Punkte auf der Landkarte
Der Queckbrunnen
in der Wilsdruffer Vorstadt
Seit 1514 galt das Wasser des „Queckborn“ als heilkräftig und anregend für die Fruchtbarkeit, berichtet Bert Wawrzinek über ein Dresdner Wahrzeichen.
Der Gegenwart. — 8. Mai 2025
Von BERT WAWRZINEK | Dresden zählt zu den brunnenreichsten Städten Deutschlands, an die 300 Anlagen sollen es sein. Kaum einen Bruchteil davon wird die Stadt heuer in Betrieb nehmen, Grund sei die „angespannte Haushaltslage“, man müsse „Prioritäten“ setzen. So werden die Dresdner und ihre Gäste erstmalig ohne kühlendes Naß auf sommerheißen Straßen und Plätzen auszukommen haben, im Herzen die Hoffnung auf bessere Zeiten und manche Erinnerung; waren die Wasserspiele der Stadt ihren Bürgern doch liebgewordene Stätten gewesen, um die sich nicht selten ehrwürdige Überlieferungen ranken.
Unweit von Postplatz und Zwinger, an der Hertha-Lindner-Straße, steht Dresdens ältester Brunnen. Am damaligen Weißeritzmühlgraben in der Wilsdruffer Vorstadt hatten sich einst Vertreter der Gerberzunft niedergelassen. Zwischen Gerbergasse (heute Theaterstraße) und dem Eingang zur Grünen Gasse stand – vor dem katholischen Waisenhaus – der 1461 erstmals erwähnte Queckbrunnen. Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg und Neubebauung haben sein historisches Umfeld ausgelöscht. Und doch hat sich mit der schlichten Brunnenanlage – neben Moritzmonument und Brückenmännchen – auch eines der alten Dresdner Wahrzeichen erhalten, dessen Geschichte in eine Zeit zurückreicht, die noch voller Geheimnisse und Wunder war. So soll der auch „Queckborn“ (Quickborn = lebendiger Quell) genannte Brunnen über ein besonderes Wasser verfügt haben, durch dessen Genuß kinderlos gebliebene Dresdnerinnen schwanger zu werden hofften. Nicht von ungefähr, gilt doch Wasser seit Menschengedenken als Urstoff allen Lebens, symbolisieren Brunnen weibliche Fruchtbarkeit. Im Christentum lebte dieser Glaube fort, war anstelle der altgriechischen Najaden die Verehrung der Gottesmutter getreten.
Irgendwann hatte man an der Quelle ein Marienbild aufgestellt und eine Wallfahrt veranstaltet, was den damaligen Pfarrer Peter Eisenberg veranlaßt haben mag, um den Bau einer Kapelle „Zu unserer lieben Frauen Queckborn“ nachzusuchen. Der Meißner Bischof Johann VI. von Saalhausen (1444–1518) stimmte zu. Die Kapelle ward errichtet, seit 1514 galt der Brunnen als heilkräftig. Wallfahrer kamen und den Frauen wurden nun „durch die Gnade der heiligen Jungfrau“ Kinder geschenkt. „Der Klapperstorch holt die Kinder aus dem Queckbrunnen“, soll ein Altdresdner Sprichwort gewesen sein. Nachdem jedoch die – zur Erhaltung der Elbbrücke verwendeten – Einkünfte der Wallfahrten nach dem in der benachbarten Kreuzkirche aufgestellten „Schwarzen Herrgott“, einem angeblich mit Menschenhaut überzogenen Kruzifix, spürbar nachließen, wurde Herzog Georg der Bärtige (1471–1539) angerufen. Georg verstand, entsandte Botschafter zum Vatikan, die Kapelle wurde aufgehoben und 1539 dann „zurückgebaut“. Der Queckbrunnen aber blieb und erlebte in den vergangenen Jahrhunderten einigen Renovierungen.
Seine heutige Gestalt wurde 1870 nach Entwürfen des Architekten Julius Koch (1837–1894) geschaffen. Das quadratische Brunnenhaus mißt 1,34 Meter Seitenlänge und ist 3,6 Meter hoch. Der Wasserauslauf erfolgt über ein Kupferrohr auf der Südostseite, über dem das Dresdner Stadtwappen prangt. Seit jeher ziert ein (mehrfach erneuerter) metallener Storch, der vier Wickelkinder trägt, das ziegelgedeckte Walmdach. Rückseitig ist das Brunnenhaus von einer Eichentür verschlossen. Den Krieg hat die Anlage überstanden, allein Storch und Pumpenschwengel waren verlorengegangen. 1965 wurde der Brunnen geringfügig versetzt und an die Wasserversorgung angeschlossen. Zahlreiche Teile mußten nach den brüchig gewordenen Originalen ersetzt werden, den heutigen Storch schuf die Schlossermeisterin Ellen Klinger-Großmann 1986. Zehn Jahre später wurde abermals rekonstruiert. Am 22. März 1997 bekamen die Dresdner ihren ehedem wundertätigen Brunnen zurück, der – warum eigentlich nicht – schon manchem sächsischen Kindlein zum Leben verholfen haben soll ... ■
LITERATUR
Detlef Eilfeld / Jochen Hänsch: Das Dresdner Brunnenbuch. Wasser in seiner schönsten Form, Band I, Dresden 2013
Wilhelm Schäfer: Deutsche Städtewahrzeichen. Ihre Entstehung, Geschichte und Deutung. Erster Band, Leipzig 1858
© Bert Wawrzinek — Mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Der Storch auf dem Queckbrunnen — Foto: Bert Wawrzinek

Der Queckbrunnen im heutigen Zustand — Foto: Bert Wawrzinek
Ausgeschaltet
Die Landeshauptstadt wird in diesem Jahr nahezu alle Brunnen im Stadtgebiet ausgeschaltet lassen. Grund ist die angespannte Haushaltslage. Nicht betroffen sind die elf kommunalen Trinkwasserbrunnen.
Sächsische Zeitung: »Nur 8 von 99 Brunnen werden 2025 in Dresden sprudeln«, 11.4.2025

Der Brunnen am Albertplatz: „Stürmische Wogen“ von Robert Diez (1894), in diesem Jahr ohne Wasser — Foto: Bert Wawrzinek