Punkte auf der Landkarte
Paulickhochhaus
Die markante Straßenecke am Ende der historischen Hauptachse Dresdens entstand nach Plänen des Architekten Hermann Paulick, dem bisher noch keine Wikipedia-Seite vergönnt ist.
Der Gegenwart. — 13. August 2025
Das Gebäude von Paulick ist geschickt in die Gründerzeitbebauung eingebettet (gewesen). Ein 6-stöckiger Nordflügel mit schrägen Walmdach und Dachgauben vermittelte zur benachbarten und gegenüberliegenden Architektur am Beginn der Königsbrücker Straße. Ein niedriger 5 stöckiger Flügel wurde westwärts, eine Symmetrie andeutend, angebaut. Durch diese Lösung entstand eine optisch markante Straßenecke, aus der sich der 40 Meter hohe Turm heraushob. Die Proportionen sind maßvoll. Das Turmgebäude respektiert die Stadtsilhouette und besitzt doch einen klaren, eigenen Ausdruck mit einer unverwechselbaren Vertikale.
Das Gebäude befindet sich nördlich des Albertplatzes auf der platzauswärts linken Seite der Königsbrücker Straße sowie nördlich der von Westen kreuzenden Antonstraße. Es liegt damit am Ende der Sichtachse über die Hauptstraße. Einzig der Artesische Brunnen (auf der gegenüberliegenden Straßenseite) liegt am noch exakteren Ende der historischen Hauptachse Dresdens, die bis in die Altstadt reicht. Das Brunnenhaus, also der Austrittsort des artesischen Brunnens liegt unmittelbar neben dem Hochhaus. Bei der Erweiterung des Gebäudes wurde es im Jahr 2014 umbaut, nur die zur Antonstraße zeigende Front blieb frei.
Nach Norden beginnt die gründerzeitliche Äußere Neustadt, während um das Oval des Albertplatzes historistische Einzelvillen und Gärten dominieren. An der gegenüberliegenden Straßenecke befindet sich ein Gebäude in individualisierter Industriebauweise der Nachkriegsarchitektur.
Architektur
Das elfgeschossige und 37 Meter hohe Hochhaus wurde als Stahlbeton-Skelettbau in Ecklage errichtet und erhielt eine sachliche verputzte Fassade. Diese ist senkrecht durch leicht vorgelagerte Erker gestaffelt. Die obersten beiden Stockwerke sind gegenüber der gesamten unteren Fassade zurückgesetzt. Die östliche Seite, die zur Königsbrücke Straße zeigt, ist die kürzere des Hauses. Seitlich sind Nebenflügel angesetzt, die die sonst übliche Traufhöhe der (ursprünglich) unmittelbar anschließenden Häuser annahmen. Im Rahmen des Umbaus wurden die drei oberen Geschosse der Nebenflügel entfernt, um so bündig in das angebaute Geschäftsgebäude überzugehen.
Nutzung
Der erste Hauptnutzer war die Sächsische Staatsbank, die erst seit 1920 in Dresden ihren Hauptsitz hatte (sie ging aus der 1862 in Leipzig gegründeten behördlichen Lotteriedarlehnskasse hervor). Die Bank war in ihrer Funktion mit der Sachsen LB vergleichbar. Bei den Luftangriffen 1945 wurde es wegen seiner massiven Bauweise nicht komplett zerstört. Nachdem 1948 die Sächsische Staatsbank von der Landesbank abgewickelt wurde, nutzten die Verkehrsbetriebe das Gebäude weiter. Die dazu notwendigen Reparaturen sowie den Umbau für den Einzug der Verkehrsbetriebe leitete der Architekt Otto Ziller.
Seit die Dresdner Verkehrsbetriebe 1997 ihre Verwaltung in den Betriebshof Trachenberge verlegt hatten, stand das Gebäude leer. Der Schriftzug Verkehrsbetriebe blieb noch bis zum Jahresanfang 2015 an der Hauptseite des Gebäudes erhalten und kam anschließend ins Dresdner Straßenbahnmuseum.
Im August 2009 wurden die Eingänge zum Gebäude wegen angeblicher Vandalismusschäden zugemauert. Nach zwischenzeitlichen Plänen der Umgestaltung in ein Hotel oder ein Studentenwohnheim mit Geschäften in der Straßenebene, übernahm die Simmel AG 2012 das Hochhaus mit dem umliegenden Grundstück mit dem Ziel, das Hochhaus als Bürogebäude zu sanieren und ein zweietagiges Geschäftsgebäude mit Tiefgaragen anzubauen. Die von Simmel unter der Marke Edeka geführte regionale Lebensmittelmarktkette war von Anfang an als Hauptnutzer vorgesehen.
Dazu erfolgte 2013 die Räumung des Geländes, einzig das ebenfalls denkmalgeschützte Brunnenhaus blieb bestehen. Anfang 2014 begannen die Tiefbauarbeiten für das neue Marktgebäude, dessen Bau anschließend erfolgte. Zur besseren Verkehrsanbindung des Gebäudes wurde der Turnerweg, eine bis dahin schmale Nebenstraße der Antonstraße westlich des Komplexes zu Lasten des Grundstücks verbreitert. Im März 2015 wurden die oberen drei der fünf Obergeschosse der alten Nebenflügel entfernt, damit diese bündig mit dem Neubau abschließen. Anfang Juli 2015 eröffneten der Simmelmarkt, der sich über das Erdgeschoss erstreckt, und eine Aldi-Filiale, ein Elektronik-Markt folgte Ende August. Die Gesamteröffnung erfolgte nach Abschluss der letzten Bauarbeiten im Spätsommer 2015.
Textgrundlage: https://de.wikipedia.org/wiki/Hochhaus_am_Albertplatz
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Dresdens erstes Hochhaus
Vor einem Jahr eröffnete das rekonstruierte Paulickhochhaus am Albertplatz
Von Bert Wawrzinek (2016).
Dresdens erstes und bis 1945 einziges Hochhaus steht am – Albertplatz. Der elfgeschossige und 37 Meter hohe Stahlbetonskelettbau wurde 1929 nach einem Entwurf des Architekten Hermann Paulick für die damalige Sächsische Staatsbank errichtet, die das Gebäude bis Kriegsende als Verwaltungsbau nutzte. Die Bauzeit betrug nur sieben Monate; eine ingenieurtechnische Meisterleistung – dank des Betonfachmannes Benno Löser, der mit frühhochfestem Zement ein Geschoß pro Woche vollendete. An der Nordseite des Albertplatzes gelegen, zeigt das Hochhaus Elemente der Neuen Sachlichkeit und des Neoklassizismus. Ursprünglich wegen seiner Höhe umstritten, gehört es heute zu den wenigen erhaltenen Bauten der Dresdner Vorkriegsmoderne.
Ältere Dresdner erinnern sich, daß während des Weltkrieges ein 2 cm-Flakvierling der Luftwaffe zur Abwehr von Tieffliegern auf dem Dach des Gebäudes stationiert war. Am 13. Februar 1945 wurde hier ein amerikanisches Flugzeug abgeschossen, dessen Trümmer noch tagelang auf dem Albertplatz und in der angrenzenden Antonstadt herumlagen. Der robuste Bau überstand den Bombenangriff. Nach dem Krieg fanden alsbald die Dresdner Verkehrsbetriebe im „DVB-Hochhaus“ ein neues Domizil. In den 80er Jahren wurde der Bau unter Denkmalschutz gestellt, nach 1996 stand er 20 Jahre leer.
30 Millionen Euro investierte die Simmel Dresden GmbH als neuer Eigentümer, um das Haus ab 2013 zu sanieren und mit Anbauten für ein angrenzendes Shoppingcenter zu erweitern. Anfang Juli 2015 eröffneten Simmel-Edeka, Aldi und Rossmann, später dann der Elektronikmarkt Medimax und ein origineller Imbiß „@ petit station“. Seit November vorigen Jahres findet sich ein Tee- und Gewürzladen des Sternekochs Alfons Schuhbeck im Erdgeschoß. Die Tiefgarage des Areals bietet 360 kostenfreie Parkplätze.
Verantwortlicher Architekt ist der Dresdner Stephan Hänel. Verdienstvoll ist, daß nach zwei Jahrzehnten Stillstand wieder urbanes Leben im und um den Hochhauskomplex pulsiert. Dennoch steht der rekonstruierte Bau auch nach einem Jahr merkwürdig beziehungslos an dem sensiblen Ort, seiner 2015 abgetragenen Seitenflügel beraubt, was auch die neu hinzugekommenen Kuben des Einkaufszentrums mit ihren eigentümlichen Stabfassaden nicht wettmachen. Selbst das trauliche Brunnenhäuschen mit Spitzdach muß, auf immer hinter ein Fallgitter gezwängt, ausharren, daß es einem wehtut.
Trotz allem Bemühen und beträchtlichen Investitionen zeigt sich auch am Albertplatz, 70 Jahre nach Kriegsende, was unsere Stadt verloren hat. Nicht allein durch Flugzeuge und Bomben, auch durch unser und unserer Vorgänger Unvermögen, der einmal zerborstenen Form wieder einen gültigen Ausdruck zu verleihen. Und doch ist dieser vitale Platz mit seinem wiedererstandenen Hochhaus weit mehr als nur ein Verkehrsknotenpunkt. Und vielleicht sind es gerade auch die Brüche im Gesamtbild, die den Dresdnern vor Augen führen, daß es unverzichtbar ist, historisch Überliefertes zu schätzen und zu schützen! ■
Mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Atemberaubende Aussicht
Mittwoch, vergangener Woche (6.8.2025). Am Vortag war an der abgerissenen Carolabrücke ja eine Fliegerbombe aus dem II. Weltkrieg gefunden worden. Am Tag darauf wurde weiträumig abgesperrt. Wir konnten nicht in die Innenstadt und harrten der Dinge am Albertplatz beim Paulickhochhaus (Simmel). Von dessen Obergeschoß aus bot sich eine atemberaubende Aussicht über die Königsbrücker gen Norden ...
Bert Wawrzinek

Das Hochhaus der Sächsischen Staatsbank, später Sachsenbank, 1936 — Foto: Wikimedia / FORTEPAN / Lőrincze Judit
Dicht vor meinen Augen
Am liebsten hockte ich dann auf der Gartenmauer und schaute dem Leben und Treiben auf dem Albertplatz zu. Die Straßenbahnen, die nach der Altstadt, nach dem Weißen Hirsch, nach dem Neustädter Bahnhof und nach Klotzsche und Hellerau fuhren, hielten dicht vor meinen Augen, als täten sie's nur mir zuliebe. Hunderte von Menschen stiegen ein und aus und um, damit ich etwas zu sehen hätte. Lastwagen, Kutschen, Autos und Fußgänger taten für mich, was sie konnten. Die zwei Springbrunnen zeigten ihre Wasserkünste. Die Feuerwehr ratterte, mit ihrem Hornsignal und glockenläutend, vorbei. Schwitzene Grenardiere kehrten, singend und im Gleichschritt, von einer Übung in der Kaserne zurück. Eine königliche Equipage rollte vornehm übers Pflaster. Eisverkäufer in weißer Uniform verkauften an der Ecke Waffeln für fünf und für zehn Pfennige. Ein Bierwagen verlor ein Hektoliterfaß, und die Neugierigen kamen gelaufen. Der Albertplatz war die Bühne. Ich saß zwischen Jasmin und Bäumen, in der Loge und konnte mich nicht satt sehen.
Erich Kästner: Als ich noch ein kleiner Junge war (1957)
Fakten & Daten
Das Hochhaus am Albertplatz (nach dem langjährigen Nutzer auch Verkehrsbetriebe-Hochhaus oder DVB-Hochhaus, nach dem Architekten auch Paulickhochhaus) ist das älteste Bürohochhaus Dresdens und gehört zu den (wenigen) erhaltenen Gebäuden der Dresdner Vorkriegsmoderne. Es wurde 1929 nach Plänen von Hermann Paulick durch Benno Löser für den Regierungsrat Alfred Hesse gebaut, wichtigster Nutzer bis 1945 war die Sächsische Staatsbank. Das Bauwerk steht unter Denkmalschutz. (Wikipedia)
Lebensdaten
Zum Architekten Hermann Paulick existiert keine Wikipedia-Seite. In der Pressemitteilung „Wenn der Vorhang fällt“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz vom 22.6.2013 über das Mausoleum der Zirkusartisten-Familie Busch auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof II in Berlin-Mitte werden die Daten eines „Architekten Hermann Paulick (1880–1909)“ angegeben. ⋙ Link
Das Baugeschichtliche Personenregister (2004–2024 online unter dem Titel „Historisches Architektenregister“) erwähnt neben diesem Hermann Paulick (Paulick, Hermann; geb. 1880 (?); gest. 1909; [Ort] Berlin; [Zeit] 1898) noch einen zweiten Hermann Paulick (Paulick, Max Hermann, Architekt, Bauunternehmer; geb. 12.10.1875 Dresden; gest. 23.02.1952 Bayreuth; [Ort] Dresden; frdl. Hinweis von Dr. Jörg Kuhn, 2016) ⋙ Link