Vokabularium
John Brinckman
Der Haus- und Realschullehrer ist ein Niederdeutsch-Klassiker, der sich mit Gedichten in der 1848er Revolution engagierte.
Der Gegenwart. — 14. Februar 2026 — Nach einem Zufallsfund in der Bücherzelle.
„Kasper-Ohm un ick“, „Peter Lurenz bi Abukir“, „Uns Herrgott up Reisen“, „Dat Brüden geiht üm“, „Vagel Grip“ — diese und andere Bücher sind bis heute unvergessen. Brinckman gilt zurecht als einer der drei Niederdeutsch-Klassiker, neben Fritz Reuter (1810–1874) und Klaus Groth (1819–1899). John Brinckman erschloss die Welt der Seefahrt und des Schiffbaus für die plattdeutsche Erzählliteratur. Seine Lyrik spiegelt das Landleben auf eine noch immer erfrischende Weise. Er stand aber auch politisch seinen Mann. Während der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49 bewies der Lehrer und Vater von insgesamt zehn Kindern mit seinen antifeudalen „Neuen Mecklenburgischen Liedern“ Entschlossenheit und Mut.
Webseite (archiviert) der John-Brinckman-Gesellschaft e.V.
John Brinckman wurde als jüngerer Sohn des Kaufmanns Michael Brinckmann und dessen Frau Anna Catharina geb. Ruthen in Rostock geboren, wo sich die Familie erst kurz zuvor niedergelassen hatte, und am 8. Juli 1814 in der Rostocker Marienkirche getauft. Sein Vater, der Kaufmann und Kapitän (Caspar Christoph) Mich(a)el Brinckmann (* 1786), versank 1824 mit Schiff und Mannschaft vor Jütland. Seine Mutter Anna (1794–1870), Tochter des Hafenkommandanten Ruth in Göteborg, erzog neun Kinder in wirtschaftlich bescheidenen, aber gesicherten Verhältnissen.
Johns schulische Ausbildung begann in einer Klippschule bei Tante Treppern, die noch 1836 mit 84 Jahren tätig war. Dann besuchte er die gelehrte Vorschule der Predigeramtskandidaten Johnßen und Reuß und wurde 1824 Schüler der Großen Stadtschule Rostock. Ostern 1834 bestand Brinckman die Abgangsprüfung dieses Gymnasiums.
Gefängnisstrafe und Begnadigung
Der neunzehnjährige John studierte von Ostern 1834 bis 1838 an der Rostocker Universität Jura. Während seines Studiums wurde er 1834 Mitglied der Alten Rostocker Burschenschaft und der burschenschaftlichen Allgemeinheit. Er war seit 1835 Mitglied des Corps Vandalia Rostock. Er wurde wegen „versuchter Stiftung eines verbotenen politischen Vereins auf der Universität Rostock“ (Verbindung zu antimonarchistischen Burschenschaften) zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Er bat um landesherrliche Begnadigung durch Großherzog Paul Friedrich, der diese am 25. Januar 1839 gewährte. Sein Studium beendete er aber nicht mehr.
Brinckmans Entschluss, nach Amerika zu gehen, bleibt widersprüchlich. Fakt ist, dass er im September 1839 von Rostock über Hamburg zu einer Schiffsreise nach New York aufbrach. Vom November 1839 bis April 1842 hielt er sich in Amerika auf. Nach einer überstandenen Gelbfieberinfektion ging er im April 1842 an Bord eines englischen Dampfers und kam nach einem Zwischenaufenthalt in England im Mai 1842 im Hamburger Hafen an.
Selbstfindung im Pfarrhaus
Auf Anraten seines Arztes zog Brinckman noch im Mai 1842 zu seinem Studienfreund Gustav Lierow aufs Land, der im Dobbertiner Klosterdorf Lohmen Pastor war. Das Pfarrhaus war für Brinckman in dieser Zeit ein Ruhe- und Selbstfindungspunkt. Bei einem Besuch des Bruders seines Freundes, Ludwig Lierow, der im Dobbertiner Klosteramt als Amtsaktuar, als Amtsschreiber tätig war, lernte er am 18. Mai 1842 die damals einundzwanzigjährige, lebenslustige Goldberger Arzttochter Elise Burmeister (1821–1904) kennen, die im Hause des Amtsaktuars als Erzieherin wirkte. Beide Brüder Lierows halfen mit ihren Kontakten und Beziehungen des landesweit bekannten Klosters Dobbertin John Brinckman auch bei der Arbeitssuche.
Von Oktober 1842 bis September 1844 war er Hauslehrer bei Herrn von Schack auf Gut Rey bei Neukalen. Das dortige familiäre Klima und das Verhältnis zum Arbeitgeber stimmte nicht. Besonders die Frau des Kammerherrn in ihrer herrschsüchtigen, adelsstolzen, dünkelhaften Art machte ihm das Leben in Rey sehr schwer.
Hauslehrer im Klosteramt
Nach dem Gespräch am 21. Oktober 1844 beim Klosterhauptmann Carl Peter Johann von Le Fort im Kloster Dobbertin konnte er dort schon am 2. November 1844 die Stelle als Hauslehrer im Klosteramt antreten. Drei Tage später bezog er sein Zimmer im Klosterhauptmannshaus und unterrichtete bis zum Dezember 1846 die drei Söhne David, Ludwig und Franz von Le Fort. Hier fand Brinckman Befriedigung in seiner Lehrertätigkeit und war in der Nähe seiner Elise, die mittlerweile wieder im vier Kilometer entfernten Goldberger Vaterhaus wohnte.
Anfang Januar 1846 zog Brinckman nach Goldberg in die Lange Straße 116, die heutige Stadtbäckerei. Schräg gegenüber im Haus der Langen Straße 105 befand sich die Schroedersche Privatschule, die sich in Goldberg großer Beliebtheit erfreute. Am 3. April 1846 fand im Hause seines Schwiegervaters, des Arztes August Burmeister, die Hochzeit mit Elise Burmeister statt. Die Trauung in der Goldberger Kirche nahm Pastor Joachim Birkenstädt vor.
Scharfe satirische Gedichte
Als Mitglied des Goldberger Reformvereins und als Verfasser scharfer satirischer Gedichte gegen den konservativen Gutsbesitzeradel engagierte er sich in der Revolution in Mecklenburg (1848). Brinckman und Fritz Reuter nahmen am ersten mecklenburgischen Reformtag in Güstrow teil. Den offenen Auseinandersetzungen in Goldberg aus dem Wege gehend, bewarb er sich auf eine freiwerdende Stelle an der Bürger- und Realschule in Güstrow. Am 20. September 1849 wurde Brinckman nach einer gelungenen Probelektion als interimistischer Hilfslehrer eingestellt. Sein Jahresgehalt betrug 316 Taler und 32 Schillinge. Die Familie Brinckman zog um und nahm in Güstrow zunächst am Pferdemarkt Nr. 233, heute Nr. 32 eine Wohnung.
Oft musste er um Zulagen bitten; denn zur Familie gehörten nicht weniger als zehn Kinder. Brinckman lehrte Englisch, Französisch und Latein und gab Privatstunden in Spanisch. Als Abgeordneter des Bürgerausschusses setzte er sich von 1856 bis 1862 für bessere Schulverhältnisse ein.
Seit 1854 veröffentlichte John Brinckman plattdeutsche Gedichte und Erzählungen, die ihn zunehmend bekannt machten. Der Erfolg seiner Werke stellte sich erst nach seinem Tode ein.
Textgrundlage: https://de.wikipedia.org/wiki/John_Brinckman

John Brinckman auf einem Gemälde von
F. Bognerky im Stadtmuseum Güstrow — Foto: Berth
Brinkmann / John Brinckman Gesellschaft
Lebensdaten
John Brinckman – getauft als John Frederic Brinckmann – (* 3. Juli 1814 in Rostock; † 20. September 1870 in Güstrow) war ein Haus- und Realschullehrer sowie niederdeutscher Schriftsteller. Mit 56 Jahren erlag Brinckman einem Schlaganfall. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Güstrower Friedhof. Der Nachlass von John Brinckman wird in der Rostocker Universitätsbibliothek verwahrt. Mehrere Schulen und Straßen in Mecklenburg wurden nach ihm benannt. 2014 wurde ihm posthum die Ehrenbürgerschaft der Stadt Güstrow verliehen. (Wikipedia)
Goldhofers Zeitreise
Goldhofers Zeitreise 33 – John Brinckman (MV1 - Heimat bewegt; 8.7.2014; 14:39 min.)
»Diesmal begibt sich Hans-Jörg Goldhofer auf die Spuren des niederdeutschen Schriftstellers John Brinckman, der 1814 in Rostock geboren wurde.«
Plattdütsch Lachen
Plattdütsch gistern un hüt – 2LP's (robotronRS5001; 2.12.2012; 1:56:16 Std.) Mit mehreren Beiträgen von John Brinckman: „Plattdütsch Lachen“, „Dat 's dütsch“, „Vagel Grip“, Aus: „Peter Lurenz bi Abukir“, „Adschüs“
»Auswahl und Zusammenstellung — Wort: Hans Joachim Theil — Musik: Jochen Renz — Regie: Jürgen Schmidt — Tonregie: Karl Hans Rockstedt — In der mecklenburgischen Mundart sind jahrhundertelange Erfahrungen derjenigen Menschen aufgehoben, die diese Sprache gesprochen und auf ihre Weise gepflegt haben: der Fischer und Schiffer, der Häusler, Gutsarbeiter, der Bauern und Handwerker; Plattdeutsch war seinem Charakter nach nicht die Sprache der Gutsbesitzer und Fabrikanten, es war die Sprache der „einfachen Menschen". Das Plattdeutsche ist keine Sprache für komplizierte technische oder soziologische Erläuterungen aber es ist eine Sprache, in der sich ein ursprünglicher Humor, eine volkstümliche Witzigkeit, die schlichte Sinnlichkeit elementarer Seelenregungen vergegenständlicht hat. Es ist die Sprache des Liebesliedes „Dat du min Leewsten büst", des Spottliedes von „Herrn Pastuhrn sin Kauh", der derb-drastischen „Läuschen un Rimels", aber es ist auch die Sprache der rebellischen Verserzählung „Kein Hüsung". — Kurt Batt«
Werke

John Brinckman: Kleine Erzählungen II: De Generalreeder / Ümmer prompt un praktisch / Ut den Doemelklub / Kleinere Stücke und Bruchstücke. 230 Seiten. Herausgegeben von der Arbeitsgruppe der Plattdeutschen Gilde zu Rostock. [John Brinckmans Plattdeutsche Werke, 4. Band]. Verlag Julius Abel, Buchdruckerei- und Verlagsgesellschaft m. b. H., Greifswald (1929)
▪ Kasper Ohm un ick (Rostocker Lausbubenstreiche, Erinnerungen an Brinckmans Kindheit, 1855–1868) (Volltext 2. Aufl. ⋙ Link)
▪ Vagel Grip (Gedichtband, 1859) (Volltext ⋙ Link)
▪ Voß un Swinägel (Fuchs und Igel; Erzählungen, 1854)
▪ Peter Lurenz bi Abukir (eine heitere Seefahrerstory, 1868)
▪ Höger up (die Geschichte eines armen Güstrower Bauernkindes, aus dem durch Glück und Geschick ein Ritter des Herzogs wird, 1885)
▪ Mottche Spinkus un de Pelz (eine spaßige Erzählung über Güstrower Juden, 1886)
▪ Von Anno Toback … (ein Rostocker Seefahrerroman)
▪ Kurt Batt gab 1976 Brinckmans Werke in zwei Bänden im Hinstorff Verlag Rostock heraus.
Klippschule
Winkelschulen, auch Heckschulen oder in Norddeutschland Klippschulen genannt, waren nicht anerkannte, privat organisierte, deutschsprachliche Volksschulen, die seit dem späten Mittelalter in den Niederlanden und in Deutschland aufkamen. Die ersten Winkelschulen entstanden in Städten und größeren Handelszentren. Der Besuch war kostenpflichtig und konnte bar oder in Naturalien beglichen werden, jedoch befanden sich diese Schulen anders als die sog. Bei- oder Nebenschulen außerhalb des staatlichen Schulgeldsystems.
Etymologie
Die Winkelschulen erhielten diesen Namen, weil sie in ehemaligen Ladenräumen eingerichtet wurden (ndl. winkel „Laden“, vgl. auch die Wortbildung Schülerladen für privat organisierte Horteinrichtungen). Durch volksetymologische Umdeutung des niederländischen Lehnworts erhielt diese Bezeichnung die Konnotation des versteckten Wirkens und damit der Illegalität. Die Vorsilbe Klipp- steht im Niederdeutschen für Klein-, also „Kleinschule, Schule für die Kleinen“, vgl. Klippschulden, Klippkram.
Schulischer Alltag
Das Lehrpersonal (sogenannte Winkelmeister oder Klippmeister) verfügte im Allgemeinen weder über fachspezifische noch pädagogische Kenntnisse. Entsprechend vermittelten Winkelschulen in erster Linie sehr elementares Basiswissen durch Auswendiglernen, vor allem Grundkenntnisse in Lesen und Schreiben. Vorherrschend und akzeptiert war (wie in den damaligen öffentlichen Schulen auch) die Anwendung der Prügelstrafe. Auch Platznot und das Nebeneinander von mehreren Altersstufen prägten das Bild.
Schlechter Ruf
Die abwertende Einschätzung der Klippschule rührt aus der Zeit, als Winkel- und Klippschulen bereits veraltet und im Niedergang begriffen waren. Auf der anderen Seite muss aber anerkannt werden, dass diese Privatschulen in der Neuzeit durchaus ihren Teil zur Alphabetisierung des damaligen Bürgertums – und in geringerem Ausmaß auch der Bauern – beigetragen haben.
Redensarten
▪ „Das ist Klippschule“: Das sollte eigentlich Grundlage sein, darüber braucht man nicht mehr zu reden.
▪ „Klippschulwissen“: elementares Allgemeinwissen, häufig noch mit Verständnisfehlern durchmischt
▪ „Klippschüler“: Hauptschüler (neuzeitlich)
▪ „hier geht’s ja zu wie auf der Klippschule“: Es herrschen pädagogisch erbärmliche Zustände; für die Vermittlung von Respekt wird mehr Aufwand getrieben als für die Vermittlung von Inhalten. (Wikipedia)
Plattdeutsch
Als niederdeutsche Sprache (auch Plattdeutsch genannt, regionale Eigenbezeichnungen Plattdütsch, Plattdütsk, Plattduitsch u. a. oder kurz Platt) werden heute zumeist die westgermanischen Sprachformen mit Standardhochdeutsch als Schrift- und Dachsprache bezeichnet, während das Niedersächsische in den Niederlanden (Nedersaksisch) Standardniederländisch als Schrift- und Dachsprache hat. Das heutige Niederdeutsch ist aus den alten sächsischen Mundarten (Altsächsisch) des Altniederdeutschen entstanden. Sein ursprüngliches Sprachgebiet ist der Nordwesten des heutigen Deutschland und der Nordosten der heutigen Niederlande. Die Kurzformen Plattdeutsch oder Platt findet man auch beim Niederfränkischen und tlw. auch bei den mitteldeutschen Mundarten, etwa dem Nordhessischen, die aber den Hochdeutschen Dialekten zuzuordnen sind. Die niederdeutschen Dialekte weisen aufgrund ihrer gemeinsamen Herkunft aus der Gruppe der nordseegermanischen Sprachen Ähnlichkeiten mit dem Englischen und den Friesischen Sprachen auf. (Wikipedia)
Brinckman Gesellschaft
Die John-Brinckman-Gesellschaft e.V. wurde am 6. Februar 1990 in Hamburg gegründet. Ziel der Literaturgesellschaft war die Pflege, Bewahrung, Neuentdeckung und Erforschung des Gesamtwerkes des niederdeutschen Dichters John Brinckman. Der Verein machte sich zur Aufgabe, Werk und Biographie Brinckmans in schriftlicher und mündlicher Form wieder zugänglich zu machen. Die Gesellschaft entstand auf Initiative von Margarete Block-Jakobs, Hanstedt (Nordheide), die auf der Gründungsversammlung auch zur ersten Vorsitzenden gewählt wurde. Im Jahr 2000 beschloss die Mitgliederversammlung die Verlegung des Sitzes der Gesellschaft nach Güstrow. Ab März 2000 war Wolfgang Siegmund, Jürgenstorf, Vorsitzender der Gesellschaft. Die Gesellschaft wurde 2020 aufgelöst. (Wikipedia)
▪ Über die Auflösung informiert der Güstrower Anzeiger in dem Artikel „Ende für John-Brinckman-Gesellschaft“ am 25. März 2020 ⋙ Link
