So steht es geschrieben
Lärm · Maschine · Geschäft
Der vielgelesene Reiseschriftsteller Richard Katz widmete sich auch der Zivilisationskritik. Sein Ideal war ein bäuerlich-handwerklicher Kleinstaat.
Der Gegenwart. — 8. März 2026 — Nach einem Zufallsfund in der Bücherzelle.
Bei einiger Hoffart ließe sich dieses Buch „weltanschaulich“ nennen. Doch davon möchte der Verfasser absehen und es lieber seinen Reisebüchern zureihen. Hier wie dort soll der Leser Gefährte einer Reise sein – nur daß der Weg dieses Mal nach Innen führt zur Erkenntnis unserer Zivilisation. […] Indem der Verfasser versucht, sich selbst Rechenschaft abzulegen, erhofft er auch für diese so wichtige Reise die Kameradschaft seiner Leser, ihr altes gutes Verständnis. Wie früher ist er bestrebt, was er sieht, beim rechten Namen zu nennen; ohne Feindseligkeit, doch auch ohne Beschönigung. Auch hier schreibt er die Sprache des Erlebens.
Richard Katz im Vorwort von »Drei Gesichter Luzifers«
Nach der Matura studierte Katz Jura an der Deutschen Universität in Prag. Er wurde Mitglied der Saxonia Prag im Burschenbunds-Convent. Bereits als Student begann er für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften zu schreiben. Die Vossische Zeitung engagierte Katz sofort nach seinem Studium für ihr Büro in Prag. Für diese Zeitung bereiste er auch als „reisender Reporter“ (Sonderberichterstatter) für weit über ein Jahr Ostasien. 1902 setzte Katz als Herausgeber das Sammelwerk Architektonische Charakterbilder fort.
Nach dem Ersten Weltkrieg ging Katz 1919 nach Leipzig und avancierte dort 1924 zum Leiter der Leipziger Verlagsdruckerei. Diesen Posten hatte er zwei Jahre inne. Von Dezember 1924 bis November 1926 unternahm er eine Weltreise und berichtete darüber in seinem Buch Ein Bummel um die Welt, Berlin 1927. In den Jahren 1928 bis 1930 war er als Prokurist für den Ullstein Verlag in Berlin tätig. Als solcher gründete Katz die Wochenzeitung Die Grüne Post, die schon nach sehr kurzer Zeit über eine Million Auflage erreichte. Durch diesen finanziellen Erfolg konnte sich Katz ab 1930 als unabhängiger Schriftsteller etablieren. In der Zwischenkriegszeit war Katz neben Colin Ross und A. E. Johann einer der erfolgreichsten Reiseschriftsteller deutscher Sprache. Er hat fast die ganze Welt bereist und zeichnet sich durch einen einzigartigen, kritisch-humorvollen Stil aus.
1933 musste Katz in die Schweiz emigrieren, weil er jüdischer Abstammung war, von dort 1941 nach Brasilien, weil er Deutscher war. Er nahm die brasilianische Staatsbürgerschaft an, litt aber unter starkem Heimweh, was sich in den dort entstandenen Büchern äußerte, und kehrte darum 1956 zurück in die Schweiz. Mit den dort entstandenen Büchern konnte er zwar nicht ganz an seine früheren Erfolge mit Reiseliteratur anknüpfen, war aber mit den Tier- und Gartenbüchern, die in zahlreichen Auflagen als Taschenbücher erschienen, dennoch ein sehr populärer Schriftsteller seiner Zeit. Er starb 1968 in seiner Villa Locarno-Monti oberhalb von Locarno.
Textgrundlage: https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Katz_(Schriftsteller)

Richard Katz in Locarno-Monti, 1950er Jahre
Foto: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Comet
Photo AG (Zürich) / Com_X-K106-009 / CC BY-SA 4.0
Es ist bezeichnend für den Hochmut des Zivilisierten, daß er sich selbst von schweren Katastrophen nicht belehren läßt.
Richard Katz in »Drei Gesichter Luzifers«
Lebensdaten
Richard Katz (* 21. Oktober 1888 in Prag, Österreich-Ungarn; † 8. November 1968 in Muralto, Tessin) war ein deutsch-brasilianischer Journalist und Reiseschriftsteller böhmischer Herkunft. (Wikipedia)
Werke und Bücher
Weltanschauliches Hauptwerk

Richard Katz: Drei Gesichter Luzifers. Lärm, Maschine, Geschäft. 320 Seiten. Eugen Rentsch Verlag, Erlenbach-Zürich/Leipzig (6.–8. Tausend, 1934)
Reisebücher
▪ Ein Bummel um die Welt. 1927.
▪ Heitere Tage mit braunen Menschen. 1930.
▪ Funkelnder Ferner Osten. 1930.
▪ Zickzack durch Südamerika. 1931.
▪ Ernte. 1932.
▪ Mein Inselbuch. Geschrieben 1941, Copyright Eugen Rentsch Verlag 1950.
▪ Begegnungen in Rio. Geschrieben 1942, im zweiten Jahr seines Brasilienaufenthaltes, Copyright Eugen Rentsch Verlag 1945.
▪ Seltsame Fahrten in Brasilien. Geschrieben Ende 1944, Copyright Eugen Rentsch Verlag 1947.
▪ Auf dem Amazonas. 1946.
▪ Weltreise in der Johannisnacht. 1953.
Tier- und Gartenbücher
▪ Einsames Leben. Ein Buch von Hunden und Pflanzen. Eugen Rentsch Verlag, 1936.
▪ Von Hund zu Hund. Mit Federzeichnungen von Helmar Becker-Berke. Albert Müller Verlag, AG, Rüschlikon-Zürich, 1956.
▪ Spaß mit Hunden. 1957.
▪ Übern Gartenhag. Albert Müller Verlag, AG, Rüschlikon-Zürich, 1961.
▪ Steckenpferde
▪ Kleinode der Natur
Fast autobiographisch
▪ Leid in der Stadt. 1938.
Keine Lösung
Katz gibt an, nur die Probleme aufzeigen zu wollen, selber aber keine Lösung zu haben. Das stimmt aber nur halb. Wenn wir sehen, welche Aspekte oder Arten menschlichen Daseins er lobt, finden wir durchaus eine Art Lösung. Das heißt: Eigentlich ist sie gar keine, und das scheint Katz auch gewusst zu haben. Aber das Ideal, das bei ihm immer wieder durchschimmert, ist bäuerlich-handwerklicher Kleinstaat, womöglich autark (denn dem Handel misstraut Katz ebenfalls), mit nur kurzen Warenwegen.
P.H.: »Richard Katz: Drei Gesichter Luzifers. Lärm · Maschine · Geschäft«, 1. Januar 2023 ⋙ Link
Zum Thema
■ Doaa Moustafa: »Vom Wachstumsparadigma zum Nachhaltigkeitsparadigma – Lösungsvorschläge und Perspektiven für einen Weg aus der modernen Sinn- und Umweltkrise« (Diplomarbeit), Graz, 2012 ⋙ Link zum PDF