Formen der Idee
Zusammenrücken am Herd
Vor 7500 Jahren wurden Langhäuser von germanischen Bauern errichtet. Wohnstallhäuser für Mensch und Vieh bewährten sich bis in jüngere Zeit.
Der Gegenwart. — 2. Februar 2026
Langhäuser sind in zahlreichen Regionen Europas und aus verschiedenen Epochen archäologisch nachgewiesen. Langhaustypen aus dem (späten) Mittelalter sind in manchen Gegenden auch eine bis in die jüngere Vergangenheit gepflegte Bautradition.
Jungsteinzeitliches Langhaus
Das jungsteinzeitliche (neolithische) Langhaus wurde als Pfostenhaus vor etwa 7500 Jahren von den ersten Bauern in Mitteleuropa gebaut. Zuerst tauchte es im Zusammenhang mit der bandkeramischen Kultur auf (Langhaus von Sandomierz). Archäologischen Befunde weisen auf eine Ausbreitung in Europa, und auf eine lange zeitliche Verteilung. So wurden bei gleichem Konstruktionsprinzip Unterschiede der jeweils typischen Hausgröße, der Nutzungsverteilung im Haus und der Siedlungsform gefunden.
Die Länge betrug etwa 20 m (12 m bis 40 m), die Breite etwa sieben Meter. Das hohe Giebel- oder Walmdach wurde von fünf Stützenreihen getragen. Als Fundament der teilweise aus Flechtwerk bestehenden Außenwände dienten auch in Gräben verlegte Schwellbalken. Auch eine generelle Konstruktion als Pfahlbau wird diskutiert.
Für die meisten Fundorte wird angenommen, der Haustyp habe keine Fenster gehabt und nur an einem Ende einen Eingang. Der vom Tageslicht erhellte Bereich in der Nähe des Eingangs oder auch ein überdachter Vorplatz diente handwerklichen Tätigkeiten. In der Mitte des Hauses befand sich die Feuerstelle. Hier wurde wohl gekocht. Den hinteren Teil des Hauses sehen einige Archäologen als Schlafraum an, andere als Lagerraum. In einem solchen Haus können 20 bis 30 Personen gewohnt haben. Es wurden Dörfer mit sechs bis zu dreißig (nicht unbedingt zeitgleich genutzten) Langhäusern gefunden.
In der Ville, dem Vorgebirge westlich von Köln und anderswo, gab es die Häuser allerdings als Streusiedlung. Dort können sie als Wohnstallhäuser genutzt worden sein, mit einer Nutzungsverteilung ähnlich dem – viel späteren – niederdeutschen Hallenhaus.
Bronzezeitliches Wohnstallhaus
In die Bronzezeit fällt der Übergang von der Vier- zur Dreischiffigkeit, d. h. irgendwann war man in der Lage, auf die mittlere Pfostenreihe zu verzichten. Das Wohnstallhaus wurde in der mittleren Bronzezeit Mitteleuropas (etwa 1600 bis 1300 v. Chr.) die dominierende Nutzungsform. Um das gesamte Vieh aufstallen zu können, wurden Häuser beachtlicher Länge gebaut. Wie schon in der Jungsteinzeit war der Grundriss vieler Häuser weiterhin nicht immer rechteckig. Das Haus konnte an einem Ende deutlich breiter sein als am anderen. Auch die Abstände der Stützen waren manchmal variabel. Wo die Bauweise regelmäßiger war, waren die Häuser oft in der Mitte breiter als an den Enden. Hinsichtlich der Verteilung der Eingänge entstanden unterschiedliche Typen, regional gehäuft, aber jeweils in mehreren Regionen. Es gab kleine Eingänge am dem Haupteingang entgegengesetzten Ende. Und es gab, und zwar in voneinander weit entfernten Gegenden wie Norwegen und der damals nicht germanisch besiedelten Eifel, Häuser mit seitlichen Eingängen. Diese Häuser hatten zwei Eingänge, die etwa in der Mitte beider Außenwände einander gegenüberlagen. Der Eingangsbereich bewirkte eine Querteilung in der Mitte des langgestreckten Hauses. Das Vieh war im einen Ende untergebracht, die Menschen wohnten im anderen.
Derartige Bautypen wurden bis über die Zeitenwende hinaus errichtet. Im 4./5. Jahrhundert n. Chr. sind derartige Langhäuser bis über 60 m lang, bei einer Breite von knapp 8 m.
Bei Langhäusern der Nordischen Bronzezeit und der Germanen reichten die Dächer wohl nicht selten bis fast zum Boden. Das Dach wurde von zwei Reihen innerer Stützen getragen. Die nichttragenden Außenwände waren in der Regel kaum mannshoch. In kälteren Regionen bestanden die Außenwände statt aus Flechtwerk und Lehm aus Torfplaggen oder Grassoden.
Mittelalterliche Weiterentwicklungen
Weiterentwicklungen waren bzw. sind das niederdeutsche Hallenhaus in Nord-, vor allem Nordwestdeutschland und das nördlich benachbarte cimbrische Haus in Jütland und im Herzogtum Schleswig mit dem Geesthardenhaus und dem Uthlandfriesischen Haus.
Bei diesen Haustypen sind die ursprünglich in den Boden gerammten Holzpfosten durch Ständer auf einem Fundament ersetzt. Der große und gut abgestützte Dachboden ermöglichte die trockene Lagerung großer Mengen von Heu oder Getreide. Angetrieben wurde diese Entwicklung möglicherweise durch ein Feuchterwerden des Wetters. Seit dem 14. Jahrhundert (Anderen, Hagenend 3, von 1385, 2011 abgebrannt) sind gut erhaltene Beispiele dieser Häuser vorhanden.
Nordisches Langhaus
Als Langhäuser werden sowohl die Bauernhäuser der eisenzeitlichen (Gudme) und wikingerzeitlichen Dänen und Skandinavier als auch die Bauten, die in einigen der Wikingerburgen nachgewiesen wurden, bezeichnet. Die Ausmaße der Häuser waren dem wirtschaftlichen und sozialen Status ihrer Erbauer entsprechend sehr unterschiedlich. Das größte in Norwegen bisher gefundene Langhaus maß 9 m × 83 m, einfache Bauernhäuser dagegen nur 4 bis 5 m × 10 bis 12 m.
Langhäuser gab es auch in der Trelleborg bei Slagelse, einer Wikingerburg aus dem Jahre 981. In der Hauptburg gab es insgesamt 16 Langhäuser, die in vier Quadraten um jeweils einen Innenhof gruppiert waren. Die Häuser waren 29,42 m lang und hatten eine Schiffsform. Jedes Haus war dreigeteilt in eine große Mittelhalle (18 × 8 m) und in zwei kleinere Räume an den Giebelseiten.
Die folgende Beschreibung eines Langhauses stellt eines der Häuser der Wikingerburg Fyrkat dar. Jeweils vier von ihnen waren symmetrisch zu einem Quadrat mit Innenhof angeordnet.
Nur der Grundriss des Hauses kann anhand von Holzfunden genau bestimmt werden, da die Balken der Wände in der Erde verankert waren. Es war 28,5 m lang und mittig 8,5 m breit. Zu den Giebeln nahm die Breite ab. Die weitere Rekonstruktion stützt sich auf Abbildungen und andere Bauten. Das Haus war vollständig aus Holz und mit Dachschindeln aus Eichenholz gedeckt, von denen eine in der Burg gefunden wurde. Die Wände bestanden aus senkrecht stehenden Eichenbalken; schräg an der Außenwand stehende Balken sollten vermutlich die Dachlast abfangen. Im Grundriss waren die Längswände schiffsähnlich gewölbt. Von der 18 m langen Halle, die als Aufenthaltsraum diente, gab es jeweils mittig eine Tür zum Innenhof und eine zur Straße. Auch gibt es Hinweise auf Türöffnungen an den Giebelseiten. In der Mitte der Halle befand sich eine Feuerstelle, die zum Kochen genutzt wurde und den zentralen Punkt im Haus bildete. Spuren deuten darauf hin, dass sich an den Längsseiten Erdbänke befanden, die als Sitz- und Schlafplätze dienten. Die Kammern an den Giebelseiten wurden anscheinend als Vorratslager genutzt.
Neben einem Nachbau eines Hauses der Burg hat man in Fyrkat auch eine zivile Hofanlage der Wikingerzeit rekonstruiert. Dabei wurden die Erkenntnisse aus Ausgrabungen in Vorbasse bei Jelling genutzt.
Langhäuser auf den Britischen Inseln
Im Englischen wird die Bezeichnung longhouse auch für eine traditionelle Bauart von Bauernhäusern benutzt. Die meisten sind zumindest in ihrer frühen Form Wohnstallhäuser (engl. byre-dwellings), aber deutlich kleiner und beherbergten in der Regel nur eine Familie.
Dartmoor longhouse ist die Bezeichnung für einen Bauernhaus-Typ, der sich mindestens seit dem 13. Jahrhundert im Südwesten Englands nachweisen lässt. Die noch heute erhaltenen Bauten haben zumeist Mauern aus Granit und ein Walmdach, das früher wohl grundsätzlich aus Reet war. Im Wohnbereich sind sie oft zweigeschossig und haben an der einen Längsseite manchmal einen kleinen Vorbau mit dem Eingang.
In seiner Ursprungsform ähnelt der Grundriss auffallend dem der an der südlichen Nordseeküste entwickelten Wohnstallhäuser. Der wichtigsten Unterschiede sind das Fehlen der Ständerbau und der großen Tür an der einen Schmalseite für das Vieh.
Die ältesten Bauten waren langgestreckte Häuser, die ungefähr in der Mitte der langen Seiten durch einen Gang geteilt wurden, der die zwei gegenüberliegenden Türen verband. Auf der einen Seite wurde das Vieh untergebracht, während auf der anderen Seite die Menschen wohnten. Im Wohnbereich gab es zunächst eine offene Feuerstelle, hinter der sich wohl der Schlafbereich befand. Später gab es am Wohnende einen Zwischenboden, auf dem geschlafen wurde. Daraus entwickelte sich vielleicht seit dem 16. Jahrhundert ein eigenes Stockwerk mit Schlafräumen. Der Herdbereich erhielt einen Kamin mit Schornstein und schirmte den Wohnbereich gegenüber dem Flur ab. Ab dem 17. Jahrhundert erhielt der Eingang oft einen Vorbau. Im Stallbereich war das Vieh entlang der langen Wände aufgestellt und in der Mitte befand sich zumeist eine Rinne, die durch ein kleines Loch in der Wand an der Schmalseite in das Freie führte. Die Häuser sind zumeist in den Hang gebaut, so dass der Wohnbereich zum Berg und der Stallbereich zum Tal weist.
Die Langhausbauten in Wales dürften mit denen in Dartmoor eng verwandt sein. Im nordwestlichen England wird ein ähnlicher Typ in der Landschaft Cumbria beschrieben. Er scheint im Mittelalter in England weitverbreitet gewesen zu sein. In Schottland wird er statt „longhouse“ auch als blackhouse oder taighean dubha bezeichnet. Im Norden scheint allerdings eher eine Verwandtschaft mit Bauten aus Skandinavien gegeben.
Langhäuser in Frankreich
In Mittel- und Westfrankreich sind traditionelle Langhäuser, dort als Longère bezeichnet, heute weit verbreitet, so in der Bretagne, der Normandie, der Picardie, im Département Maine-et-Loire, bei Calais, im Zentralmassiv und den Pyrenäen. Ein- oder Zweigeschossigkeit, Dachneigung und Baumaterial können dabei von Region zu Region stark variieren. In der Normandie dagegen sind nicht selten mehrere Wohntrakte und mehrere Wirtschaftstrakte wirklich unter einem Dach vereint, nicht zu verwechseln mit geschlossenen Dörfer (zum Beispiel Lothringen), in denen die Brandmauer an Brandmauer gebauten Häuser deutlich voneinander abgegrenzt sind.
Textgrundlage: https://de.wikipedia.org/wiki/Langhaus_(Wohngeb%C3%A4ude)
Durch Weisheit
wird ein Haus
gebaut und durch
Verstand erhalten.
Salomo 24,3
Überleben im Winter
Der „Germanen-Ofen“: Wie unsere Vorfahren in einfachen Holzhütten nicht erfroren (Deutschland entfesselt; 1.2.2026; 10:16 min.)
»Wenn der nordische Winter seine eiserne Faust um die Urwälder Germaniens schloss, schienen die Temperaturen alles Leben zu ersticken. Doch unsere Vorfahren waren keine unbedarften Wilden, die zitternd in primitiven Hütten kauerten. Dieses Video enthüllt die genialen ingenieurtechnischen Leistungen, mit denen die Germanen der tödlichen Kälte trotzten. Wir analysieren den sogenannten „Germanen-Ofen“, der weit mehr war als nur ein Feuer: Ein ausgeklügeltes Heizkonzept basierend auf thermischer Masse. Steine und Lehmöfen speicherten die Hitze wie moderne Nachtspeicherheizungen und gaben sie als angenehme Strahlungswärme ab – effizienter als jedes offene Feuer. Das Skript führt in die Architektur der Grubenhäuser ein, die halb in die Erde gebaut wurden, um die konstante Bodentemperatur zu nutzen. Wände aus Lehm-Stroh-Gemisch und tief heruntergezogene Reetdächer bildeten eine Isolierung, die modernem Dämmstandard verblüffend nahekommt. Das Video beleuchtet auch die Nutzung biologischer Heizquellen: Im Wohnstallhaus heizte das Vieh passiv mit, eine Symbiose, die Leben rettete. Wir erklären, warum der Rauch, der sich unter dem Dach sammelte, zwar die Lungen belastete, aber als Wärmepolster und Holzschutz unverzichtbar war. Von der mehrschichtigen Wollkleidung bis zum sozialen Zusammenrücken am Herd zeigt dieser Beitrag, dass Überleben im Winter kein Glück war, sondern das Ergebnis von Materialkunde und Thermodynamik. Während römische Villen mit ihren komplexen Heizungen beim Zusammenbruch des Reiches unbewohnbar wurden, bewährte sich die robuste Technik der Germanen. Experimentelle Archäologie beweist heute: Selbst bei minus 20 Grad herrschte in diesen Hütten eine komfortable Wärme. Eine Hommage an die Resilienz und den Erfindergeist unserer Vorfahren.«
Stürmische Vergangenheit
Zum Youtube-Kanal Deutschland entfesselt ⋙ Link
»„Deutschland Entfesselt“ nimmt dich mit auf eine filmische Reise durch die stürmische Vergangenheit im Herzen Europas. Hier wird die deutsche Geschichte zum Leben erweckt – von den dunklen Wäldern Germaniens bis zu den Schützengräben der Moderne. Mit epischen Bildern, dokumentarischem Realismus und detailgetreuen Rekonstruktionen. Ob die Varusschlacht, der Aufstieg Preußens oder die Kriege, die den Kontinent zerrissen haben – jede Episode erzählt die Geschichte so, wie sie wirklich war: roh, intensiv und ungefiltert. Erlebe unsere Vergangenheit nicht als trockenes Datum, sondern als das, was sie wirklich ist – ein Drama aus Mut, Macht, Eisen und Schicksal. – Die größten deutschen Schlachten und Feldzüge – Der Weg vom Flickenteppich zur Nation – Biografien von Kaisern, Feldherren und Rebellen – Wendepunkte, die Deutschland und Europa formten.«
Bautyp und Lebensform
Das Langhaus ist eine langgestreckte Hausform, in der eine Familie oder mehrere Familien gemeinschaftlich zusammenleben; je nach Kultur kann es sich auch um ein Wohnstallhaus handeln. Der Begriff bezeichnet in Geschichte und Gegenwart und nach der Bauweise und der Lebensform ihrer Bewohner unterschiedliche Haustypen. Für die Klassifizierung als Langhaus ist eine bestimmte Organisationsform des Zusammenlebens und eine sich daraus ergebende Raumaufteilung entscheidend und nicht die Länge des Gebäudes. Nach der Sozialstruktur der Bewohner dürfte es organisatorisch zwei voneinander zu unterscheidende Gruppen geben:
Einfamilienhäuser
Diese Häuser beherbergen eine Familie oder Großfamilie, die eine Wirtschaftseinheit bildet. Ein Beispiel hierfür sind Mehrgenerationen-Bauernfamilien. In einem solchen Haus sollten die Haupträume die gesamte Breite einnehmen und falls es mehrere Raumeinheiten gibt, sind diese längs aneinandergereiht. Die Enden des Hauses sind in der Regel unterschiedlichen Funktionen zugeordnet: Etwa ein Wohnbereich am einen Ende und ein Stallbereich am anderen Ende. Erweitern lassen sich solche Häuser nur mit der entsprechenden Funktion am dazugehörigen Ende. Zu dieser Gruppe gehören zum Beispiel die Wohnstallhäuser der Germanen an der Nordsee, aus denen sich später das von Friesland über die Norddeutsche Tiefebene bis nach Ostpreußen verbreitete Hallenhaus entwickelt hat, das man allerdings kaum als Langhaus bezeichnet. Ebenso dürften einige in Cornwall und Wales verbreiteten Bauernhaustypen, die Bauten der Bandkeramiker und die einiger ihrer Nachfolgekulturen dazu gehören.
Mehrfamilienhäuser
Diese Gruppe ähnelt in gewisser Weise heutigen Reihenhäusern. Die Bauten bestehen im Wesentlichen aus einheitlichen Segmenten, die von einer Familie bewohnt werden. Diese Einheiten werden in unbestimmter Zahl in der Längsrichtung aneinander gereiht. Als Unterscheidung von zum Beispiel einer Häuserzeile in einer Stadtstraße mag dienen, dass die Einheiten unter einem konstruktiv gemeinsamen Dach errichtet sind und das Haus gesellschaftlich und politisch eine Einheit bildet, etwa einen Clan oder eine Dorfgemeinschaft. Zu diesem Typ mögen die Langhäuser einiger nordostamerikanischen Indianerstämme sowie die Langhäuser auf Borneo zählen. (Wikipedia)
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