Machtworte – Inspektion der Herrschaftssprache
Regulieren und zensieren? — Ja.
Daniel Günther steigert sich bei Lanz in eine Verbotsphantasie. „Krawallportale“ wie NIUS seien „Feinde von Demokratie“.
Der Gegenwart. — 18. Januar 2026
Dieser Beitrag behandelt einige Fakten, die aus den Lanz-Sendungen herausdestilliert werden können und der staunenden Nachwelt erhalten bleiben sollen. Daniel Günther hatte zu Beginn der Sendung vom 7. Januar 2026 klargestellt, dass er darin nicht als Privatmann, sondern als Schleswig-Holsteins Ministerpräsident aufgetreten ist. Als solcher hat er dort die Presse- und Meinungsfreiheit infrage gestellt, im klaren und offenkundigen Widerspruch zu Artikel 5 des Grundgesetzes: »Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.«
Wer nun meint, ein solcher Beitrag müsse mit einem Porträtfoto von „Genosse Günther“ verziert werden, unterschätzt die Möglichkeiten, wie sehr man um die Ecke denken kann. Eine weit attraktivere Bebilderung drängte sich mit einem Satz im Abschnitt „Ehrungen“ in der Wikipedia-Biografie von Daniel Günther auf: »2025 wurde die in Laos entdeckte Höhlenkrabbenart Erebusa danielguentheri nach ihm benannt.« (⋙ Link)
Nur noch eine Bemerkung – da wir grad in Wikipedia stöbern –, die aber nichts mit nichts zu tun hat, soll hier zitiert werden: »Insbesondere durch Vibrionen und Saugwürmer sind Krabben eine potentielle Infektionsquelle für den Menschen.« (⋙ Link)
Das Foto eines Kurzschwanzkrebses mit feuerroten Beinen scheint also eine passende Illustration herzugeben, auf die alarmierenden Ideen von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) Bezug zu nehmen. Alles Weitere entnehmen Sie bitte den verlinkten Videos und weiteren Quellen.
Julian Reichelt / NIUS Live: Zensur-Forderung bei Lanz
»Was ist in der viel diskutierten Markus-Lanz-Sendung wirklich passiert? Wurden dort politische Forderungen nach Regulierung, Zensur oder sogar Verbot von NIUS erhoben – oder nicht?
In dieser Ausgabe von NIUS Live zeigt Julian Reichelt, was tatsächlich gesagt wurde und was im Nachhinein bestritten wird. Anhand eines vollständigen Zeitstrahls wird der Ablauf der Sendung Minute für Minute rekonstruiert, mit Originalzitaten, exakten Timecodes und vollständigen Videoausschnitten.
Im Mittelpunkt stehen Aussagen von Daniel Günther, in denen journalistische Medien wie NIUS zu „Gegnern“ und „Feinden der Demokratie“ erklärt werden. Es geht um Forderungen nach Regulierung, Zensur und im Extremfall sogar Verboten – nicht abstrakt über soziale Medien, sondern konkret über journalistische Portale.«
Quelle: Videobeschreibung ⋙ Link
Welchering und Teske: Realität soll umgedeutet werden
In der Talkshow von Markus Lanz im ZDF hat der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein Nius und andere News-Portale als „Feinde der Demokratie“ bezeichnet. Sie seien „unsere Gegner“, würden „vollkommen faktenfrei“ berichten und es sei „falsch, wenn man das einfach hinnimmt“. Doch hat Daniel Günther von der CDU auch die Zensur von Onlinemedien gefordert? Oder eher ein Verbot von Social Media für unter 16-jährige? Darüber spricht Alexander Teske mit dem Journalismus-Lehrer Peter Welchering, der eine Inhaltsanalyse erstellt hat.
Die beiden erfahrenen Journalisten und Medienbeobachter analysieren die anschließenden Reaktionen auf die Sendung, beleuchten die zweite Sendung von Markus Lanz mit Beatrix von Storch, bei der die Realität umgedeutet werden sollte, sie spekulieren über die Gründe für den Sinneswandel des Talkmasters, sprechen über den Anruf von Markus Lanz bei Nius-Chef Julian Reichelt und fragen, ob es tatsächlich eine sinnvolle Unterscheidung zwischen Qualitätsmedien und „Krawallportalen“ gibt, ob der Presserat eine sinnvolle Organisation ist und sie schauen auf die Rolle weiterer Gäste der Sendungen wie Ulrike Hermann von der taz oder Melanie Amman von der Funke-Mediengruppe. — Anmerkung: Bei Minute 6:42 meint Peter Welchering Daniel Günther nicht Markus Lanz. Ein Versprecher.
Quelle: Videobeschreibung ⋙ Link
Klaus-Rüdiger Mai: Der Tanz des Markus Lanz
Ein Ministerpräsident fordert offen Zensur und Medienverbote und der öffentlich-rechtliche Journalismus knickt ein. Was als Talkshow begann, entlarvt sich als Lehrstück über Macht, Angst und den Absturz von Pressefreiheit und Demokratie. […] Am 8.1. schätzte laut Julian Reichelt Lanz in einem Telefonat mit dem Chefredakteur von Nius noch ein, dass Daniel Günther in der Sendung kurz davor stand, ein Verbot der freien Medien zu fordern. Am 14.1. und am 15.1. behauptete Lanz in der Sendung, dass das alles Lüge und Fake News seien, obwohl er zum Ende der Sendung selbst über Nius sprach und u.a. auch der Bürgermeister von Bremen, Bovenschulte, das bestätigte, in dem er Günthers Ansichten pries. Was stimmt nun, Herr Lanz? Haben Sie am 8.1. mit Julian Reichelt telefoniert?
Klaus-Rüdiger Mai: »Der Tanz des Markus Lanz«, tichyseinblick.de vom 17. Januar 2026 ⋙ Link
Lemmer: Programmlage der CDU in Schleswig-Holstein
Christoph Lemmer ordnet die Debatte um Daniel Günther ein. Er sagt: Es gebe keinen Streit um „irgendwas im vertraulichen Kämmerlein“. Günther habe vor großem Fernsehpublikum gesprochen. Lemmer schaut deshalb auf die Programmlage der CDU in Schleswig-Holstein. Er verweist auf ein 15-seitiges Papier mit dem Titel „Demokratie schützen, Desinformation sowie Hass und Hetze im Netz bekämpfen“. Es sei ein Leitantrag des Vorstandes, dem Günther vorstehe, beschlossen im Juni des vergangenen Jahres. Lemmer zitiert daraus den Satz: „Der Schutz der Meinungsfreiheit endet dort, wo sie zur Waffe gegen andere wird.“ Er fragt, was „Waffe“ heißt, etwa bei Kritik an Günther. Das Papier spreche aus seiner Sicht über Bürger in einer Weise, die sie für unmündig erkläre. Es nennt 35 % und Gründe wie Überforderung oder selektive Mediennutzung. Es kritisiert zudem, dass 14 % der Erwachsenen und 35 % der Jugendlichen sich auf Social Media informieren. Lemmer stößt sich an der Forderung nach „Politische Bildung als lebenslanges Lernfeld“. Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk sieht er Forderungen, die in redaktionelle Entscheidungen reichen. Er nennt das verfassungswidrig und verweist auf die Staatsferne.
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George Orwell, »1984«
Jede Aufzeichnung wurde vernichtet oder verfälscht, jedes Buch überholt, jedes Bild übermalt, jedes Denkmal, jede Straße und jedes Gebäude umbenannt, jedes Datum geändert. Und dieses Verfahren geht von Tag zu Tag und von Minute zu Minute weiter.
Das sind die Fakten
Zensur-Forderung bei Lanz – das sind die Fakten | Julian Reichelt bei NIUS Live vom 16.1.2026 (Achtung, Reichelt! und NIUS; 17.1.2026; 17:10 min.)
Was wurde gesagt?
Was hat Daniel Günther tatsächlich bei Markus Lanz gesagt? (Sachlich Richtig – der Medienpodcast; 17.1.2026; 59:28 min.)
Zum Nachlesen
„Vollkommen faktenfrei“
Also wenn ich mir Nius Artikel angucke, mit denen ich irgendwas zu tun habe, kann ich nur sagen, da stimmt in der Regel nichts drin. Das ist einfach vollkommen faktenfrei, was an der Stelle gemacht wird. Aber die treten eben auf und machen den Eindruck, Leute, als wäre das sozusagen im Sinne der Meinungsfreiheit etwas, was man in unserem Land sagen darf. Und ich glaube, es ist einfach falsch, wenn man das einfach so hinnimmt.
Daniel Günther in der Talk Show „Lanz“ im ZDF vom 7. Januar 2026 [ab 01:13:19] ⋙ Link
Programmlage der CDU
MEINUNG: „Dieser Satz hat mich wirklich fast umgehauen!“ – Lemmer zum Kampf um Meinungsfreiheit (WELT Nachrichtensender; 17.1.2026; 5:46 min.)
Zum Nachlesen
