Rollenspiele waren respektvolle Annäherungen, bis „kulturelle Aneignung“ fast zur Straftat wurde. — Foto: Günther Schneider/Pixabay

Lebensdaten

Karl May (* 25. Februar 1842 in Ernstthal; † 30. März 1912 in Radebeul; eigentlich Carl Friedrich May) war ein deutscher Schriftsteller und war einer der produktivsten Autoren von Abenteuerromanen. Er ist einer der meistgelesenen Schriftsteller deutscher Sprache und laut UNESCO einer der am häufigsten übersetzten deutschen Schriftsteller. Die weltweite Auflage seiner Werke wird auf 200 Millionen geschätzt, davon 100 Millionen in Deutschland. (Wikipedia)

 

Petition

Ist Winnetou erledigt? Ein offener Brief von Karl-May-Gesellschaft und Karl-May-Stiftung – Unterschreibe diese Petition – Mit meiner Unterschrift ermächtige ich Karl-May-Gesellschaft e. V. und Karl-May-Stiftung, meine in diesem Formular gemachten Angaben an Personen weiterzugeben, die hinsichtlich des Sachverhalts die Entscheidungsgewalt haben. (petitionen.com)

 

Woke

Woke (englisch „erwacht“, „wach“) ist ein im afroamerikanischen Englisch in den 1930er Jahren entstandener Ausdruck, der ein „erwachtes“ Bewusstsein für mangelnde soziale Gerechtigkeit und Rassismus beschreibt. Aktivistisches oder militantes Eintreten für den Schutz von Minderheiten kann damit einhergehen. Im Zuge der durch die Erschießung des 18-jährigen Afroamerikaners Michael Brown 2014 ausgelösten Proteste gelangte der Begriff zu weiter Verbreitung, unter anderem in den Reihen der Black-Lives-Matter-Bewegung. Die Bedeutung im Duden lautet „In hohem Maß politisch wach und engagiert gegen (insbesondere rassistische, sexistische, soziale) Diskriminierung“, wobei auf einen möglicherweise abwertenden Gebrauch hingewiesen wird. So wird der Ausdruck woke inzwischen von konservativen und rechtsextremen Gruppen als „Anti-Wokeness“ politisch instrumentalisiert und – wie die Ausdrücke politische Korrektheit, Cancel Culture und Social Justice Warrior – mit negativer Konnotation und häufig sarkastisch verwendet, um Linke und ihre Ziele abzuwerten. Auf der linken Seite des politischen Spektrums wird der Ausdruck mitunter ebenfalls abwertend gebraucht, um z. B. ein aggressives, rein performatives Vorgehen zu kritisieren. Die Selbstbeschreibung als woke ist indessen rückläufig. (nach Wikipedia)

 

Kritik und „Selbstzensur“

»Im März 2021 wurde Jarasch für eine Äußerung auf dem Berliner Grünen-Parteitag kritisiert. In einem Gespräch mit Werner Graf sagte sie: „Ich wollte lange Zeit Indianerhäuptling werden […]. Leider gab es da keine weibliche Form.“ Die Verwendung des Wortes „Indianer“ wurde von einigen Delegierten als Rassismus kritisiert. Jarasch sprach später von „unreflektierten Kindheitserinnerungen“ und sagte: „Auch ich muss dazulernen.“ Der Ausschnitt des Gesprächs wurde später auf dem YouTube-Kanal der Grünen entfernt und ein Hinweis eingeblendet, an dieser Stelle sei ein Begriff verwendet worden, der „herabwürdigend gegenüber Angehörigen indigener Bevölkerungsgruppen“ sei. Claus Christian Malzahn kritisierte dies in der Welt als „Selbstzensur“, Ijoma Mangold bei Deutschlandfunk Kultur als „Bußritual“ und Helene Bubrowski in der FAZ als Symptom für einen Konflikt um Identitätspolitik bei den Grünen.« (Wikipedia-Artikel über Bettina Jarasch)

 

Deutsche lieben Indianer

Im Sommer tobte eine Debatte um angeblichen Rassismus und kulturelle Aneignung in den Winnetou-Büchern. Sogar Nazi-Vorwürfe wurden gegen Karl May erhoben. Den Deutschen ist das offenbar egal. […] Der Karl-May-Verlag hat nach eigenen Angaben von der Winnetou-Debatte profitiert. „Eine Umfrage hat gezeigt, daß mindestens 70 Prozent der Deutschen hinter Karl May und Winnetou stehen.“ Das Thema habe sich zu einer positiven Marketingaktion entwickelt und den Verkauf der Bücher stark angekurbelt, teilte der Verlag auf dpa-Anfrage mit.

(Der Karl-May-Verlag wurde 1913 in Radebeul gegründet und siedelte 1959 nach Bamberg über, ist aber seit 1996 auch wieder in Radebeul vertreten.)
Junge Freiheit: „Deutsche lieben Indianer. Karl-May-Verlag profitierte von Winnetou-Debatte“, 23.12.2022

 

„Kulturkampf von rechts“

Das Thema kulturelle Aneignung wird offenbar von immer mehr Personen verspottet. Am Samstag zeigte sich auch Thüringens CDU-Chef Mike Mohring im „Indianer“-Kostüm beim Faschingsumzug in Apolda. Die Grünen warfen ihm sogleich „Kulturkampf von rechts“ vor, der Spiegel sah – Gott bewahre! – eine „Nähe zur AfD“.

Junge Freiheit, 24. Februar 2023

 

Udo Lindenberg zensiert

Udo Lindenbergs (78) deutsch-deutscher Gassenhauer „Sonderzug nach Pankow“ von 1983 steht in Berlin jetzt auf dem Index! Nicht, weil er DDR-Staatschef Erich Honecker (†1994) verulkt – nein, wegen des I-Worts: Lindenberg hat doch tatsächlich vor 41 Jahren INDIANER geschrieben!

B.Z.: »Berliner Sprachpolizei schlägt zu / Udo Lindenberg zensiert, weil er „Oberindianer“ singt!«, 29.10.2024 ⋙ Link

 

Akt kultureller Anmaßung

In seinem Kommentar in der WELT unterstreicht Matthias Heine diese Ansicht. Der indigene Autor Drew Hayden Taylor von der Ojibwe-Nation habe erst kürzlich bei einem Deutschland-Besuch gesagt: „Die meisten, die ein Problem mit der Bezeichnung ,Indian’ haben, sind Weiße. (…) Wir werden uns nicht umbenennen, bloß weil irgendwelche Weißen, die nie unsere Realität geteilt haben, den Begriff als diskriminierend empfinden.“ Die wichtigste einschlägige Organisation sei der „National Congress of American Indians“, so Heine weiter, und auch die Black Feet würden ihr Gebiet in Montana auf der eigenen Internetseite weiterhin kommentarlos als „Black Feet Indian Reservation“ bezeichnen. 34 von 326 Reservaten in den USA hätten ,Indian’ 2021 noch im Namen getragen. „Es spricht also einiges dafür, dass die sich ‚unwohl‘ Fühlenden, auf die sich die Veranstalter des Chortreffens berufen, sich lediglich in einem Akt kultureller Anmaßung zu Sprechern der amerikanischen Ureinwohner aufschwingen“, schreibt Heine.

VDS e. V.-Infobrief vom 3.11.2024; bezüglich: Matthias Heine/WELT: »Berliner Indigene im Indianerkostüm auf dem Kriegspfad«, 3.11.2024 ⋙ Link

 

Big Chief, 1909
Big Chief, 1909 — Foto: Library of Congress/Wikimedia

Aufgeschnappt

Bisher: Oberindianer

Neusprech: Männlich gelesener Vertreter einer indigenen Gruppe Nordamerikas mit Leitungsfunktion

 

Sprachkampf an der Ostsee

UMSTRITTEN: Bürgermeister der Ostseeinsel Hiddensee lädt zu „Indianerfest“ ein (WELT; 8.8.2025; 0:51 min.)

»Auf der Ostseeinsel Hiddensee hat Bürgermeister Thomas Gens zu einem „Indianerfest“ eingeladen. Sein Ziel sei es gewesen, ein Zeichen gegen die sogenannte Sprachpolizei zu setzen und eine alte Tradition fortzuführen. Hintergrund ist die Absage eines ähnlichen Festes in einer Rostocker Kita, nachdem sich Eltern über den Begriff „Indianer“ beschwert hatten. Die Reaktionen auf das Fest auf Hiddensee fielen gemischt aus, die Veranstaltung war jedoch gut besucht.«

 

UMSTRITTENES INDIANERFEST: Linke-Politiker kritisiert „Begriff, der aus der Kolonialzeit kommt“ (WELT; 8.8.2025; 2:29 min.)

»Der Bürgermeister der Ostseeinsel Hiddensee hat zu einem umstrittenen „Indianerfest“ eingeladen. Damit habe er der „Sprachpolizei“ entgegensetzen wollen. Hennis Herbst, Vorsitzender der Linken in Mecklenburg-Vorpommern, kritisiert das Fest: Der Begriff „Indianer“ sei historisch belastet und stamme aus der Kolonialzeit. Es sei ein Begriff, den die europäischen Imperialisten aufgezwungen hätten und von den gemeinten Personen abgelehnt werden würde. „Insofern tun wir gut daran, sensibel mit dem Begriff umzugehen und eben nicht so eine provokante Aktion zu starten.“«

 

HIDDENSEE: Sprachkampf an der Ostsee – Bürgermeister verteidigt „Indianerfest“ gegen Kritik! (WELT; 9.8.2025; 7:07 min.)

»Auf der Ostseeinsel Hiddensee sorgt ein „Indianerfest“ für landesweite Diskussionen. Bürgermeister Thomas Gens veranstaltete das Fest, nachdem eine Rostocker Kita den Begriff aus ihrem Programm gestrichen hatte. Kritiker sehen darin eine unnötige Provokation und verweisen auf die koloniale Belastung des Wortes. Gens hingegen spricht von „Normalität“ und warnt vor übertriebener politischer Korrektheit. Zwischen Empörung und Zustimmung zeigt der Fall, wie emotional Sprachdebatten in Deutschland geführt werden.«