Widerspruch+Widerstand
Max Reuschle
Der schwerkriegsbeschädigte Dichter und Archivar wurde einer der „Reichslyriker“, sah sich aber als „Antifaschist und Pazifist“.
Der Gegenwart. — 30. Januar 2026 — Nach einem Zufallsfund in der Bücherzelle.
Vorbemerkung des Herausgebers. | Es mag befremden, am 30. Januar einen Autor vorzustellen, der zur zweiten oder dritten Reihe der „Reichslyriker“ gezählt werden kann, der aber angab, Kontakt zum Widerstandskreis um C. F. Goerdeler gehabt zu haben. Vielleicht wird somit die Rubrik „Widerspruch+Widerstand“ weniger irritieren. Wir dokumentieren hier – mit dem ungekürzten Wikipedia-Eintrag – einen Bücherfund, der an genau diesem Datum gemacht wurde. Über Tragweite und Karma kann sich der mündige Leser selbst seine Gedanken machen.
Als Sohn bzw. Enkel der Mathematikprofessoren Karl Reuschle und Karl Gustav Reuschle in Stuttgart geboren besuchte Max Reuschle das Humanistische Gymnasium in seiner Heimatstadt und studierte anschließend Architektur und Naturwissenschaften. Er brach dieses Studium jedoch ab und ging nach Berlin, um allgemeine Vorlesungen zu hören und sich seinen dichterischen Interessen zu widmen.
In den Ersten Weltkrieg zog er mit einem Ludwigsburger Feld-Artillerie-Regiment. Bei Ypern wurde er im Mai 1916 schwer verwundet; die Folgen beeinträchtigten ihn Zeit seines Lebens. 1917 begann er erneut zu studieren und wurde 1922 in Tübingen promoviert. Anschließend bekam er eine Stelle am Staatsarchiv Stuttgart, die eigens für ihn als Schwerkriegsbeschädigten geschaffen worden war. 1924 unternahm er eine Italienreise und veröffentlichte ein Jahr später seinen ersten Gedichtband „Dom der Seele“.
Den Nationalsozialismus begrüßte Reuschle euphorisch, auch in verschiedenen literarischen Werken. Der Gedichtband „Volk, Land und Gott“ von 1934 enthält beispielsweise Gedichte wie „Gesang der Deutschen. Zum 30. Januar 1933“ und „Volk baue das Reich; Die alten Götter“. Reuschle beantragte am 27. April 1937 die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.890.391). Reuschle wurde auch Mitglied im Schwäbischen Dichterkreis.
Reuschle behauptete nach dem Krieg, sich 1938 radikal vom Nationalsozialismus abgewendet und dem Widerstandskreis um Carl Friedrich Goerdeler angeschlossen zu haben. In seinem Spruchkammerverfahren stufte Reuschle sich selbst als „Antifaschist und Pazifist“ ein. Das Verfahren wurde aufgrund von Reuschles Status als Schwerstversehrter eingestellt.
Nach Reuschles Tod 1947 veröffentlichte seine christlich engagierte Witwe verschiedene seiner religiösen Gedichte. 1951 zeigte die Deutsche Schillergesellschaft im Schiller-Nationalmuseum in Marbach am Necker eine Ausstellung mit dem Titel „Max Reuschle (1890–1947)“.
Textgrundlage: https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Reuschle

Der Dichter Max Reuschle ist auf dieser Abbildung
sehr ähnlich dargestellt. — Foto: Gegenbild
Welch ein Wahnsinn,
zu behaupten, das
da oben sei ein feuriger
Gasball – das ist doch
eine Gottheit!
Max Reuschle
Lebensdaten
Max Reuschle (* 19. Januar 1890 in Stuttgart; † 31. Oktober 1947 in Sillenbuch) war ein deutscher Schriftsteller und Archivar. 1940 wurde er mit dem Schwäbischen Dichterpreis ausgezeichnet. — Der Vater: Karl Reuschle, auch Carl Reuschle, (* 14. März 1847 in Stuttgart; † 16. August 1909 in Heiden, Appenzell Ausserrhoden) war ein deutscher Mathematiker. — Der Großvater: Karl Gustav Reuschle, auch Carl Gustav Reuschle, (* 26. Dezember 1812 in Mehrstetten; † 22. Mai 1875 in Stuttgart) war ein deutscher Mathematiker, Geograph und Pädagoge. (Wikipedia)
Das Buch

Frieda Margarete Reuschle (Hrsg.): Wir leben lichte Tore zu bereiten. Max Reuschle. Weg eines Dichters. 109 Seiten. Philipp Otto Röhm Verlag, Stuttgart (1950)
Werke
◾ Die Gestalt der Gedichtsammlung Mörikes. Diss. masch. Tübingen 1922.
◾ Dom der Seele. Gedichte. Eugen Salzer Verlag, Heilbronn 1925.
◾ Theophilus. Legende. Eugen Salzer Verlag, Heilbronn 1926.
◾ Begrenzung. Gedichte. Georg Müller, München 1930.
◾ Poseidonia. Hymnen an die Tempel von Paestum. Georg Müller, München 1932.
◾ Volk, Land und Gott. Deutsche Gesänge. Langen-Müller, München 1935.
◾ Brudergestirn. Neue Gedichte. Hohenstaufen-Verlag, Stuttgart 1939.
◾ Wir leben lichte Tore zu bereiten. Weg eines Dichters. Hrsg. von Frieda Margarete Reuschle. Philipp Otto Röhm, Stuttgart 1950.
◾ Wesensbild. Ausgewählte Gedichte. Hrsg. von Frieda Margarete Reuschle. Philipp Otto Röhm, Stuttgart 1955.
Schwäbischer Dichterkreis
Am 16. Dezember 1938 schlossen sich insgesamt 23 Schriftstellerinnen und Schriftsteller zum sog. „Schwäbischen Dichterkreis“ zusammen. Später traten noch weitere Schriftsteller hinzu. Anlass der Gründung war der 50. Geburtstag des württembergischen Reichsstatthalters Wilhelm Murr, der auch die Schirmherrschaft des Kreises übernahm. Ziel des Kreises war eine stärkere staatliche Kontrolle der Schriftsteller sowie ihre stärkere Ausrichtung an nationalsozialistischen Inhalten. Die Einstellungen der Schriftsteller zu dieser Vereinigung reichten von widerwilliger Beteiligung bis zu begeisterter Zustimmung zur NS-Ideologie. Aus den Entnazifizierungsunterlagen lässt sich ersehen, dass sich nach 1945 sämtliche beteiligten Schriftsteller als Opfer sahen. Kritische Äußerungen gegen den Nationalsozialismus in der Zeit von 1933 bis 1945 finden sich jedoch nur vereinzelt und ausschließlich im privaten Kreis. (Wikipedia)