Stańczyk (* um 1480; † um 1560), Hofnarr polnischer Könige. Gemälde von Jan Matejko (1838–1893) — Foto: Wikimedia [Vorschaubild: Vogtherr d. J., Heinrich: Der Narr, um 1540]

Politische Institution

Als Narr wird eine männliche Person bezeichnet, welche sich töricht verhält oder sich auf lächerliche Weise irreführen oder täuschen lässt. Die weibliche Entsprechung (auch historisch) ist Närrin. Es gibt daneben den Narren als ein bildliches und literarisches Motiv, das auch eine enge Beziehung zur Fastnacht hat und konkrete visuelle Attribute herausbildete. Darüber hinaus spricht man vom Narren, wenn jemand diesen für ein Publikum spielt, ohne einer zu sein. Diese drei sind sehr unterschiedlich, beeinflussten sich in ihrer Entstehungsgeschichte und Wahrnehmung aber gegenseitig, so dass sie nur schwer voneinander zu trennen sind. Der Hofnarr dagegen ist eine politische bzw. rechtliche Institution, die einen anderen Ursprung hat, aber von der Idee des Narren nicht unbetroffen blieb. Es existieren eine Reihe von Bezeichnungen, die teilweise synonym genutzt werden, aber nicht immer deckungsgleich sind: z. B.: Tor, Schalk, Schelm, Gaukler. Das betrifft auch die Begriffsgeschichte in nicht-deutschsprachigen Kulturen. (Wikipedia)

 

Narrenfreiheit

Stańczyk (* um 1480; † um 1560) war ein Hofnarr am Hof der polnischen Könige Alexander (1501–1506), Sigismund I. des Alten (1506–1548) und Sigismund II. August (1548–1572). Über seinen Lebenslauf gibt es wenig glaubwürdige Angaben. Er entstammte einer Bauernfamilie aus Proszowice bei Krakau. Seine privilegierte Stellung am Hofe verdankte er seinem Scharfsinn, dank der Narrenfreiheit kritisierte er schonungslos die unbekümmerte Politik der Herrscher.

Literatur

Die polnischen Schriftsteller der Renaissance Łukasz Górnicki, Jan Kochanowski, Martin Cromer, Mikołaj Rej u. a. zitierten oft seine unverblümten Aussagen (oder schrieben ihm ihre eigenen Gedanken zu). In der polnischen Literatur des ausgehenden 19. Jahrhunderts wurde er oft als derjenige dargestellt, der sich am Hof der polnischen Könige um die Zukunft des Königreiches sorgte.

Gemälde

In dem berühmten Gemälde Stańczyk während des Balls am Hofe der Königin Bona, als die Kunde vom Verlust von Smolensk eintrifft (1862) von Jan Matejko wurde Stańczyk dargestellt, wie er während des heiteren Hofballs um den Verlust von Smolensk trauert. Der Hofnarr Stańczyk wurde später zu einer nationalen Integrationsfigur.

Mehr Freiheit

In den 1860er Jahren entstand im westlichen Teil Galiziens die nach ihm benannte politische Gruppierung der Stańczycy, die mehr Freiheit für die polnische Bevölkerung im österreichischen Teil Polens anstrebte.

Theaterstück

Auch im Theaterstück „Die Hochzeit“ von Stanisław Wyspiański (1901) erscheint Stańczyk mit seinem Narrenstab unter den geladenen Gästen, um die damalige Untätigkeit der Bevölkerung des geteilten Polen anzuprangern.

Antarktis

Seit 1980 ist er Namensgeber für den Stańczyk Hill, einen Hügel auf King George Island im Archipel der Südlichen Shetlandinseln in der Antarktis. (Wikipedia)