Von der Sitzordnung der französischen Nationalversammlung leitet sich das Links-rechts-Schema ab. — Foto (Plenarsaal 2009): Richard Ying et Tangui Morlier/Wikimedia

Prof. Dr. Peter Hoeres
Prof. Dr. Peter Hoeres
Foto: Gerhard Bayer/Wikimedia

Lebensdaten

Peter Hoeres (* 13. November 1971 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Historiker. Peter Hoeres ist ein Sohn des Philosophen Walter Hoeres. Er studierte von 1992 bis 1997 Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaft an der Universität Frankfurt am Main und der Universität Münster. Nach dem Magister Artium 1998 war er wissenschaftliche Hilfskraft und Dozent für Politikwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen am Standort Essen. Im Anschluss war Hoeres Promotionsstipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt „Computergestützte Hochschullehre im Fach Geschichte“ an der Universität Münster. 2002 wurde er bei Hans-Ulrich Thamer in Geschichte mit der Dissertation Krieg der Philosophen. Die deutsche und die britische Philosophie im Ersten Weltkrieg zum Dr. phil. promoviert, wofür er ein Jahr später mit dem Dissertationspreis der Universität Münster ausgezeichnet wurde. Von 2004 bis 2007 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Hans-Ulrich Thamer am Historischen Seminar in Münster und von 2007 bis 2011 bei Frank Bösch am Historischen Institut der Universität Gießen, wo er auch assoziiertes Mitglied des International Graduate Centre for the Study of Culture wurde. 2010 erhielt Hoeres das Postdoctoral Fellowship des Deutschen Historischen Instituts Washington und 2011 ein Forschungsstipendium der Gerda Henkel Stiftung. 2011 habilitierte er sich mit der von Frank Bösch betreuten Arbeit Außenpolitik und Öffentlichkeit. Massenmedien, Meinungsforschung und Arkanpolitik in den deutsch-amerikanischen Beziehungen von Erhard bis Brandt. Danach vertrat er die Professuren für Fachjournalistik Geschichte an der Universität Gießen und für Neueste Geschichte an der Universität Mainz. 2013 wurde Hoeres Professor für Neueste Geschichte an der Universität Würzburg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören internationale Geschichte, Kulturgeschichte, Mediengeschichte sowie Wissenschafts- und Ideengeschichte. (Wikipedia)

Rainer Zitelmann wurde 1957 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte von 1978 bis 1983 in Darmstadt Geschichte und Politikwissenschaft und schloss sein Studium „mit Auszeichnung“ ab. 1986 promovierte er bei Professor Frhr. von Aretin in Geschichtswissenschaft zum Dr. phil. Die Dissertation wurde mit summa cum laude bewertet. Von 1987 bis 1992 arbeitete Zitelmann am Zentralinstitut für sozialwissenschaftliche Forschung der Freien Universität Berlin. Danach war er Cheflektor des Ullstein-Propyläen-Verlages, damals die drittgrößte Buchverlagsgruppe Deutschlands und leitete bis zum Jahr 2000 verschiedene Ressorts der Tageszeitung „Die Welt“. Im Jahr 2000 wurde Zitelmann Unternehmer und gründete das PR-Unternehmen Dr. ZitelmannPB. GmbH (heute: PB3C), das seitdem Marktführer für die Positionierungsberatung von Immobilienunternehmen in Deutschland ist. Im Jahr 2016 verkaufte er das Unternehmen. 2016 promovierte er ein zweites Mal – diesmal in Soziologie zum Dr. rer. pol. – bei dem Reichtumsforscher Prof. Dr. Wolfgang Lauterbach an der Universität Potsdam. Zitelmann hat bislang 31 Bücher geschrieben und herausgegeben, die weltweit in 35 Sprachen erfolgreich sind. Er ist ein gefragter Vortragsredner in Asien, den Vereinigten Staaten, Lateinamerika und Europa. (weltraumkapitalismus.de)

 

Das Buch

Peter Hoeres: Rechts und links.
Peter Hoeres: Rechts und links. Zur Karriere einer folgenreichen Unterscheidung in Geschichte und Gegenwart. 216 Seiten. zu Klampen Verlag, Springe. (2025) ⋙ Link

»Nach dem Ende der Sowjetunion galt die Unterscheidung »rechter« und »linker« politischer Strömungen als veraltet. In einer globalisierten Welt sollten politische Entscheidungen nicht mehr durch ideologische Kategorien bestimmt, sondern fortan sachgerecht getroffen werden. Spätestens nach den Terroranschlägen von 2001 erwies sich die Vorstellung vom Ende der Geschichte als Illusion. Seitdem kehrt das binäre politische Ordnungsmuster mit Macht zurück, allerdings neu akzentuiert. Kaum ein Mensch will und darf in Deutschland mehr rechts sein. Die Zuschreibung »links« ist hingegen weniger stark negativ belastet. Wie variabel die Positionierung zwischen den beiden Polen allerdings sein kann, zeigt sich mit Blick auf Selbstverständnis und Außenwahrnehmung der Nationalsozialisten und auf die Richtungskämpfe im Kommunismus. Peter Hoeres belegt eindrucksvoll, dass die Renaissance des binären politischen Ordnungsschemas auf Konstanten beruht, die sich durch die gesamte menschliche Geschichte ziehen. »Rechts« war, im Gegensatz zu heute, historisch überwiegend positiv, »links« überwiegend negativ besetzt. Eine politische Umwertung erfolgte erst im Zuge der Französischen Revolution. Mit der zunehmenden normativen Zuspitzung droht das binäre Schema inzwischen zur Gefahr für den Rechtsstaat und das friedliche Zusammenleben in unserer Gesellschaft zu werden.« (Verlagstext)

 

Begriffe prägen Debatten

Ist „rechts“ wirklich gefährlich und „links“ automatisch gut? | Prof. Dr. Peter Hoeres (Union Stiftung; Premiere am 25.1.2026; 36:39 min.)

»Die Begriffe rechts und links prägen unsere politischen Debatten. Doch woher kommen sie eigentlich und was sagen sie heute noch aus? Im Gespräch über das Buch „Rechts und links“ zeigt der Historiker Prof. Dr. Peter Hoeres, warum diese Unterscheidung älter ist als die moderne Demokratie, weshalb sie historisch ganz anders bewertet wurde und warum das binäre Denken heute zunehmend zur Belastung für Rechtsstaat und gesellschaftlichen Zusammenhalt wird. Ist „rechts“ ein politischer Standpunkt? Warum ist „links“ gesellschaftlich weniger stigmatisiert? Brauchen wir neue Kategorien, um politische Konflikte zu verstehen? Ein Gespräch über Geschichte, Ideologie und die Frage, ob unsere politische Sprache uns mehr spaltet als hilft.«

 

Konstituante von 1789

Das Aufkommen der Unterscheidung „links“ – „rechts“ im Sinne politischer Richtungsbegriffe wird auf den Ursprung der Französischen Nationalversammlung in der Konstituante von 1789 zurückgeführt. Dort saßen die „Radikalen“ (womit damals (sozial-)liberal-demokratische Kräfte bezeichnet wurden) links und die konservativ-reaktionären Aristokraten rechts. Der Hintergrund lag darin, dass der Platz rechts des Gastgebers/Königs infolge der überwiegenden Rechtshändigkeit traditionell der bevorzugte Platz war, wie auf den Abbildungen der Hoftage in vielen europäischen Ländern zu sehen ist: Die Vertreter des ersten Standes, des Klerus, saßen rechts vom König. Auch in der aufgelockerten Raumsituation der Konstituante setzten sich diejenigen, die sich als königsnah und königstreu verstanden, auf die rechte Seite – die Kritiker der Monarchie dagegen nun freiwillig und demonstrativ auf die linke Seite. (Wikipedia)