort von „Burenblut“)
Lilly Willigerod wurde wohl 1841 als Tochter eines höheren Beamten in Verden bei Hannover geboren. Sie verlor früh ihre Eltern und erlebte eine Kindheit, die von Krankheit und Entbehrungen geprägt war. In England begann sie für einen Verlag englische Jugendbücher zu übersetzen. Später arbeitete sie in Tirol und schließlich in Meran. Sie starb 1913 in Bozen in Südtirol. (Verlagstext)
Peter M. Frey arbeitet als Autor und Publizist in Süddeutschland. Bei der Digitalisierung und Neufassung der Werke von Friedrich Meister nimmt Peter M. Frey leichte Veränderungen am Originaltext vor, die der Lesbarkeit und der Übertragung in die heutige Zeit geschuldet sind. Ziel ist es, den Charakter des Originals so weit wie möglich zu erhalten. In alphabetisch geordneten Glossaren finden sich Erläuterungen zu Fachbegriffen aus der Seefahrt.
Das Buch

Friedrich Meister (Hrsg.): Marine-Jahrbuch für Deutschlands Jugend 1908. 316 Seiten mit Frontispiz und vielen Illustrationen. Concordia Deutsche Verlags-Anstalt Hermann Ehbock, Berlin W. 30 (1908): »Auch über Kolonien, Laufbahn in der Kriegsmarine, Schlacht bei Tsuschima, Bilder aus dem Marineleben, …«
Weitere Werke
Friedrich Meister (1848–1918) war ursprünglich ein Seefahrer der alten Schule. Er fuhr über zehn Jahre zur See und hat dabei viele Abenteuer erlebt, die er dann in seinen Romanen verarbeitete. Meister nutzte seine Zeit auf See, um zahlreiche Geschichten zu verfassen, die das maritime Leben und koloniale Abenteuer darstellten und klassische Werke von Autoren wie Marryat und Cooper bearbeitete. Die Werke von Meister zeichnen sich durch überaus spannende, manchmal sogar gruselige Geschichten aus, die damals wie heute Jung und Alt zu begeistern wissen.
▪ Friedrich Meister: Im Kielwasser des Piraten. Abenteuer zweier ehemaliger Schulkameraden in zwei Weltmeeren und den Wildnissen von Süd-Amerika. Für die reifere Jugend erzählt mit vielen in den Text gedruckten Illustrationen u. acht Vollbildern nach Originalzeichnungen von Adalbert von Rößler. Abel & Müller, Leipzig (1889?/4. Aufl. 1898) — Neuausgabe von Peter M. Frey (Hrsg.). 304 Seiten. BoD – Books on Demand (2017): »Aus dem Inhalt: Am Morgen des folgenden Tages kam Lambertus eilig vom Vorderteil her zum Kapitän gelaufen, der eigenhändig die lange Ruderpinne in die Hand genommen hatte, um das Fahrzeug, das keinen Kompass besaß, zu steuern. „Da ist ein großes Schiff auf Backbord, vier Strich voraus, in Sicht!“, rief er. „Läuft er uns auf, Lambertus?“, fragte der Kapitän. „Ja. Soviel ich erkennen kann, ist es ein Kriegsschiff; was für ein Landsmann aber, das ist noch nicht zu sehen.“ „Nun, gebe der Himmel, dass es einer von unseren amerikanischen Kreuzern ist; dann werden wir die Piratenkutter bald los sein. Ich komme mir hier in dem verdammten Kahn vor, wie eine Katze, der man eine alte Kasserolle an den Schwanz gebunden hat.“«
▪ Friedrich Meister: Kaiser Wilhelm II. Mit einem Lichtdruck und zahlreichen Abbildungen. Ernst Hofmann & Co., Berlin (1894)
▪ Friedrich Meister: Robinson Crusoe. Seine Lebensschicksale, Erfahrungen und Abenteuer. Nach dem englischen Original von Daniel De Foe für die deutsche Jugend bearbeitet von Friedrich Meister. Mit vier Buntbildern nach Originalzeichnungen von Adalbert von Rößler. Abel & Müller Leipzig, (1891)
▪ Friedrich Meister: Die drei Kapitäne. Eine abenteuerliche Seegeschichte. Erzählung für die reifere Jugend. Illustrationen von Friedrich Mühling. 178 Seiten. (1899) — Neuausgabe von Peter M. Frey (Hrsg.): Kindle Ausgabe, 206 Seiten (2017): »Aus dem Inhalt: Da – was war das? Dem Jungen sträubten sich die Haare, und es durchrieselte ihn eiskalt. Denn aus der unverschlossenen Vorluk stieg eine Gestalt herauf, langsam und mühevoll, bleich, in Lumpen gehüllt und so abgezehrt, dass sie beinahe einem wandelnden Gerippe glich. Paul saß ganz starr. Was hatte das zu bedeuten? Woher kam dieser Mann? Während diese Gedanken ihm blitzschnell durch das Hirn flogen, erschien ein zweites Gespenst aus der Vorluk – dann ein drittes, ein viertes und endlich ein fünftes! Fünf zerlumpte Männer, klapperdürr, mit zottigen Haaren und schrecklich hohlen Augen standen an Deck. Paul vermochte sich nicht zu rühren.«
▪ Friedrich Meister: Was der Kapitän erzählt. 476 Seiten. Neuausgabe von Peter M. Frey (Hrsg.) (2017); Kindle Ausgabe (2021): »Aus dem Inhalt: Ja, Helgoland hat einen eigentümlich fesselnden Reiz für alle, die einmal die frische, stärkende Seeluft, das ungezwungene Leben daselbst genossen haben. Niemand vergisst jemals den wunderbaren Anblick, wenn man mit dem Dampfschiff von Bremerhaven oder Hamburg kommend, zum ersten Mal diesen schroffen, viel zerklüfteten, sechsundsechzig Meter hohen Felsen inmitten der unermesslichen Wasserfläche erblickt, der von wilder Brandung umtost, mehr und mehr abbröckelt, und sicher einst einmal ganz von der brausenden Nordsee verschlungen wird. Unzählige Seemöwen und andere hellfarbige Vögel nisten auf den roten Klippen, und flattern in großen Schwärmen über den blaugrünen Wogen hin und her oder setzen sich auf die gewaltigen, phantastisch gestalteten Felskolosse, die vor den anderen Klippen weit vorspringen, oder wie der sogenannte »Mönch«, »die Kanzel«, »der Pastor«, im Lauf der Jahrtausende ganz von der Insel losgerissen sind.«
▪ Friedrich Meister: Burenblut. Bilder aus dem letzten Transvaalkriege. Für die reifere Jugend und die deutsche Familie geschildert. 250 Seiten. Mit einem Frontispiz sowie 4 Tonbildern und 20 Textbildern von Eduard Klingebeil. Abel & Müller, Leipzig (1900)
▪ Friedrich Meister: Gullivers Reisen zu fremden und seltsamen Völkern. Nach Jonathan Swift für die Jugend und die Familie bearbeitet von Friedrich Meister. Illustriert von W. Zweigle, Prof. Hans W. Schmidt und E. Zimmer. Turmverlag Albert Platzek, Leipzig (1904?), 2. Auflage. Volksausgabe. Abel & Müller, Leipzig (1906)
▪ Friedrich Meister: In Seegang und Brise. Salzwassergeschichten. 155 Seiten. Seyfert Verlag, Dresden (1909)
▪ Friedrich Meister: Die Schatzsucher im Eismeer. Eine Abenteuergeschichte von Friedrich Meister (1904) — Neuausgabe von Peter M. Frey (Hrsg.): 176 Seiten. BoD – Books on Demand (2016): »Mitten in einer verlassenen Petroleumstadt treffen die Bernsdorfs auf den alten Seefahrer Jackson, der ihnen, im Sterben liegend, sein Geheimnis anvertraut: Onyxe, Topase und Diamanten, die auf einer Insel in der fernen Arktis verborgen liegen sollen. Die Edelsteininsel zu finden gerät zu einer abenteuerlichen und lebensgefährlichen Fahrt durch das Eismeer und einem Wettlauf mit Piraten, die ebenfalls Anspruch auf den Schatz erheben.«
▪ Friedrich Meister: Gullivers Reisen zu fremden und seltsamen Völkern. Illustriert von Prof. Schmidt und anderen. Abel & Müller, Leipzig (1904)
▪ Friedrich Meister: Späte Heimfahrt – Auf dem Wrack. Zwei Seegeschichten von Friedrich Meister. Ulrich Meyer Verlagsbuchhandlung, Berlin (1905)
▪ Friedrich Meister: Spuk auf der Hallig. (1909): »Mitten auf dem Meer finden Kapitän Jaspersen und seine Mannschaft ein verlassenes Schiff. Kurz darauf beginnt es auf dem Schiff zu spuken.«
▪ Friedrich Meister: Das verschollene Schiff. Eine Seegeschichte (1910): »Ein Handelsschiff auf der Reise von Hamburg nach Melbourne, mit an Bord: Heinrich Rohrpenn, der als Steuermann angeheuert hat. Bevor das Schiff Australien erreicht, wird es von Piraten gekapert – und das Abenteuer beginnt ...« — Neuausgabe von Peter M. Frey (Hrsg.). 168 Seiten. BoD – Books on Demand (2016): »Heinrich Rohrpenn heuert als dritter Steuermann auf einem Hamburger Handelsschiff an. Ziel ist das australische Melbourne. Doch die Reise verzögert sich auf ungeahnte Weise. Piraten kapern das Schiff und Heinrich hat gemeinsam mit seinen Kameraden spannende Abenteuer zu bestehen, bis er wohlbehalten in seine Heimat zurückkehren kann.« — Neuausgabe Kindle: 91 Seiten, Null Papier Verlag, Neuss (2025): »Ein spannendes Seefahrerbuch aus der Zeit der großen Windjammer und Klipper. Heinrich Rohrpenn ist der neue Steuermann auf einem Handelsschiff mit Ziel Melbourne. Doch Piraten kapern das Schiff, und setzen die Besatzung auf einer einsamen Südsee-Insel aus. Heinrich wird zum Helden, als er alles dransetzt, die Gestrandeten zu retten. Das Buch gewährt unterhaltsamen Einblick in den Alltag an Bord der Handelsschiffe zum Ende des 19. Jahrhunderts. Die wichtigsten nautischen Ausdrücke werden in Fußnoten erläutert.«
▪ Friedrich Meister: Der Vampyr. Eine Seegeschichte von Friedrich Meister mit Illustrationen von Ernst Zimmer. Leipzig, Verlag von Abel u. Müller, Leipzig (1911) »Die Mannschaft eines Schiffs muss nicht nur Kriegswirren im Jahr 1849 überstehen, sondern auch Meutereien, Schiffsbruch, ein Abenteuer in den Tropen und Gefangenschaft meistern ...« — Neuausgabe von Peter M. Frey (Hrsg.) 160 Seiten. BoD – Books on Demand (2016): »Der junge Paul Wetter heuert auf der Korvette Wolf an. Die Reise führt die Mannschaft von Hamburg aus ins Mündungsdelta des Kongo, mit dem Auftrag, die dort tätigen Sklavenfänger aufzubringen. Gemeinsam mit seinem Vorgesetzten, Leutnant Langfeld, gerät er in die Gefangenschaft der Ureinwohner. Auf abenteuerliche Weise retten sich die beiden durch die Mangrovenwälder, bis sie endlich auf ihr Schiff zurückkehren können.«
▪ Friedrich Meister: Auf Marschland und Meer. Ein Roman von Friedrich Meister. Verlag moderner Lektüre, Berlin (1913)
▪ Friedrich Meister: Die Seeräuber von Nitti. Erzählungen (1920)
▪ Friedrich Meister: Der Seeteufel. Eine Seegeschichte. Mit zwei mehrfarbigen Illustrationen, einem Umschlag- und Einbandbild nach Zeichnungen von M. Wulff. 191 Seiten. Johannes Knoblauch Verlag, Berlin S. W. (1921) — Neuausgabe 2016. BoD - Books on Demand »Der junge Gert Brand mustert an seinem dreizehnten Geburtstag auf der Bark Käthe an. Auf der Fahrt nach Kalkutta wird das Schiff von Seeräubern gekapert, und auf Kurs in Richtung Südsee gebracht. Es beginnt ein Ringen um Leben und Tod und um die von den Piraten auf einer schwer zugänglichen Felseninsel versteckten Schätze.«
▪ Friedrich Meister: Der Großbauer. Historischer Kriminalroman von Friedrich Meister. Neuausgabe von Peter M. Frey: 376 Seiten. Verlag BoD – Books on Demand (2016): »Historischer Kriminalroman von der Nordseeküste. Mit Spürsinn, Mut und Hartnäckigkeit macht sich die Fischerstochter Bertha Linnewehrt auf die Suche nach dem wahren Mörder des jungen Mannes, der nach einer furchtbaren Unwetternacht - völlig entstellt - aus dem Wasser gezogen wird. Dabei deckt sie ungeheuerliche Intrigen auf.«
▪ Friedrich Meister: Der Seekadett. Eine Seegeschichte von Friedrich Meister. 308 Seiten. Neuausgabe von Peter M. Frey (Hrsg.) BoD – Books on Demand (2017): »Aus dem Inhalt: Wohl war in dem jungen Hallerstein die Besinnung wieder ein wenig aufgedämmert, aber er vermochte auch weiter nichts zu tun, als instinktiv noch weiter auf die Seite zu kriechen, und so wurde er ein willenloser Zeuge des letzten Trauerspiels an Deck des Valdivia. Als sein Blick verzweifelnd rings über den weiten Ozean wanderte, entdeckte er im Lee des Dampfers einen Schoner, der, scharf am Wind liegend, eiligst heranzukommen schien. Er sah, wie der schlanke Bug desselben jetzt aufbäumend im Sonnenlicht glänzte, dann wieder niedertauchend sich bis zu den Ankerklüsen im blendendweißen Wogenschaum vergrub. „Gott sei Dank!“, sagte er zu sich selber. „Der Schoner wird uns Hilfe bringen!“«
▪ Friedrich Meister: Das Sträflingsschiff oder Bernhard Burgdorfs Abenteuer. Neuausgabe von Peter M. Frey (Hrsg.). 196 Seiten. BoD – Books on Demand (2017): »Aus dem Inhalt: Jetzt wurde er sich plötzlich der erstarrenden Kälte des Wassers bewusst. Der Sturm nahm zu, die Seen wurden ungestümer. Sie schmetterten ihre Kämme in sein Antlitz, so dass er minutenlang geblendet wurde; die Fluten wälzten sich über ihn und nahmen ihm den Atem. Er schluckte Wasser zum Ersticken und während er auf Leben und Tod um Atem rang, überkam ihn eine Hoffnungsmüdigkeit, die seiner Natur ganz fremd war. Nicht dass er fürchtete, sich nicht mehr länger halten zu können, aber eine stumpfe Gleichgültigkeit bemächtigte sich seiner. Die Finsternis wurde dichter, eine schwere Bö peitschte die See, Regen und Hagel trafen seinen Kopf wie Schrot aus der Flinte.«
▪ Friedrich Meister: Im schwarzen Fleet. Zwei Erzählungen von Friedrich Meister. Neuausgabe von Peter M. Frey (Hrsg.). 64 Seiten. BoD – Books on Demand (2016): »Schauplatz der Erzählung ist die alte Hansestadt Hamburg. Im schwarzen Fleet, einer der verruchtesten, heruntergekommensten Gassen, lebt Paul, ein ehemaliger Theologiestudent. Er hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, den Menschen dort zu helfen. Sein Vetter Henry, Lebemann und Präsident des berühmten Salanganen-Klubs, unterstützt ihn finanziell, um sein Gewissen zu beruhigen. Als Paul an den Pocken erkrankt, nimmt die Geschichte eine ungeahnte Wendung.«
Volltexte im Projekt Gutenberg-DE
▪ Der Spuk auf der Hallig (1909)
▪ Die Schatzsucher im Eismeer (1904)
▪ Das verschollene Schiff (1910)
▪ Im Kielwasser des Piraten (1889?)
▪ Was der Kapitän erzählt (zusammen mit Lilly Willigerod)