Großtaten und Meisterstücke
Geflügelte Worte
Georg Büchmann sammelte und ordnete jahrzehntelang Zitate und deutsche Redewendungen, so dass sein Name selbst zu einem geflügelten Wort wurde.
Der Gegenwart. — 10. Februar 2026 — Nach einem Zufallsfund in der Bücherzelle.
Die ganz willkürlich gewählte Benennung ‚Geflügelte Worte‘, welche ich diesem Buche gab, ist allgültig geworden und über Deutschlands Grenzen hinausgedrungen. Es erschien 1871 in Holland unter dem Titel ‚Gevleugelde Woorden‘ ein klägliches Machwerk, welches mich ausbeutete, ohne daß mein Name darin auch nur erwähnt wurde. Eine sehr erfreuliche, in der Anlage sich eng an mein Buch anschließende, aber trotzdem selbständige dänische Bearbeitung des Stoffes hat 1878 Oscar Arlaud in Kopenhagen unter dem Titel ‚Bevingede Ord‘ geliefert und die Zitate der dänischen Sprache hinzugefügt. Im Jahre 1881 ließ er ein ebenso lobenswertes Supplement erscheinen. Arvid Ablfeld gab 1880 in Stockholm eine Zitatensammlung unter dem Titel ‚Bevingade Ord‘ heraus, zu welcher die meinige und Oscar Arlauds benutzt worden sind und welche außerdem die schwedischen und finnischen Zitate bringt.
Georg Büchmann in der 1882 erschienenen 13. Auflage
Die Eltern von Georg Büchmann waren der Assistent beim Montierungsdepot Friedrich Büchmann (1774–1849) und dessen Ehefrau Charlotte Schwarze, Tochter eines Feldwebels. Er besuchte in Berlin das Joachimsthalsche Gymnasium. Seine Lehrer waren unter anderem August Meineke und Ludwig Wiese. Er studierte 1841 bis 1844 Theologie, Klassische Philologie sowie Archäologie an der Friedrich-Wilhelm-Universität zu Berlin bei August Boeckh und Theodor Panofka und promovierte 1845 an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen. Thema seiner Dissertation war Die charakteristischen Differenzen zwischen den germanischen und slawischen Sprachstämmen.
Nach der staatlichen Lehramtsprüfung 1848 war er zunächst Lehrer am französischen Gymnasium in Berlin, dann 4 Jahre an der Saldria in Brandenburg an der Havel und schließlich ab 1854 Sprachlehrer an der Gewerbeschule in Berlin-Friedrichswerder. 1877 musste er sich aufgrund eines schweren Sturzes in den Ruhestand versetzen lassen.
Büchmann sammelte und ordnete jahrzehntelang deutsche Redewendungen und Zitate, wobei ihm seine Kenntnisse des Griechischen, Lateinischen und Hebräischen, Englischen, Französischen, Spanischen, Italienischen, Polnischen, Dänischen und Schwedischen zugutekamen. Als er im Jahr 1864 im Königlichen Schauspielhaus in Berlin über das Thema Landläufige Citate referierte, war unter seinen Zuhörern auch der Verleger Friedrich Weidling (1821–1902). Er ermunterte Büchmann dazu, sein Manuskript zu erweitern und für den Druck umzuarbeiten. Noch im gleichen Jahr erschienen Büchmanns Geflügelte Worte erstmals.
Geflügelte Worte
Büchmanns größtes Werk war die Sammlung und Herausgabe des deutschen Zitatenschatzes als Geflügelte Worte. Zitat: Ein geflügeltes Wort ist ein in weiteren Kreisen dauernd angeführter Ausspruch, Ausdruck oder Name, gleichviel welcher Sprache, dessen historischer Urheber oder dessen literarischer Ursprung nachweisbar ist.
Das Buch fand so lebhaften Anklang, dass anfangs jährlich eine Neuauflage erforderlich war. Der Erfolg des Büchmann brachte es aber auch mit sich, dass Georg Büchmann bis in die Gegenwart hinein zahlreiche Nachahmer fand. Darunter finden sich Titel wie »Geflügelte Melodien« (1968), »Ungeflügelte Worte« (1971) und »Gezügelte Worte« (1976).
Der Begriff
Erst seit dem Erscheinen von Büchmanns Zitatensammlung wird der Ausdruck „Geflügeltes Wort“ im Sinn von
◾literarisch belegbaren
◾in den allgemeinen Sprachschatz des Volkes übergegangenen
◾allgemein geläufigen
Redensarten angewandt.
Büchmanns Sammlung beliebter Zitate, die zu populären Redensarten geworden waren, stützte sich dabei zumeist auf lateinische oder griechische Redewendungen, so wie es mit „Geflügelte Worte“ (griechisch: ἔπεα πτερόεντα – épea pteróenta) selbst der Fall ist. Der Ausdruck kommt in der Ilias 46-mal, in der Odyssee 58-mal vor. Die Worte erreichen gleichsam auf Flügeln das Ohr des Hörers. Die deutsche Formulierung ist eine Schöpfung des Dichters Johann Heinrich Voß, dessen Iliasübersetzung 1793 erschien.
Büchmanns Bezeichnung wurde bald in anderen Sprachen übernommen. Thomas Carlyle benutzte 1888 in einem Essay über Walter Scott den Ausdruck winged words schon im Sinn von zitierbaren Sentenzen.
Die Sammlung
Büchmanns Sammlung führte neben deutschen Quellen auch Bibelzitate, griechische und römische Zitate der klassischen Antike und Werke aus der europäischen und amerikanischen Literatur auf, soweit sie Einfluss auf die deutsche Gymnasialbildung und auf die literarische Kultur gehabt hatten. Neben dem Wortlaut (und ggf. einer deutschen Übersetzung) führt er die genaue Quelle und eine Erläuterung der Bedeutung auf. Redewendungen, deren Ursprung unklar ist, wurden und werden nicht berücksichtigt.
Büchmann hatte insgesamt etwa 1.900 Einträge gesammelt und erläutert. Nach seinem Tode wurde das Werk von seinem langjährigen Mitarbeiter Walter Robert-Tornow fortgeführt, der 730 neue Zitate hinzufügte.
Da Büchmanns Begriffsbestimmung der geflügelten Worte vage war, findet sich unter der Bezeichnung genaugenommen ein Sammelsurium von Redewendungen, Aphorismen, Sprichwörtern, Antonomasien und literarischen Zitaten.
Wirkungsgeschichte
Büchmanns Geflügelte Worte waren ein vielgekauftes Buch, das in jeder gutbürgerlichen Familie vorhanden war. Deshalb gibt es eine beträchtliche Zahl von Nachahmungen, Varianten und Spezialsammlungen, die sich auf Büchmann berufen.
Seitdem Büchmann seinen Zitatenschatz erscheinen ließ, wurde sein Name selbst zu einem geflügelten Wort und auf alle Leute verwendet, die gern zitieren. Sein Name erscheint in Buchtiteln wie »Der rote Büchmann« oder »Der feldgraue Büchmann«.
Bekannt für den häufigen Gebrauch von Zitaten war Reichskanzler Fürst Bernhard von Bülow. Dies trug ihm den Ruf eines „wandelnden Büchmanns“ ein.
Volksausgabe und Halbbildung
Parallel zu der umfangreichen Gesamtausgabe erschien im gleichen Verlag (Haude & Spener) eine stark gekürzte „Volksausgabe“. Für Festreden wurden beide gerne herangezogen. So wurde bald „Der weiß alles nur aus dem Büchmann“ zum beliebten Vorwurf der Halbbildung.
Mittlerweile gibt es zwei unterschiedliche aktualisierte Ausgaben des Büchmann, eine vom Verlag Bassermann (Verlagsgruppe Bertelsmann), die andere vom Ullstein Verlag (Verlagsgruppe Bonnier); daneben geben beide Verlage auch noch eine klassische Ausgabe heraus.
Textgrundlage: https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_B%C3%BCchmann und https://de.wikipedia.org/wiki/Gefl%C3%BCgelte_Worte

Georg Büchmann, Porträt nach einem Gemälde
von Helene Büchmann — Illustration: Radierung
von Hans Meyer/Wikimedia
Sein Name wird
unvergessen bleiben,
so lange es auf Erden
gebildete und gründliche
Deutsche giebt.
Lebensdaten
August Methusalem Georg Büchmann (* 4. Januar 1822 in Berlin; † 24. Februar 1884 in Schöneberg, Kreis Teltow) war ein deutscher Philologe, der insbesondere als Herausgeber der umfangreichen Zitatesammlung Geflügelte Worte bekannt wurde.
Motto
Diesem Buch stellte er folgendes Motto voran:
Wer könnte mehr von mir erwarten?
Für jeden bin ich eine Welt!
Dem Alter ein Erinnerungsgarten,
Der Jugend ein Entdeckungsfeld.
Ehrungen
1872 Verleihung des Professorentitels
1877 Roter Adlerorden
Privates
Büchmann war mit der Malerin Helene Büchmann (1843–1912) verheiratet. Er lebte viele Jahre in Schöneberg, Frobenstraße 1, später in der Zietenstraße 20 (seine letzte Wohnung) und verstarb in der Kur- und Irrenanstalt Maison de Santé an der Belziger Straße. Sein Grab liegt auf dem alten St.-Matthäus-Kirchhof in der Schöneberger Großgörschenstraße (Abt. K 70/20). Die Grabinschrift lautet: ΣΚΙΑΣ ΟΝΑΡ ΑΝΘΡΩΠΟΙ (Skiās onar anthrōpoi – „Eines Schattens Traum sind die Menschen“) nach Pindar (Pythische Ode VIII): „Σκιᾶς ὄναρ ἄνθρωπος“ – „Eines Schattens Traum ist der Mensch“. Es ist seit 1958 als Ehrengrab der Stadt Berlin gewidmet. (Wikipedia)
Das Buch

Georg Büchmann: Geflügelte Worte und Zitatenschatz. Völlig durchgesehene und verbesserte Neuausgabe. 447 Seiten. Johannes Asmus Verlag, Stuttgart (1953)
Der Verlag
Der Johannes Asmus Verlag war ein deutscher Verlag, der historisch gesehen Standorte in Leipzig und später in Hamburg und Stuttgart hatte. Der Verlag ist seit 1994 gelöscht.
Verlagsgeschichte
Der Verlag war ursprünglich in Leipzig ansässig, in der Salomonstraße 25 B. Nach dem Zweiten Weltkrieg oder im Laufe seiner Geschichte hatte er auch Niederlassungen in Stuttgart und Hamburg. Die "Johannes Asmus Verlag KG (GmbH & Co. KG)" in Hamburg wurde 1994 gelöscht. Es gibt heute eine Verbindung zum St. Pauli-Archiv e.V. in Hamburg, das Bücher unter dem Verlagsnamen listet, wahrscheinlich als Herausgeber oder im Rahmen von Archivprojekten. (KI-Modus)
Der Verleger I
»Josef Feiners Tochter Hertha war in Hamburg mit dem nichtjüdischen Buchhändler und Verleger Johannes Asmus verheiratet gewesen. Die Ehe wurde jedoch Anfang 1933 geschieden.« — Zitiert nach: Stolpersteine zu Josef Feiner (1863–1938)
Der Verleger II
»B. war die Tochter von Johannes Asmus, der seit 1922 in Hamburg einen belletristischen Verlag betrieb. Ihre Mutter Hertha Feiner-Asmus, die dort als Lehrerin tätig war, wurde als Jüdin 1933 aus dem Schuldienst entlassen, ihre Ehe mit Johannes Asmus wurde geschieden. Seit 1935 lebte Hertha Feiner als Hilfslehrerin an einer jüdischen Schule in Berlin, zusammen mit ihren beiden Töchtern. 1939 wurden Marion und deren Schwester, mit Unterstützung ihres Vaters, in die Schweiz in ein Internat am Genfer See gebracht. […] Ihren Vater hat Marion erst wieder in den 60er Jahren auf der Frankfurter Buchmesse getroffen; dieser war mit seinem Verlag 1938 nach Leipzig übersiedelt und hatte dort hauptsächlich Kunstbücher publiziert; 1946 hatte er die Lizenz für eine Verlagsgründung in Konstanz erworben, den Sitz des Unternehmens aber 1954 nach Stuttgart und 1959 nach Mannheim verlegt; seit 1960 war es wieder in Hamburg angesiedelt.« — Zitiert nach: »Boyars, Marion 26.10.1927 Hamburg – 31.1.1999 London; Verlegerin.« in antiquare.de
Büchmann digital
Geflügelte Worte. Der Citatenschatz des Deutschen Volks. Haude und Spener, Berlin, von der Erstausgabe 1864 bis zur Volksausgabe (auf Grund der 26. Auflage); 2., unveränderter Abdruck 1920 ⋙ Link