Blick vom Paulickhochhaus über die Königsbrücker Straße Richtung Norden — Foto (2025): Bert Wawrzinek [Vorschaubild (2008): X-Weinzar/Wikimedia]

Atemberaubende Aussicht

Mittwoch, vergangener Woche (6.8.2025). Am Vortag war an der abgerissenen Carolabrücke ja eine Fliegerbombe aus dem II. Weltkrieg gefunden worden. Am Tag darauf wurde weiträumig abgesperrt. Wir konnten nicht in die Innenstadt und harrten der Dinge am Albertplatz beim Paulickhochhaus (Simmel). Von dessen Obergeschoß aus bot sich eine atemberaubende Aussicht über die Königsbrücker gen Norden ...

Bert Wawrzinek

 

Das Hochhaus der Sächsischen Staatsbank, später Sachsenbank, 1936
Das Hochhaus der Sächsischen Staatsbank,
später Sachsenbank, 1936 — Foto: Wikimedia / FORTEPAN / Lőrincze Judit

 

Dicht vor meinen Augen

Am liebsten hockte ich dann auf der Gartenmauer und schaute dem Leben und Treiben auf dem Albertplatz zu. Die Straßenbahnen, die nach der Altstadt, nach dem Weißen Hirsch, nach dem Neustädter Bahnhof und nach Klotzsche und Hellerau fuhren, hielten dicht vor meinen Augen, als täten sie's nur mir zuliebe. Hunderte von Menschen stiegen ein und aus und um, damit ich etwas zu sehen hätte. Lastwagen, Kutschen, Autos und Fußgänger taten für mich, was sie konnten. Die zwei Springbrunnen zeigten ihre Wasserkünste. Die Feuerwehr ratterte, mit ihrem Hornsignal und glockenläutend, vorbei. Schwitzene Grenardiere kehrten, singend und im Gleichschritt, von einer Übung in der Kaserne zurück. Eine königliche Equipage rollte vornehm übers Pflaster. Eisverkäufer in weißer Uniform verkauften an der Ecke Waffeln für fünf und für zehn Pfennige. Ein Bierwagen verlor ein Hektoliterfaß, und die Neugierigen kamen gelaufen. Der Albertplatz war die Bühne. Ich saß zwischen Jasmin und Bäumen, in der Loge und konnte mich nicht satt sehen.

Erich Kästner: Als ich noch ein kleiner Junge war (1957)

 

Fakten & Daten

Das Hochhaus am Albertplatz (nach dem langjährigen Nutzer auch Verkehrsbetriebe-Hochhaus oder DVB-Hochhaus, nach dem Architekten auch Paulickhochhaus) ist das älteste Bürohochhaus Dresdens und gehört zu den (wenigen) erhaltenen Gebäuden der Dresdner Vorkriegsmoderne. Es wurde 1929 nach Plänen von Hermann Paulick durch Benno Löser für den Regierungsrat Alfred Hesse gebaut, wichtigster Nutzer bis 1945 war die Sächsische Staatsbank. Das Bauwerk steht unter Denkmalschutz. (Wikipedia)

 

Lebensdaten

Zum Architekten Hermann Paulick existiert keine Wikipedia-Seite. In der Pressemitteilung „Wenn der Vorhang fällt“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz vom 22.6.2013 über das Mausoleum der Zirkusartisten-Familie Busch auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof II in Berlin-Mitte werden die Daten eines „Architekten Hermann Paulick (1880–1909)“ angegeben. Link

Das Baugeschichtliche Personenregister (2004–2024 online unter dem Titel „Historisches Architektenregister“) erwähnt neben diesem Hermann Paulick (Paulick, Hermann; geb. 1880 (?); gest. 1909; [Ort] Berlin; [Zeit] 1898) noch einen zweiten Hermann Paulick (Paulick, Max Hermann, Architekt, Bauunternehmer; geb. 12.10.1875 Dresden; gest. 23.02.1952 Bayreuth; [Ort] Dresden; frdl. Hinweis von Dr. Jörg Kuhn, 2016) Link