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Kadettenanstalt Naumburg
Der Große Kurfürst gründete Schulen zur Vorbereitung auf eine militärische Karriere. Auch die DDR probierte nach sowjetischem Vorbild das preußische Bildungskonzept.
Der Gegenwart. — 25. April 2024 — UPDATE 13. Januar 2025
11. DEZEMBER 1983 […] HEUTE NACHT EIN TRAUM: ICH STEHE ALS KADETT AUF DEM EXERZIERPLATZ UND VERWEIGERE JEDEN WEITEREN BEFEHL. ALLE DROHEN, REDEN AUF MICH EIN, MICH ZUR VERNUNFT ZU BRINGEN, ABER ICH WEISS: WENN ICH JETZT DARAUF WARTE, DASS ANDERE MEINE ARBEIT ERLEDIGEN + DIE SCHULE SCHLIESSEN, WIRD MIR MEINE ENTSCHEIDUNG ABGENOMMEN + ICH WERDE LANGE DAFÜR ZU BÜSSEN HABEN.
Thomas Brasch in „Tage- und Nächtebuch“ (2021)
Die Kadettenschule der NVA in Naumburg (Saale) bestand von 1956 bis 1961. Im ersten Ausbildungsjahr 1956/57 wurden 211 Kadetten ab dem 11. Lebensjahr der Klassen 6 bis 9 in zwei Kompanien mit je vier Zügen aufgenommen. Der erste Abiturjahrgang fand 1960 mit knapp 50 Absolventen statt. Im Laufe ihres kurzen Bestehens durchliefen insgesamt etwa 400 Schüler die Einrichtung. Dem Anspruch, dass überwiegend Söhne von verdienten Kämpfern der Arbeiterklasse Kadetten werden sollten, wurde die Schule nicht gerecht. Arbeiterkinder waren deutlich unterrepräsentiert. Stattdessen wurden überwiegend Söhne von Partei- und Staatsfunktionären, Angestellten und Offizieren in die Kadettenschule geschickt.
Lehre
Der Lehrplan glich allgemeinen zivilen Mittel- und Oberschulen, war jedoch um (vor-)militärische Ausbildung (vier Wochenstunden) und zusätzlichen Sportunterricht ergänzt, um auf die Offizierslaufbahn der NVA oder in anderen bewaffneten Organen der DDR vorzubereiten. Parallel zum Unterricht wurden militärische Arbeitsgemeinschaften angeboten. Der militärische Teil der Ausbildung wurde in einem jährlichen Sommer- und Winterlager vertieft.
Geschichte
Die Eröffnung der kostenfreien Schule fand feierlich am 1. September 1956 im Beisein des damaligen DDR-Verteidigungsministers Generaloberst Willi Stoph statt. Vorbild waren die sowjetischen Kadettenschulen, wohingegen man sich von preußischen Kadettenanstalten distanzierte. Das Schulareal war für eine königlich-preußische Kadettenanstalt errichtet und ab 1934 als Nationalpolitische Erziehungsanstalt genutzt worden.
Nach einem mehrjährigen Prozess erkannte die SED-Führung, dass das Kadettenwesen für die NVA untauglich war. Dazu trugen die spezifische soziale Zusammensetzung der Kadetten, der überfrachtete Schulalltag, pädagogisches Unvermögen eines Teils des Stammpersonals, der hohe materielle Aufwand und zunehmende Fragen über Sinn und Aufgaben der Kadettenschule bei. Auch verantwortliche SED-Funktionäre, Eltern und ältere Kadetten übten zunehmend Kritik. Nur eine Minderheit der Kadetten wollten Offiziere werden. Ihre an der Kadettenschule erworbenen militärischen Kenntnisse blieben hinter den Erwartungen zurück. Mit Ablauf des Schuljahres 1960/61 setzte die SED-Führung der Schule ein abruptes Ende. Die Beschäftigung mit der Kadettenschule wurde für DDR-Militärhistoriker zum Tabu.
Die NVA nutzte das Gelände als Vorstudienfakultät zur Vorbereitung auf ein Hochschulstudium an der Militärakademie „Friedrich Engels“ und als Institut für Fremdsprachenausbildung der NVA zur vorbereitenden Sprachausbildung auf ein Studium an einer sowjetischen Militärhochschule.
Das Gelände der Schule wird seit 1990 von der Bundeswehr genutzt. Heute befinden sich dort die III. Inspektion des Bundessprachenamts, die Bundeswehrfachschule Naumburg sowie die Bundeswehrfachschulbetreuungsstelle Naumburg.
Textgrundlage: https://de.wikipedia.org/wiki/Kadettenschule_der_NVA
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Wieviel Geld verdient wohl Onkel Stoph?
Von Dr. phil. Olaf Rönnau.
Offiziell wurde die – erste und einzige – KS der NVA am Samstag, den 1. September 1956, durch den Verteidigungsminister der DDR, Generaloberst Willi Stoph, in einem Festakt in Naumburg/ S. eröffnet. Dieser Tag war nicht nur Weltfriedenstag, sondern genau auf den Tag vor 239 Jahren (1717) hatte der preußische Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. mit der Gründung des „Königlichen Kronprinzlichen Corps des Cadets“ in Berlin die militärische Jugenderziehung in Deutschland eine institutionelle Grundlage gegeben.[1] Es ist anzunehmen, dass der DDR-Führung dieses Datum nicht bewusst war, als die Eröffnungsfeier datiert wurde. Minister Stoph wies in seiner Eröffnungsansprache der KS der NVA die Aufgabe zu
„junge Menschen, vor allem Söhne von verdienten Kämpfern der Arbeiterklasse, zu sozialistischen Menschen zu erziehen, die bereit sind, sich mit ihrer ganzen Person für die Erhaltung der Macht der Arbeiterklasse in unserer Republik einzusetzen“ und mit der neuen Einrichtung eine „Kaderschmiede für den Führungsnachwuchs der Nationalen Volksarmee“[2]
zu etablieren. Soweit zu den offiziellen Daten und Ereignissen, über die selbstverständlich auch in der Presse berichtet wurde.[3] Weit persönlicher und weniger formell sind die autobiographischen Aufzeichnungen, die Wolfgang Schnedelbach als Zeitzeuge der Eröffnungsfeier der KS aufgezeichnet hat. Er war Lehrer/ Zughelfer und Zugführer an der Kadettenschule der NVA von 1956-1959. Herr Schnedelbach schreibt:
„Außerdem war die Gästeliste repräsentativ und respektabel. Der Minister für Volksbildung der DDR, Fritz Lange, war da […], daneben die gesamte Spitze des Verteidigungsministeriums. Zum ersten Mal lernte ich auch die damaligen Militärattachés jener Staaten kennen, die mit der DDR diplomatische Beziehungen unterhielten. Viele Mitglieder des ZK der SED waren erschienen, ebenso wie leitende Repräsentanten aller Parteien und Massenorganisationen und Vertreter der örtlichen Staatsorgane des Bezirks sowie des Kreises und der Stadt Naumburg. Der Eröffnungsveranstaltung schloss sich ein Rundgang aller Eltern und Gäste in den Arbeits-, Wohn-, Schlaf- und Freizeiträumen der Kadetten an, die natürlicherweise von uns Erziehern vor allem genutzt wurden, um mit den Eltern „unseres“ Zuges ins Gespräch zu kommen. […] Der Katalog der Anliegen und Fragen war umfangreich und vielschichtig. Einige Beispiele – Was passiert, wenn ein Kadett das Klassenziel nicht erreicht? Dürfen Kadetten Pakete empfangen? Welche Arbeitsgemeinschaften wird es geben? Wie werden die Erzieher mit ihnen bekannten Mädchenbekanntschaften der Kadetten umgehen? Was bedeutet „Ausgang in Begleitung eines Erziehers“? Dürfen Kadetten mehr Bargeld als Taschengeld besitzen? und, und, und …. Es war auch ganz natürlich, dass in unseren Zügen die bekanntlich Jüngsten, also die etwa 12-jährigen Kadetten umfassten, besonders viele Eltern, darunter meistens die Mütter, ganz persönliche Anliegen hatten. Einige Stichworte typischer Art: „Unser Sohn nimmt es mit der Ordnung nicht genau.“ „Bitte am Anfang die Gründlichkeit des Waschens überprüfen.“ „Mein Sohn brauchte bisher (leider) nie einen Knopf selbst anzunähen.“ „Der Umgang mit „Schnürsenkel“ wird ein Problem werden.“ „Wenn ich daran denke, meinen Sohn erst in einigen Wochen oder gar Monaten wiederzusehen, kommen mir schon jetzt die Tränen!“ „Wie werden Sie mit dem Heimweh der Kadetten umgehen?“ und, und, und… Ich bemühte mich alle Fragen, möglichst freundlich und sachlich zu beantworten und – was die Anliegen betraf – um das Vertrauen der Eltern zu bitten. […] Leicht wird es nicht werden, aber ich freute mich darauf. Da fällt mir übrigens noch eine Episode am Rande der Eröffnungsveranstaltung ein, die mich für einige Sekunden in Schrecken versetzte: Wenige Minuten vor der Eröffnung der Schule, Generaloberst Stoph hatte bereits Platz genommen, stellte mir ein Kadett flüsternd die Frage, wieviel Geld denn wohl Onkel Stoph verdienen würde. Der neben mir sitzende Unteroffizier Schmuck, ein feiner Kerl, der immer zu Späßen mit völlig ernstem Gesicht aufgelegt war, und die Frage gehört hatte, antwortete: „Geh doch schnell mal hin und frage ihn persönlich!“ „Gut“, meinte der Kadett, „das mach ich“, erhob sich und schon war er in Richtung Stoph unterwegs. Buchstäblich im letzten Augenblick konnte ich ihn wieder einfangen und von seinem Vorhaben abhalten.“[4]
Der militärischen Traditionspflege wurde in der NVA große Bedeutung zugemessen, die ihren Ausdruck im sogenannten „Plan zur erweiterten Anwendung traditioneller militärischer Zeremonien und militärischen Brauchtums in der Nationalen Volksarmee“ [5] fand. Militärische Traditionspflege wurde zum Bestandteil der Führungstätigkeit der Kommandeure und Politorgane erklärt, und davon war auch die KS nicht ausgenommen.[6] Zu Recht weist Rüdiger Wenzke auf den nicht unbedeutenden Aspekt der Selbstdarstellung der noch jungen NVA hin. Denn vor allem in den Anfangsjahren der ostdeutschen Streitkräfte ging es um das Erfüllen von Legitimationsbedürfnissen: die NVA brauchte eine eigene nationale Tradition und Identität. Diese musste den Bruch mit den Traditionen früherer deutscher Streitkräfte und eine klare Abgrenzung vom Traditionsverständnis der westdeutschen Bundeswehr beinhalten.[7] Die militärische Tradition der NVA stellte hingegen die Geschichte der nationalen und internationalen „revolutionären Arbeiterbewegung“ sowie die eigene „DDR-Identität“ in den Mittelpunkt.[8] Traditionsbildend für die NVA wurden Ereignisse, der deutschen Militärgeschichte, bei denen es darum ging, Unterdrückte und Ausgebeutete zu befreien, Kriege zu verhindern oder revolutionär zu beenden, oder um einen „gesellschaftlichen Fortschritt“ durchzusetzen. Ohne politisch korrekte Zuordnung waren Soldatentugenden wie Tapferkeit, Mut, Disziplin und Treue nicht mehr gefragt.[9] Dieses Geschichtsverständnis hatte zu bedeuten, dass sich soldatisches Handeln und dessen Bewertung grundsätzlich an den moralischen Kategorien des Kampfes für eine bessere Gesellschaftsordnung im Sinne der marxistisch-leninistischen Weltanschauung auszurichten hatte.[10] Dementsprechend lassen sich die folgenden Leitlinien dieses Geschichtsverständnisses in vier Kernbereiche zusammenfassen:
▬ den Bruch mit der vorangegangenen Tradition deutscher Streitkräfte, besonders mit der Wehrmacht,
▬ die Orientierung auf die „progressiven“ und „revolutionären“ deutschen Traditionen, vor allem der bewaffneten Arbeiterbewegung,
▬ die Entwicklung eines „sozialistischen Nationalbewusstseins“, das sich deutlich von den „reaktionären“ Vorbildern in Westdeutschland unterschied und
▬ das Anknüpfen an internationalistische Traditionen, beispielsweise der internationalen Brigaden und der verbündeten „Brüderarmeen“.[11]
[1] Vgl. Buddrus, Michael. In: Mehringer, Hartmut (Hrsg.). 1995. S. 167.
[2] BA-MZA: VA-01/4509. Bl. 2: Chronik der Kadettenschule der Nationalen Volksarmee 1956-1961 (Geheime Verschlußsache). Zitiert nach Buddrus, Michael. 1995. S. 167.
[3] Das NEUE DEUTSCHLAND (ND) berichtete auf der Titelseite unter der Überschrift „Kadettenanstalt der Nationalen Volksarmee eröffnet“ am 5. September 1956 über die Eröffnung. Bemerkenswert ist die Verwendung des Begriffs „Kadettenanstalt“, üblicherweise wurde seitens der SED-Führung von „Kadettenschule“ gesprochen, um sich bewusst von vergangenen Einrichtungen dieser Art auf deutschem Boden zu distanzieren.
[4] Schnedelbach, Wolfgang: Persönliche Aufzeichnungen (2003) S.138-139.
[5] BA-MA. VA-01/6320. Bd. 2. MfNV – Sekretariat des Ministers. Berichte der Kontrollabteilung des MfNV, hier: Plan zur erweiterten Anwendung traditioneller militärischer Zeremonien und militärischen Brauchtums der Nationalen Volksarmee. Bl. 275-283. Zitiert nach Rogg, Matthias. 2009. S. 42.
[6] Vgl. Ebenda. S. 42.
[7] Die für diese Arbeit befragten Zeitzeugen (mehrheitlich ehemalige Kadetten) betonten übereinstimmend, dass die KS der NVA in keiner Weise an die Traditionen vorheriger militärischer Bildungseinrichtungen der deutschen Geschichte angeknüpft habe.
[8] Vgl. Wenzke, Rüdiger. 2014. S. 84.
[9] Vgl. Ebenda. S. 84.
[10] Vgl. Hanisch, Wilfried. (o.J.) S. 259.
[11] Vgl. Rogg, Matthias. 2009. S. 42.
Leseprobe aus: Olaf Rönnau: Eine totale Institution als Zwischenspiel. Die Kadettenschule der NVA von ihrer Gründung 1956 bis zu ihrer Auflösung 1961. Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades Dr. phil. an der TU Dresden. 460 Seiten. Miles-Verlag, Berlin 2022. — Mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Fakten und Daten
Die Kadettenschule der NVA (die Kadette) war eine Kadettenanstalt der Nationalen Volksarmee (NVA) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in Naumburg (Saale), die von 1956 bis 1961 bestand. Mit ihrer Schließung endete die letzte deutsche Kadettenausbildung. Bekannte Schüler waren Thomas Brasch (1945–2001), Sohn des SED-Funktionärs Horst Brasch, später Schriftsteller und Filmemacher, sowie Lothar Engelhardt (1939–2010), später Generalmajor und letzter Chef der NVA. (Wikipedia)
Kaiserliche Kadettenanstalt
Als Kadettenanstalt oder Kadettenschule werden weiterführende Schulen bis zum Abitur bezeichnet, die in der Regel der Vorbereitung auf eine militärische Karriere dienen oder für eine zukünftige militärische Karriere förderlich sind. Erste Kadettenschulen entstanden gegen Ende des 17. Jahrhunderts unter anderem in Frankreich, wo zu Offizieren bestimmte junge Edelleute als Cadets in Kompanien zusammengeführt wurden, um eine ihrem künftigen Beruf entsprechende Bildung und Erziehung zu erhalten.
Preußen
Der Große Kurfürst gründete das sogenannte Kadettenkorps mit den Anstalten in Kolberg, Berlin und Magdeburg. Der erste Stamm des Kadettenkorps war in Kolberg und bestand aus 60 bis 70 Kadetten, die im Jahr 1716 in das neu gebildete „Königlich Preußische Kadettenkorps“ in Berlin verlegt und auf 110 vermehrt wurden. Die Berliner Anstalt wurde von König Friedrich Wilhelm I. als „Pflanzschule“ des Preußischen Offizierskorps gegründet. 1902 bestand das Preußische Kadettenkorps insgesamt aus acht Kadettenhäusern und der Hauptkadettenanstalt.
Kadettenhäuser
Das Korps gliederte sich zuletzt in acht Vorkorps (Kadettenvoranstalten, später Kadettenhäuser genannt) zu je zwei Kompanien in Plön (seit 1868), Köslin (1890), Potsdam (seit 1801), Bensberg (seit 1840), Naumburg (Saale) (seit 1900), Wahlstatt (seit 1838), Oranienstein (seit 1867), Karlsruhe (seit 1892) und die Preußische Hauptkadettenanstalt (HKA) in Groß-Lichterfelde (seit 1878) zu zehn Kompanien. Die Kadettenhäuser umfassten 1902 die Klassen von Sexta bis Untertertia (5. bis 8. Klasse) und hatten etwa 150 bis 240 Kadetten, die Hauptkadettenanstalt hatte die Klassenstufen von Untersekunda bis Oberprima sowie der »Selekta« (Oberstufe). Der Bildungsgang entsprach in etwa dem des Realgymnasiums, mit Lateinisch ab Sexta, Französisch ab Quarta und Englisch ab Obertertia.
Kadettenkorps
Das Kadettenkorps war seit dem Reformwerk des Generals Ernst von Rüchel (1754–1823) dem Inspekteur des militärischen Erziehungs- und Bildungswesens unterstellt. Aktive Offiziere taten in ihm als »Erzieher« Dienst. Schon vor den durch Gerhard von Scharnhorst, August Neidhardt von Gneisenau und Hermann von Boyen ins Werk gesetzten preußischen Militärreformen hatte Generalinspekteur von Rüchel wichtige Reorganisationsmaßnahmen angeregt, die jedoch erst nach den Befreiungskriegen durch den Kadettenkommandeur Johann Georg Emil von Brause umgesetzt wurden. Brause formte die von der Schließung bedrohte Drill-, Verwahr- und Versorgungsanstalt zu einem dem Gedanken des Humanismus verpflichteten Bildungs- und Erziehungsinstitut. Diese Reorganisation befestigte den Charakter der militärischen Bildungsanstalten als Hochburg adeligen Standesgeistes. (Wikipedia)
Naumburg (Saale)
Naumburg (Saale) ist eine Mittelstadt im Süden von Sachsen-Anhalt. Naumburg ist Verwaltungssitz des Burgenlandkreises und Mittelpunkt des nördlichsten deutschen Qualitätswein-Anbaugebietes Saale-Unstrut. Die Stadt ist ein Knotenpunkt im deutschen Schienennetz. Sie ist geprägt durch eine reichhaltige, fast 1000-jährige Geschichte, insbesondere als historischer Sitz des Bistums Naumburg. Wahrzeichen ist der Naumburger Dom in der mittelalterlichen Altstadt, der seit dem 1. Juli 2018 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Naumburg ist ein staatlich anerkannter Erholungsort. Ein Baudenkmal der jüngeren Vergangenheit ist die ehemaligen kaiserlichen Kadettenanstalt an der Kösener Straße. Der weitläufige Backsteinkomplex besteht aus dem zentralen Hauptgebäude und zwei Seitenflügeln im Stil der Neogotik. Heute ist ihn ihm eine Außenstelle des Bundessprachenamts der Bundeswehr und eine Bundeswehrfachschule untergebracht. Von 1956 bis 1961 wurde er von der Kadettenschule der NVA genutzt, später vom Institut für Fremdsprachenausbildung der NVA. (Wikipedia)
Literatur

▬ Olaf Rönnau: Eine totale Institution als Zwischenspiel: die Kadettenschule der NVA von ihrer Gründung 1956 bis zu ihrer Auflösung 1961. Carola Hartmann Miles-Verlag, Berlin (2022; zugleich Dissertation an der Technischen Hochschule Dresden 2021).
»Die Kadettenschule der NVA existierte von 1956 bis 1961, sie blieb damit lediglich eine kurze Episode in der DDR. Über sechzig Jahre sind seitdem vergangen; die ehemaligen Kadettenschüler sind längst im Rentenalter und blicken noch einmal zurück auf ihre Zeit in Naumburg an der Saale. Konzipiert als Mittel- und Oberschule mit militärischen Anteilen besuchten ca. 400 Kinder und Jugendliche diese besondere Einrichtung. Sie war die erste und einzige sozialistische Kadetteneinrichtung auf deutschem Boden und der bewusste Gegenentwurf zu den preußisch-deutschen Offiziertraditionen vergangener Zeiten. Der Autor untersucht die Konzeption der Einrichtung, ihre Ziele und Entwicklungen bis zur plötzlichen Auflösung und kommt dabei zu überraschenden Ergebnissen. In dieser Arbeit wird aus Gründen der historischen Einordnung und mit der Einbindung von Vergleichsperspektiven der Bogen über eine ungefähr 90 Jahre dauernde Zeitspanne institutionalisierter vormilitärischer Jugenderziehung in Deutschland gespannt. Besonders die zahlreichen bislang unveröffentlichten Fotos sowie persönlichen Erfahrungen der ehemaligen Kadetten, Offiziere und Lehrer zeigen viel Menschliches und geben hin und wieder Anlass zum Schmunzeln. — Olaf Rönnau, Jahrgang 1970, Eintritt in die Bundeswehr im Juli 1991, Studium der Pädagogik und Geschichtswissenschaft an der Universität der Bundeswehr Hamburg (Helmut Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg, Offizier im Truppendienst im Dienstgrad Oberstleutnant, Pionierstabsoffizier/ Zivil-Militärische Zusammenarbeit, Stabsoffizier am Taktikzentrum des Heeres in Dresden, Auslandseinsätze der Bundeswehr in Mazedonien, Kosovo, Bosnien-Herzegowina und 2021 in Afghanistan, 2022 Promotion zum Dr. phil. an der Technischen Universität Dresden.« (Verlagstext) ⋙ Link
▬ Peter Joachim Lapp: Schüler in Uniform – Die Kadetten der Nationalen Volksarmee. Helios (2009).