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Sächsin mit griechischen
Wurzeln
Bert Wawrzinek erinnert sich an seine Kindheit an der Herder-Oberschule am Connewitzer Kreuz in Leipzig und an die damalige Ausländerpolitik.
Der Gegenwart. — 20. Januar 2025
Von BERT WAWRZINEK | Frau Faeser, Innenministerin der BRD, fordert dieser Tage mehr Respekt für integrierte Migranten, da der Bevölkerungsanteil „mit Migrationshintergrund“ inzwischen nahezu 30 Prozent betragen soll. Aber was ist mit dem Respekt für die Deutschen, die seit 2015 wohl mehr als 12 Millionen Menschen, meistens nichteuropäische, in ihrem Land aufgenommen haben? Traurig, diese Frage überhaupt stellen zu müssen!
Apropos: Als Schüler der Leipziger Herder-Oberschule bekamen wir Ende der 60er Jahre auch zwei junge Griechen in unsere Klasse, einen Jungen und ein Mädchen, deren wohl kommunistische Familien vor der griechischen Militärdiktatur (1967 bis 1974) geflüchtet waren und jetzt Aufnahme in der DDR gefunden hatten. Beide sprachen Deutsch, konnten dem Unterricht mühelos folgen und wurden uns liebe Klassenkameraden. Das Mädchen mit den großen dunklen Augen hatte mein kindliches Gefühlsleben gewaltig inspiriert, und noch heute bewahre ich ein Paßbild der schönen Mitschülerin in meinen Unterlagen.
Nach der Schule, im Leipziger Süden, nahe dem Connewitzer Kreuz, hörten wir dann zuweilen gemeinsam Musik; nicht eben Sirtaki – aus einer Musiktruhe dröhnten die Les Humphreys, verhieß „Mexico“ ferne Horizonte! Jahrzehnte später, anläßlich eines Klassentreffens, suchten meine Blicke – voller Neugier, doch ohne rechten Erfolg – nach der einst Verehrten mit dem langen Haar, die mir gleichwohl – mit fescher Kurzhaarfrisur – gegenübersaß. Sie hatte in Leipzig Wurzeln geschlagen und konnte von Erfolgsgeschichten in Beruf und Familie berichten. Eine Sächsin also – mit griechischen Wurzeln!
Viel ließe sich aus der Rückschau über die DDR sagen. Bezüglich ihrer Ausländerpolitik müßte man heute geradezu ein Loblied anstimmen. Ob nun Griechenland, Mozambique, Libyen oder Vietnam; es waren gewiß politische Präferenzen, die der Entscheidung zugrunde lagen, jungen Menschen eine Berufsausbildung, ein Studium oder eben auch Schutz vor tatsächlicher Verfolgung angedeihen zu lassen. Die Leute wurden dabei ertüchtigt, erwarben Kenntnisse, die sie nach der Rückkehr in ihre Heimatländer zu deren wie dem eigenen Nutzen anwenden konnten. Von einem Verbleib im Aufnahmeland war niemals die Rede, warum auch? Ab und an war es Liebe, die für einen dauerhaften Aufenthalt sorgte, Integration inklusive. Zu keinem Zeitpunkt aber wurde die Aufnahmegesellschaft überfordert; Zustände, wie wir sie heute als „Normalität“ erleben müssen, hätte man sich einfach nicht vorstellen können, damals, bevor die Mauer fiel ... ■
© Bert Wawrzinek — Mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Apollonia von Wiedebach auf einem Gemälde
von Lucas Cranach d.Ä. — Foto: Wikimedia
Lebensdaten
Apollonia von Wiedebach (auch: Appolonia) (* 1470 in Freiberg; † 21. Januar 1526 in Leipzig) war eine sächsische Adlige und Stifterin. Als Tochter des Freiberger Bürgermeisters Stefan Alnpeck gehörte sie schon von Geburt an zu den angesehensten Familien der Bergstadt. Sie heiratete den Leipziger Ratsherrn Jacob von Blasbalg, den Begründer der Finanzkasse des Herzogtums Sachsen. Blasbalg übertrug ihr 1487 das Rittergut Lößnig auf Lebenszeit. Aus dieser Ehe stammen drei Söhne.
Nach dem Tod Blasbalgs 1490 betraute der Landesherr zunächst den Schneebergischen Zehntschreiber Caspar von Sals, nach dessen Rücktritt im Spätjahr 1490 dann die verwitwete Apollonia mit der Rechnungsführung des Herzogtums. Damit war sie die erste Frau im ernestinischen Sachsen, die eine solche Funktion ausüben durfte.
1491 heiratete sie den herzoglichen Amtmann und Rentmeister Georg von Wiedebach, einen der vermögendsten Männer Sachsens, der zu Ostern 1491 die herzogliche Rechnungsführung übernahm. Später war Wiedebach auch Burghauptmann der Pleißenburg in Leipzig. Nach dem Tod Wiedebachs 1524 fiel dessen Vermögen an Apollonia, die es für wohltätige Zwecke testamentarisch in Stiftungen einbrachte, die bis zum Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ausgeführt worden sind. Diese betrafen Krankenhäuser, arme Leute und auch die Stadt Leipzig für die Verbesserung der Straßen. Ihr Geld gab sie auch für die Finanzierung einer lutherischen Predigerstelle zu St. Thomas oder St. Nikolai, da sie Anhängerin und Befürworterin der Reformation war, obwohl ihr Gatte als Staatsbeamter katholisch gewesen war.
Die Stadt Leipzig ehrte ihre ehemalige Bürgerin und großzügige Stifterin 1895 mit der Benennung von Wiedebachstraße und Wiedebachplatz in dem 1891 eingemeindeten Stadtteil Connewitz. Des Weiteren trägt eine Oberschule in Connewitz seit 2007 ihren Namen. (Wikipedia)
Herder & Apollonia
1898 wurde in der Waisenhausstraße (Arno-Nitzsche-Straße) die XIV. Bürgerschule erbaut, Umbennung 1948 in Herderschule, seit 2007 Apollonia-von-Wiedebach-Schule – Oberschule (bis Mitte 2013 Mittelschule) (Wikipedia)
Hintergrund
Fast 30 Prozent der Menschen in Deutschland haben eine Migrationsgeschichte. Bundesinnenministerin Faeser verlangt nun mehr Respekt für gut integrierte Menschen und warnt vor überzogenen Debatten.
BR24: »Bundesinnenministerin Faeser fordert mehr Respekt für Migranten«, 15.1.2025