Punkte auf der Landkarte
Langenzersdorf
Die Marktgemeinde war bis 1954 ein Teil von Groß-Wien. Eine Frauenstatuette zeugt von Besiedlungen seit der Jungsteinzeit.
Der Gegenwart. — 11. Dezember 2024
Ein 17-Jähriger soll am Montag eine 14-Jährige auf dem Bahnhof Langenzersdorf (Bezirk Korneuburg) vergewaltigt haben. Der Asylwerber aus Somalia wurde festgenommen, er verweigert die Aussage. Die Tat soll am Montag gegen 23.30 Uhr verübt worden sein. Der Bursch dürfte dem Mädchen zufällig auf dem Bahnhof begegnet sein. Er soll die 14-Jährige zunächst festgehalten und zu Boden gedrückt und sie anschließend zwischen parkenden Autos zu sexuellen Handlungen gezwungen haben, berichtete die Landespolizeidirektion Niederösterreich am Donnerstag.
ORF: »Langenzersdorf / 14-Jährige von 17-Jährigem vergewaltigt«, 8. August 2024 ⋙ Link
Der Intensivtäter gab nicht nur ein falsches Alter an, sondern verfügte in mehreren europäischen Ländern über insgesamt sieben Identitäten. […] Ungewöhnlich rasch landete der Fall vor dem Richter, ungewöhnlich großes Interesse zeigte man am Landesgericht Korneuburg daran, das tatsächliche Alter der Person zu eruieren. […] Die Initiative aus Korneuburg trug Früchte, das medizinische Gutachten zur Bestimmung des Alters ergab ein Mindestalter von 21 Jahren. Somit wurde nach dem Erwachsenenstrafrecht verhandelt – mit einem Strafrahmen von 2 bis 10 Jahren Haft. Vor Gericht soll der Täter herumgekaspert, gegrinst, und keinerlei Reue gezeigt haben. Zunächst habe er das Mädchen am Bahnhof gesehen und „wollte sie kennenlernen“. Zu diesem Zeitpunkt wäre er betrunken gewesen. Nachdem sie nicht mit ihm sprechen wollte, soll ihn ein Gefühl überkommen haben „dass er sie vergewaltigen müsse“. Das hat er dann auch vollzogen und im Anschluss noch durch die Entwendung von Geld und Telefon einen Raub verübt. Sein Opfer ließ er auf der Straße liegen – und machte sich munter zurück auf den Weg in sein Asylheim. Die vom Gericht ausgesprochene Strafe würdigte nicht nur die vollzogene Vergewaltigung – DNS-Spuren des Somaliers fanden sich am Opfer und am Tatort – sondern auch Raub und ein Urkundendelikt. Sechs Jahre unbedingte Haft sind für durch Asylwerber begangene Straftaten eine Seltenheit – viel zu oft wunderten sich rechtstreue Bürger in der Vergangenheit über Urteilchen, die zur Bewährung ausgesprochen wurden. Laut ORF sei das Urteil – durch das Gericht bestätigt – rechtskräftig.
Funde im heutigen Ortsgebiet von Langenzersdorf belegen eine mittelneolithische (Lengyel-Kultur), mittelbronzezeitliche, urnenfelder- und hallstattzeitliche Besiedlung. Die 1955–1956 im Ortsteil „Burleiten“ gefundene Venus von Langenzersdorf ist ein Zeugnis aus dieser Kulturepoche.
Langenzersdorf wurde 1108 erstmals urkundlich erwähnt. Das auf der anderen Donauseite gelegene Stift Klosterneuburg war seit dem 12. Jahrhundert der größte Grundbesitzer und hatte die Herrschaft inne. Der 1680 Langen-Enzersdorf genannte Ort war seit der Mitte des 17. Jahrhunderts Poststation. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden eine Schiffsstation und eine Bahnstation der Nordwestbahngesellschaft errichtet, die dem Ort einen wirtschaftlichen Aufschwung brachten. Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts entstanden zunehmend Villen und Gartenhäuser.
Der Name „Seeschlacht“ eines Ortsteils ist auf die „eingeschlachteten“ (eingeschlichteten, eingeschlagenen) Befestigungen des ehemaligen Donauufers an der Außenseite einer Flussbiegung (Flussbau mit Pflöcken und Weiden) zurückzuführen. Das gleichnamige Gewässer stammt aus der Zeit der Donauregulierung im 19. Jahrhundert und entstand aus einer Schottergrube.
Zum 15. Oktober 1938 wurde Langenzersdorf Teil des 21. Gemeindebezirks von Groß-Wien. Im Tuttenhof wurde 1943 das Kaiser-Wilhelm-Institut für Kulturpflanzenforschung gegründet, dessen Leiter Hans Stubbe wurde. Im darauffolgenden Jahr erhielt dieses großzügige Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft; die Forschungen geschehen im Rahmen des Generalplans Ost. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Institut nach Mitteldeutschland verlagert, wo es von 1945 bis 1991 als Zentralinstitut für Genetik und Kulturpflanzenforschung der Akademie der Wissenschaften der DDR bestand, als dessen Nachfolgeeinrichtung 1992 das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung gegründet wurde.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Langenzersdorf zur sowjetischen Besatzungszone Niederösterreichs, war jedoch staatsrechtlich bis 1954 Teil von Groß-Wien mit legislativen Beschränkungen. Erst 1954 wurde Langenzersdorf als selbständige Gemeinde wieder Teil des Bezirkes Korneuburg. 1960 wurde Langenzersdorf zur Marktgemeinde erhoben. Seit 2006 ist Langenzersdorf Teil der Kleinregion 10 vor Wien.
Textgrundlage: https://de.wikipedia.org/wiki/Langenzersdorf
Die Venus von Langenzersdorf
Die Venus von Langenzersdorf (auch Venus vom Bisamberg) ist eine 18 cm große Frauenstatuette der frühen Lengyel-Kultur, die in den Jahren 1955/56 in Langenzersdorf gefunden wurde (im Bild eine Kopie der Venus von Langenzersdorf/Foto: Warinhari/Wikimedia — Vergrößern ⋙ Link).
Entdeckung
Die Tonfigur wurde im Rahmen einer vom Bundesdenkmalamt in Auftrag gegebenen Ausgrabung gefunden. Hertha Ladenbauer-Orel, die Leiterin der Grabung, bezeichnete die Statuette als „Venus von Langenzersdorf“. Bei der Grabung im Ortsteil Burleiten, am Südhang des Bisambergs, wurden Siedlungsreste der Lengyel-Kultur gefunden. Die vier Bruchstücke der Statuette wurden in der Nähe einer Herdstelle gefunden. Das erste gefundene Teil, der rechte Oberschenkel, wurde am 21. Dezember 1955 entdeckt. Die Ausgrabungen und die Dokumentation fanden unter Mithilfe des Museumsvereins Langenzersdorf statt.
Kultureller Hintergrund
Die „Mährisch-Ostösterreichische Gruppe“ der Lengyel-Kultur umfasste den Zeitraum von etwa 4300 bis 4900 Jahren v. Chr. und erstreckte sich im Gebiet zwischen Westungarn, Ostösterreich und Mähren. Auf der Flur Burleiten konnte menschliche Besiedlungen seit der Jungsteinzeit nachgewiesen werden.
Alter und Material
Die bei der Fundstelle ebenfalls gefundenen Kohlenstoffreste wurden nach der C-14-Methode untersucht. Damit konnte die Entstehungszeit des Idols auf 4825 (± 90) v. Chr. festgelegt werden. Die Frauenstatuette wurde aus dunkelbraunem Ton, dem kleine Steinchen beigemengt waren, geformt und anschließend gebrannt.
Bedeutung
Die Tonfigurinen der Lengyel-Kultur bilden eine Untergruppe von Idolen in einem weiten geografischen Bereich, der von der Ägäis über Osteuropa bis Mitteleuropa reichte. Über die Bedeutung der Figurinen ist man sich in Fachkreisen nicht einig. Die Archäologin, Prähistorikerin und Anthropologin Marija Gimbutas vertritt die Ansicht, dass es sich dabei um eine Vereinigung zwischen weiblichen und männlichen Symbolen handelt, da der Hals-Kopfbereich an einen Phallus erinnert, der Körper abwärts des Halses jedoch weiblich ist. Somit wären Kraft (männlich) und Fruchtbarkeit (weiblich) in einer Figur vereint. Es gibt jedoch auch andere Interpretationen, welche von gleichzeitiger Darstellung von Mütterlichkeit und Jungfräulichkeit bis zu Ackerzauber reichen. Auch Ähnlichkeiten mit einem Tieridol wurden vermutet.
Ausstellungen
1958 wurde die Venus von Langenzersdorf bei der Weltausstellung in Brüssel im österreichischen Pavillon präsentiert. Das Heimatmuseum Langenzersdorf zeigt neben einigen originalen Fundstücken der Lengyel-Kultur eine Kopie der Statuette. Das Original befindet sich in Privatbesitz. Bei der Feier zum 900-Jahr-Jubiläum der Marktgemeinde Langenzersdorf im Jahr 2008 war die originale Venus von Langenzersdorf einen Tag lang öffentlich ausgestellt.
Textgrundlage: https://de.wikipedia.org/wiki/Venus_von_Langenzersdorf
Fakten & Daten
Langenzersdorf ist eine Marktgemeinde im Bezirk Korneuburg in Niederösterreich mit 8153 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2024). Langenzersdorf ist seit alters her ein bekanntes Zentrum des Weinanbaus. Hierauf weisen auch viele Heurige im Ort.
Geografie
Langenzersdorf liegt im Weinviertel in Niederösterreich. Der Ort erstreckt sich am nördlichen Donauufer im Bereich der Wiener Pforte und liegt somit genau zwischen Donau und Bisamberg. Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 10,68 Quadratkilometer. 14,66 Prozent der Fläche sind bewaldet. Das nördliche Ende der künstlich angelegten Wiener Donauinsel befindet sich in der Nähe von Langenzersdorf. Die Insel wird durch das Einlaufbauwerk Langenzersdorf von der Donau abgetrennt und stellt einen wesentlichen Bestandteil des Wiener Hochwasserschutzes dar. Die Schleuse wurde 1975 im Zuge der Wiener Donauregulierung errichtet.
Wappen
Das 1959 verliehene Wappen zeigt „In Rot auf grünem Dreiberg einen silbernen Greif“. Der Greif nimmt Bezug auf die Grafen von Formbach und der grüne Dreiberg versinnbildlicht die Lage am Bisamberg.
Politik
Der Gemeinderat hat 33 Mitglieder. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2020 hat der Gemeinderat folgende Verteilung: 19 ÖVP, 7 Grüne, 3 SPÖ, 3 NEOS und 1 FPÖ. Bürgermeister ist seit 2004 Andreas Arbesser (ÖVP). Für wiederholte österreichweite Kritik sorgte die Ortsgruppe der SPÖ, die regelmäßig politische Gegner, aber auch Journalisten wie die Kurier-Chefredakteurin Martina Salomon untergriffig attackierte. Unter anderem wurde auch zum Boykott der Tageszeitung Kurier aufgerufen, da die Ortsgruppe mit der Darstellung der SPÖ-Bundesvorsitzenden Pamela Rendi-Wagner auf Bildern unzufrieden war. Aufgrund der nach ihrer Auffassung „linksradikalen Öffentlichkeitsarbeit“ der Ortspartei verkündeten Ende 2018 sämtliche vier Gemeinderäte der SPÖ, dass sie in Zukunft nicht mehr mit der Partei zusammenarbeiten wollen.
Wirtschaft
Durch seine Lage am Stadtrand von Wien ist Langenzersdorf ein beliebter Wirtschaftsstandort. Das Industriezentrum Langenzersdorf-Süd befindet sich unmittelbar an der Landesgrenze zu Wien. Klassische Gewerbe in Langenzersdorf sind der Weinbau und der Obstbau sowie die Landwirtschaft mit Sonderkulturen. Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 393, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 25. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 3.342. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 48,2 Prozent. (Wikipedia)
Veranstaltungen
▬ Jährlicher Faschingsumzug am letzten Samstag im Fasching
▬ KJ-Ball am Faschingssamstag im Festsaal
▬ Sitzung der euLEn Fasching
▬ Adventmarkt vor der Pfarrkirche St. Katharina am ersten Adventwochenende
▬ Punschwoche (Verein Langenzersdorfer helfen Langenzersdorfern)
▬ Kellergassenfest entlang der Langenzersdorfer Kellergasse
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Gemeinde
▬ Leopold Chimani (1774–1844), Pädagoge und Jugendschriftsteller, geboren in der Oberen Kirchengasse
▬ Eugenie Butschek (1874–1962), die Frau von Otto Primavesi
▬ Julie Sitte (1881–1959), Keramikerin
▬ Olga Sitte (1884–1919), Keramikerin und Kunsthandwerkerin
Personen mit Bezug zur Gemeinde
▬ Kaspar Schrammel (1811–1895), Komponist, starb in Langenzersdorf
▬ Anton Hanak (1875–1934), Bildhauer, lebte und arbeitete von 1901 bis 1923 in Langenzersdorf
▬ Eduard Klablena (1881–1933), Keramiker der Wiener Werkstätte mit Atelier in Langenzersdorf von 1911 bis 1933
▬ Lina Woiwode (1886–1971), Schauspielerin, Ehefrau von Oskar Sima, in Langenzersdorf begraben
▬ Max Brand (1896–1980), Komponist (elektronische Musik), lebte von 1975 bis 1980 in der Chimanigasse • Oskar Sima (1896–1969), Schauspieler, in Langenzersdorf begraben
▬ Fred Liewehr (1909–1993), Burgschauspieler, verbrachte jahrelang seine Sommerfrische in Langenzersdorf, Vllia Liewehr
▬ Paul Kont (1920–2000), Komponist, hatte in der Magdalenenhofstraße ein Sommerhaus
Mehr Informationen
Webseite der Gemeinde Langenzersdorf ⋙ Link
Webseite des Langenzersdorf Museums ⋙ Link