Illustration: Gegenbild mit Adobe Firefly

Zeitmeinungen

Mit den Weihen der ärztlichen Autorität versehen, verstand es Johanna Haarer, die in beiden genannten Werken keine wissenschaftlichen Erkenntnisse zitiert, auch kein Literaturverzeichnis angibt und somit eine Überprüfung ihrer Aussagen, Zahlen sowie Fakten unmöglich macht, sich über Jahre hinweg den jeweiligen Zeitmeinungen anzupassen.

Manfred Berger: „Johanna Haarer (1900-1988). Biografie und ihre drei zugkräftigsten Erziehungsratgeber im Wandel der Zeiten“

 

Schwarze Pädagogik

Johanna Haarer und die schwarze Pädagogik (Robert Godwin-Jones; 18.11.2022; 8:51 min.)

 

Lebensdaten

Johanna Haarer, geborene Barsch, geschiedene Weese, (* 3. Oktober 1900 in Bodenbach, Böhmen; † 30. April 1988 in München) war eine deutsche Ärztin und Autorin deutschböhmischer Herkunft. In der Zeit des Nationalsozialismus waren ihre auflagenstarken Schwangeren- und Erziehungsratgeber eng an dessen Ideologie angelehnt. Haarer war zeitweise „Gausachbearbeiterin für rassenpolitische Fragen“ der NS-Frauenschaft in München. Nach 1945 wurden ihre Bücher in der späteren Bundesrepublik Deutschland in von nationalsozialistischer Terminologie bereinigter Form wieder aufgelegt und beeinflussten somit die Mütter der Kriegs- und der Nachkriegs-Generationen. (Wikipedia)

 

Die Bücher

Johanna Haarer: Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind
Johanna Haarer: Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind.
288 Seiten. Mit 57 Abbildungen. J. F. Lehmanns Verlag, München/Berlin, ?. Auflage, 161.–190. Tausend (1939)

Johanna Haarer: Unsere kleinen Kinder
Johanna Haarer: Unsere kleinen Kinder.
284 Seiten. Mit 50 Abbildungen. J. F. Lehmanns Verlag, München/Berlin, 7. Auflage, 91.–120. Tausend (1941)

 

Zum Weiterlesen

Manfred Berger: „Johanna Haarer (1900-1988). Biografie und ihre drei zugkräftigsten Erziehungsratgeber im Wandel der Zeiten“ Link

Elena Weidt: „Dann, liebe Mutter, werde hart!“ – Wie NS-Ratgeber die Erziehung bis heute prägen, SWR2 Wissen, 12.10.2022 Link

Manuel Opitz: „Schwarze Pädagogik: Wie Johanna Haarer den Willen von Kindern brechen wollte“, GEO, 19.3.2024 Link

 

Entidealisierung

Johanna Haarer, Gertrud Haarer: Die deutsche Mutter und ihr letztes Kind
Johanna Haarer, Gertrud Haarer: Die deutsche Mutter und ihr letztes Kind:
Die Autobiografien der erfolgreichsten NS-Erziehungsexpertin und ihrer jüngsten Tochter. Herausgegeben und eingeleitet von Rose Ahlheim. 424 Seiten. Offizin Hannover (2012)
»„Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“, so hieß Haarers seit 1934 in Massenauflagen verbreiteter Ratgeber, der noch lange in die Nachkriegszeit hineinwirkte. Verpackt in Ratschläge zur „richtigen“ Babypflege wurde hier unerfahrenen Müttern ein Erziehungsstil nahegebracht,der sich nahtlos in die NS-Ideologie einfügte. Haarers Kinderbuch „Mutter, erzähl von Adolf Hitler!“ und ihre Tätigkeit als „Sachbearbeiterin für Rassenpolitische Fragen“ lassen erkennen, wie tief sie sich auf die NS-Ideologie eingelassen hatte. Im ersten Teil erscheinen ihre in hohem Alter verfassten Lebenserinnerungen bis 1933 und der Internierungszeit. Sie zeigen die Unbelehrbarkeit einer Frau, die ihre Verfehlungen verdrängt und den Anschein von „Normalität“ erweckt. Andererseits begegnet uns ein starkes junges Mädchen, das sich seinen Weg erkämpft. Welche Dynamik ließ diesen Lebensweg einmünden in die Massenbewegung der überzeugten Nationalsozialisten? Zwischen Gertrud, dem fünften und letzten Kind, und ihrer Mutter hat nie ein wirklicher Dialog stattgefunden. Im zweiten Teil versucht die Tochter in ihrer Autobiografie den Dialog mit der „inneren“ Mutter aufzunehmen, beschreibt den langen, leidvollen Weg ihrer Suche: Wer war sie, diese Mutter? Kann sie identisch sein mit jener Frau, die derart drakonische Erziehungsmethoden vertrat? Von einer Art „Denkverbot“ in ihren früheren Jahren kämpft sie sich durch zu einer intensiven inneren Auseinandersetzung mit dem mörderischen Charakter des Nationalsozialismus. Die Einleitung liefert eine kritische zeitgeschichtliche Einordnung der NS-Ideologin sowie der schwierigen Tochter-Mutter-Beziehung und analysiert den mit Trauer beladenen Prozess der Entidealisierung der Mutter, der den Weg emotional freimacht für neue Bewertungen. — Dr. Johanna Haarer, 1900–1987, Lungenfachärztin, ab 1933 schriftstellerisch tätig mit zahlreichen Publikationen im Sinne der NS-Ideologie; 1945–1946 mit Unterbrechung in US-Internierung; dann wieder als Lungenärztin bei Gesundheitsämtern tätig; erneut rege schriftstellerische Tätigkeit. — Gertrud Haarer, geb. 1942, jüngste Tochter der insgesamt 5 Geschwister, Buchhändlerin und Altenpflegerin; sie pflegte ihre Mutter bis zu deren Tod; lebt heute in Italien. — Dr. Rose Ahlheim, geb. 1943, Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin, langjährige Tätigkeit als Dozentin und Supervisorin am Institut für analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie in Frankfurt/Main, lebt und arbeitet in Berlin.« (Verlagstext)