Max Bense auf der Golden Gate Bridge in San Francisco, August 1969 — Foto: Elisabeth Walther-Bense/Wikimedia

Es ist nicht nötig, dass
sich die Wahrheiten
vertragen, wohl aber
die Konsequenzen aus
diesen Wahrheiten.

Max Bense (1948)

 

Lebensdaten

Max Otto Bense (* 7. Februar 1910 in Straßburg; † 29. April 1990 in Stuttgart) war ein deutscher Philosoph, Schriftsteller und Publizist. Er trat durch Arbeiten zur Wissenschaftstheorie, Logik, Ästhetik und Semiotik hervor.

Leben

Max Bense wurde als Sohn des Offizierstellvertreters und späteren Oberregierungsinspektors Otto Bense und dessen Frau Minna, geb. Roth, in Straßburg geboren. Seine frühe Kindheit verbrachte er in Straßburg, wo er bis November 1918 die Oberrealschule besuchte. Nach der Ausweisung der Familie aus Elsaß-Lothringen besuchte Bense die Volksschule in Nordgermersleben, Neuhaldensleben und Köln-Bayenthal sowie die Oberrealschule in Köln-Humboldtstraße. Das Abitur erwarb er als Externer an der Oberrealschule Köln-Kalk. Von 1930 bis 1933 studierte er Physik, Mathematik, Philosophie und Geologie an der Universität Bonn. Im Dezember 1932 bestand er sein physikalisches Verbandsexamen und studierte anschließend Physik und Mineralogie an der Universität zu Köln. Seit 1934 arbeitete er als Pressemitarbeiter und schrieb Beiträge für Zeitungen, Zeitschriften und Rundfunk, für den er auch Hörspiele schrieb. Im Dezember 1937 wurde er in Bonn bei Oskar Becker mit einer Dissertation über Quantenmechanik und Daseinsrelativität zum Dr. phil. nat. promoviert. Bense gehörte in den 1930er Jahren zur Rheinischen Gruppe.

Den von Max Scheler übernommenen Begriff Daseinsrelativität verwendete er, um zu erklären, dass neue Theorien nicht zugleich der klassischen Wissenschaft widersprechen müssen. Bense, erklärter Gegner des Nationalsozialismus, opponierte damit bewusst gegen die Deutsche Physik des NS-Staates, die die Relativitätstheorie wegen der jüdischen Herkunft Albert Einsteins ablehnte. Eine Habilitation wurde ihm darum verwehrt. Daran ändert auch seine Reverenz an den völkischen Zeitgeist nichts. Er floh 1948 vor der politischen Entwicklung der SBZ nach Boppard und wurde 1949 zum Gastprofessor und 1950 zum außerordentlichen Professor an die Technische Hochschule Stuttgart (seit 1967: Universität Stuttgart) für Philosophie und Wissenschaftstheorie berufen. 1955 entfachte Bense eine Kontroverse um mythologisierende Tendenzen in der deutschen Nachkriegskultur. Daraufhin wurde er zum Ziel öffentlicher Polemiken. Dies zögerte seine Berufung zum ordentlichen Professor bis 1963 hinaus. 1978 wurde er emeritiert. Bense war dreimal verheiratet und hatte insgesamt fünf Kinder. In seiner dritten Ehe war Max Bense seit 1988 mit Elisabeth Walther-Bense verheiratet.

Wirken

Benses Denken verband Naturwissenschaften, Kunst und Philosophie unter einer gemeinsamen Perspektive und verfolgte eine Definition von Rationalität, die als existentieller Rationalismus die Trennung zwischen geistes- und naturwissenschaftlichem Denken aufzuheben anstrebte. Ab 1938 arbeitete Bense zunächst als Physiker der Bayer AG in Leverkusen, im Zweiten Weltkrieg war er Soldat, zunächst als Meteorologe, dann als Medizintechniker in Berlin und Georgenthal, wo er nach Kriegsende kurzzeitig Bürgermeister wurde. 1945 berief ihn die Universität Jena zum Kurator (Universitätskanzler) und ermöglichte ihm an der Sozial-Pädagogischen Fakultät die (wahrscheinlich) kumulative Habilitation, der 1946 eine Berufung zum außerordentlichen Professor für philosophische und wissenschaftliche Propädeutik folgte. Daneben wirkte Bense von 1953 bis 1958 an der Ulmer Volkshochschule bzw. an der dortigen Hochschule für Gestaltung und hatte in den Jahren 1958 bis 1960 und 1966/1967 Gastprofessuren an der Hamburger Hochschule für bildende Künste inne. 1965 kandidierte er für die Deutsche Friedens-Union erfolglos zum Deutschen Bundestag. (Wikipedia)


Ulrich Fröschle
(* 1963 in Leonberg) ist ein deutscher Germanist und Kulturhistoriker. Ulrich Fröschle war zunächst sechs Jahre Soldat auf Zeit bei der Bundeswehr und durchlief eine Ausbildung zum Offizier des Truppendienstes des Heeres (ohne Studium). Er diente bei der Fallschirmjägertruppe, sein letzter Dienstgrad war Oberstleutnant der Reserve. Danach studierte er Germanistik, Neuere deutsche Geschichte, Geschichte Ost- und Südosteuropas sowie Slavistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Technischen Universität Dresden (Magister). Zwischenzeitlich arbeitete er für eine deutsche Unternehmensberatung. 2006 wurde er an der TU Dresden mit der Dissertation über Friedrich Georg Jünger und der „radikale Geist“. Eine Fallstudie zum literarischen Radikalismus der Zwischenkriegszeit zum Dr. phil. promoviert. Er habilitierte sich ebendort 2011 und lehrt seither als Privatdozent, seit 2017 als außerplanmäßiger Professor für Neuere deutsche Literatur und Kulturgeschichte am Institut für Germanistik der Technischen Universität Dresden. Von 2013 bis Oktober 2018 amtierte er als stellvertretender Direktor des MitteleuropaZentrums für Staats-, Wirtschafts- und Kulturwissenschaften in Dresden. Er hat insbesondere zu den Brüdern Friedrich Georg und Ernst Jünger sowie zu anderen Autoren der sogenannten Konservativen Revolution publiziert, zur Verarbeitung des Ersten Weltkriegs in der Literatur der Zwischenkriegszeit sowie zu Themen der Literatur- und Filmgeschichte vom Barock bis zur Gegenwart, jüngst besonders zu Science-Fiction. (Wikipedia)

 

Das Buch

»Der Essay als Universalgattung des Zeitalters – Diskurse, Themen und Positionen zwischen Jahrhundertwende und Nachkriegszeit«
»Der Essay als Universalgattung des Zeitalters – Diskurse, Themen und Positionen zwischen Jahrhundertwende und Nachkriegszeit«
(Amsterdamer Beiträge zur Neueren Germanistik, Band 88). Edited by Michael Ansel, Jürgen Egyptien, Hans-Edwin Friedrich. Herausgeber: ‎ BRILL/RODOPI – Koninklijke Brill NV, Leiden | Boston, 2016

»Seit Mitte der 1990er Jahre ist die Essay-Forschung wieder in Bewegung geraten. Während ältere Untersuchungen auf einen Überblick der Gattungsgeschichte fixiert waren, hat sich nunmehr das Postulat einer notwendigen Historisierung der Essayproduktion durchgesetzt. Zugleich ist die Einsicht in die besondere Bedeutung des Reflexionsmediums Essay für die gattungsauflösende literarische Moderne und die durch vielfältige Medieninnovationen geprägte Postmoderne gewachsen. Daher begreift der Sammelband, der sich bewusst von gängigen literaturgeschichtlichen Epochengliederungen abgrenzt, den bis heute in fast unüberschaubarer Vielfältigkeit auftretenden Essay als Universalgattung des Zeitalters. Präsentiert werden neben bereits bekannte(re)n Autoren auch solche, deren einschlägiges Werk bislang kaum Aufmerksamkeit erregt hat. Die behandelten Essays werden unter vier systematischen Fragestellungen diskutiert: Gattung und Form, kognitive Aspekte, Themenspektrum und institutionelle Verortung sowie Medialität.« (Verlagstext)