Javier Milei verkündet am 20. Dezember 2023 das Dekret 70/2023 — Foto: Casa Rosada (Argentina Presidency of the Nation); Vorschaubild: Cancillería Argentina/Wikimedia

Die Rede in Davos

WELT: „Ich kann nicht glauben, ... das ist so alienmäßig“ – Poschardt über die Rede von Javier Milei in Davos (17.01.2024; )
»Argentiniens Präsident Javier Milei reiste per Linienflug nach Davos. Dort hielt er auf dem Weltwirtschaftsforum ein Plädoyer für den Kapitalismus. WELT-Chefredakteur Ulf Poschardt analysiert die Rede des ultraliberalen argentinischen Präsidenten.«

 

Lebensdaten

Javier Gerardo Milei (* 22. Oktober 1970 in Palermo, Buenos Aires) ist ein argentinischer Ökonom, Autor und Politiker der Partido Libertario. Milei wurde als Sohn eines Busfahrers und späteren Transportunternehmers in eine Familie italienischer Herkunft geboren; er hat eine zwei Jahre jüngere Schwester. Milei bezeichnet sich als Katholik, lehnt allerdings die Autorität der römisch-katholischen Kirche ab. Auch sieht er sich selbst als Philosemit und gab gegenüber der spanischen Tageszeitung El País an, einen Übertritt zum Judentum in Erwägung zu ziehen. Seit dem 10. Dezember 2023 ist Javier Milei Präsident Argentiniens. Der Anhänger der Österreichischen Schule und des Anarchokapitalismus ist der Gründer der libertären und konservativen Parteienkoalition La Libertad Avanza.

Berufliche Laufbahn

Milei hat einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften von der Universität Belgrano und zwei Master-Abschlüsse: vom Instituto de Desarrollo Económico y Social (IDES) und der Privatuniversität Torcuato di Tella. Er wurde Chefvolkswirt bei Máxima AFJP (einer privaten Rentenversicherungsgesellschaft), Chefvolkswirt bei Estudio Broda (einem Finanzberatungsunternehmen) und Regierungsberater beim Internationalen Zentrum zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten und veröffentlichte mehrere Bücher. Er arbeitete auch als Wirtschaftswissenschaftler bei HSBC und als Titularprofessor an der Universidad de Belgrano und der Universidad Argentina de la Empresa. Zudem beriet er den Congreso de la Nación im Auftrag des Gouverneurs von Tucumán, Antonio Domingo Bussi. Zwischen 2008 und 2021 arbeitete Milei für Eduardo Eurnekian, einen der reichsten Unternehmer in Argentinien und Besitzer der Corporacion America Airports, des größten privaten Flughafenbetreibers weltweit. Mit Unterstützung dieses Unternehmers schaffte Milei den Sprung in die Politik.

Fernsehauftritte und Radiosendung

Bekannt wurde Milei durch seine provokanten Fernsehauftritte, in denen er die Regierungen von Cristina Fernández de Kirchner, Mauricio Macri und Alberto Fernández angriff. Seit 2017 hat er seine eigene Radiosendung. 2020 wurde er Mitglied der vom Wirtschaftswissenschaftler José Luis Espert geführten libertären politischen Koalition Avanza Libertad; 2021 wurde er – als Gründer der La Libertad Avanza – als Vertreter der Stadt Buenos Aires in die Cámara de Diputados de la Nación Argentina gewählt. (Wikipedia)

 

Freiheit & Marktwirtschaft

Geist der Freiheit & Marktwirtschaft ist aus der Flasche! Javier Milei & Ludwig von Mises (Benjamin Mudlack/Der ökonomische IQ vom 15.2.2024; 11:26 min.): »1958 hielt Ludwig von Mises seine berühmten Vorlesungen vor Studenten in Argentinien. Man schien offen für neue Ideen. Sechs weitere antimarktwirtschaftliche Dekaden und viel Leid folgten. Jetzt, wo das Land wirtschaftlich am Boden liegt, haben die Menschen mit Javier Milei einen Libertären und Anhänger der Österreichischen Schule zum Präsidenten gewählt. Was aus seinen Ankündigungen wird, wissen wir nicht. Ob er frei von in Interessen Dritter ist ebenfalls nicht. Politik eben! Fakt ist, dass seine Rede von Davos ein freiheitliches Feuerwerk gewesen ist. Warten wir neutral ab, was passieren wird ...«

 

Gendersprache untersagt

Der argentinische Präsident Javier Milei hat allen Bundesbehörden die Verwendung gendersensibler Sprache untersagt. „Es dürfen keine Sonderzeichen verwendet werden und die unnötige Verwendung der weiblichen Form in Dokumenten ist zu vermeiden“, sagte Regierungssprecher Manuel Adorni. Zunächst hatte die Anweisung nur für die Streitkräfte gegolten. (VDS-Infobrief vom 3.3.2024)

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