So steht es geschrieben
Das blühende, starke,
friedliche Deutschland
Rudolph Stratz war ein erfolgreicher Romanschriftsteller und während des Ersten Weltkrieges ein vom Generalstab zugelassener Kriegsschilderer.
Der Gegenwart. — 25. März 2026 — Nach einem Zufallsfund in der Bücherzelle.
Vor mehr als zwei Jahrzehnten schrieb ich das hier folgende Zeitbild aus Deutschlands tiefster Zerrissenheit und Not. Damals, am Ausgang des vorigen Jahrhunderts, zu Bismarcks Lebzeiten, schien der Gedanke undenkbar, daß für Deutschland, das blühende, starke, friedliche Deutschland, die Tage des Dreißigjährigen Krieges je wiederkehren könnten. Sie sind auch nicht gekommen. Aber sie hätten kommen können in diesen vier großen und furchtbaren Jahren, die hinter uns liegen. Nicht das Verdienst der Menschheit ist es, daß nicht, wie vor einem Vierteljahrtausend ganz Europa, so diesmal fast die ganze Erde ihre Wut und ihren Wahnwitz in Mord und Raub, Brand und Blut über Deutschland ausspie. Nur der Heldenmut unserer Heere und der Opfermut der Heimat haben uns davor bewahrt, oder, was beides zusammenfaßt: die deutsche Einigkeit. Noch nie ward Deutschland überwunden, wenn es einig war. Aber immer war Deutschlands Zwietracht Deutschlands Verhängnis. Das ist die Brücke, die von diesem kleinen Buch in die große Gegenwart führt, aus dem ungeheuren deutschen Bruderkrieg, den man den Dreißigjährigen Krieg nennt, zu dem noch ungeheureren Völkerringen, das durch die Jahrtausende der Weltkrieg heißen wird. Am Schluß des Dreißigjährigen Krieges steht der jammervollste Verzichtfrieden unserer Geschichte, der Westfälische Frieden. Jahrhunderte deutscher Erniedrigung, Armut und Schwäche waren die Folge. Über dem Weltkrieg von heute steigt jetzt schon glorreich der siegesstarke, weltüberwindende deutsche Friede empor. Jahrhunderte deutschen Blühens in Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung werden ihm folgen.
Rudolph Stratz im Vorwort von »Friede auf Erden!« [Berlin, im deutschen Frühling von 1918] ⋙ Link
Rudolph Stratz war der Sohn des begüterten Großkaufmanns Heinrich Stratz aus Odessa. Die Familie stammte ursprünglich aus Wildgutach im Schwarzwald, der Großvater Sebastian war unter Katharina II. nach Russland eingewandert. Stratz verbrachte seine Kindheit und Jugend in Heidelberg, wohin seine Mutter, eine aus Wien stammende Edle von Thomann, im Frühjahr 1864 gezogen war, um ihren Kindern Deutschland näher zu bringen. Als russische Staatsbürger geboren bzw. durch Heirat geworden, gelang der Familie nach der Einführung der Allgemeinen Wehrpflicht (Opoltschenije) in Russland zum 13. Januar 1874 mit Hilfe der Großherzogin Luise von Baden im Jahr 1876 die Entlassung aus der russischen Untertanenschaft und die Aufnahme in das Großherzogtum Baden. Sein Bruder Carl Heinrich war ein bekannter Gynäkologe. Zwei weitere Brüder gingen später wieder nach Russland.
Nach dem Abitur in Heidelberg begann er an der Universität Leipzig und der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin Geschichte zu studieren. 1883 wurde er im Corps Teutonia Berlin recipiert. Im selben Jahr trat er in die Preußische Armee ein. Nach dem Besuch der Kriegsschule in Potsdam wurde er beim Leibgarde-Infanterie-Regiment (1. Großherzoglich Hessischen) Nr. 115 in Darmstadt Leutnant.
Afrikareisender, Historiker und Theaterkritiker
1886 beendete er den Militärdienst, um sein Studium an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der Georg-August-Universität Göttingen wieder aufzunehmen. Zwischenzeitlich unternahm er größere Reisen; so bereiste er 1887 mit seinem Bruder Carl Heinrich Äquatorialafrika. Mit dem 1888 und 1889 erschienenen zweibändigen Werk Die Revolutionen der Jahre 1848 und 1849 in Europa versuchte der damals 24-jährige erfolglos, ohne formales Studium und mündliches Examen einen Doktorgrad zu erlangen. 1890 ließ er sich in Kleinmachnow bei Berlin nieder und begann Schauspiele, Novellen und Romane zu schreiben. 1891 bis 1893 war er Theaterkritiker bei der Neuen Preußischen Zeitung.
Von 1890 bis 1900 verbrachte er während der Sommer viel Zeit in der Gegend seiner Heimatstadt, im neckaraufwärts von Heidelberg gelegenen Nachbarort (heute Stadtteil) Ziegelhausen. Ein bescheidenes, von dichter Vegetation umgebenes Wochenendhäuschen diente ihm als Unterkunft und bot ihm Ruhe, um an seinen Romanen zu arbeiten. Hoch am Hang des Hahnbergs gelegen, bot es eine weite Aussicht auf das Neckartal und bis hinaus auf die Rheinebene. Das Haus ist heute noch erhalten.
Ab 1904 wohnte er auf seinem Gut Lambelhof in Kraimoos bei Bernau am Chiemsee. Aus der Beschäftigung mit der neuen Heimat ging 1929 der Essay Die oberbayrischen Seen hervor.
Mitarbeiter im Kriegspresseamt
1906 heiratete er die promovierte Historikerin Annie Mittelstaedt, Tochter eines preußischen Obersten und einer geborenen Baronin von Collas. Während des Ersten Weltkrieges war er Mitarbeiter im Kriegspresseamt der Obersten Heeresleitung, als vom Generalstab zugelassener Kriegsschilderer verfasste er Propagandaschriften und hielt auch entsprechende Vorträge. Später wurde er Mitglied der NSDAP.
Bereits 1891 hatte er sich mit dem Theaterstück Der Blaue Brief als Schriftsteller durchgesetzt; das Stück behauptete sich monatelang auf dem Spielplan des Deutschen Theaters Berlin und anderer Bühnen. Auch mit seinen zahlreichen Romanen und Novellen hatte Stratz großen Erfolg; die Auflagenzahl von Friede auf Erden hatte 1921 die 230.000 überschritten, Lieb Vaterland lag bei einer Auflage von 362.000. Zu seinen größeren Erfolgen zählt auch der 1913 erschienene Roman Seine englische Frau.
Filmvorlagen für Murnau und Lubitsch
1917 schrieb er unter Verwendung seines 1910 erschienenen zweibändigen Werkes Die Faust des Riesen die Vorlage für den in zwei Teilen erschienenen Film von Rudolf Biebrach. Friedrich Wilhelm Murnau drehte 1921 nach dem gleichnamigen mystischen Kriminalroman von Stratz den Spielfilm Schloß Vogelöd, 1936 erfolgte eine weitere Verfilmung durch Max Obal. Den 1928 als Paradies im Schnee erschienenen Roman schrieb Stratz 1922 nach Aufforderung von Ernst Lubitsch und Paul Davidson als Vorlage für den 1923 unter der Regie von Georg Jacoby realisierten gleichnamigen Film. 1925 und 1926 erschienen seine Lebenserinnerungen in zwei Bänden.
Textgrundlage: https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolph_Stratz

Rudolf Stratz (1904) — Foto: Wikimedia
Lebensdaten
Rudolph Heinrich Stratz (* 6. Dezember 1864 in Heidelberg; † 17. Oktober 1936 in Bernau am Chiemsee) war ein erfolgreicher, heute weitgehend vergessener Romanschriftsteller.
Ehrungen
▪ Rudolph-Stratz-Straßen in Ziegelhausen, Bernau und Neuenheim (1928–1945).
▪ Bandverleihung des Corps Teutonia Göttingen (1929) (Wikipedia)
Werke

Rudolph Stratz: Der Weltkrieg. Ein deutsches Volksbuch von dem Weltgeschehen 1914 bis 1918. Unter Mitwirkung von Generalleutnant a. D. von Metzsch. Mit 108 Porträts in Kupfertiefdruck und 33 Kartenskizzen. 440 Seiten. Verlag August Scherl, Berlin (41. bis 50. Tausend, 1933)
Weitere Sachbücher
▪ Die Revolutionen der Jahre 1848 und 1849 in Europa. Winter, Heidelberg 1888/90. Band 1: Die Februar-Revolution und ihre nächsten Folgen. 1888. Band 2: Die Revolutionsereignisse des Sommers 1848. 1890.
▪ Wie's zum Weltkrieg kam. Deutscher Schriftenverlag, Berlin um 1917.
▪ Zum Jahrestag unseres Friedensangebots. Kriegs-Presse-Amt, Berlin 1917.
▪ Die deutsche Landwirtschaft im Krieg. Kriegs-Presse-Amt, Berlin 1917.
▪ England. Kriegs-Presse-Amt, Berlin 1917.
▪ Frankreich. Kriegs-Presse-Amt, Berlin 1917.
▪ Italien. Kriegs-Presse-Amt, Berlin 1917.
▪ Rußland. Kriegs-Presse-Amt, Berlin 1917.
▪ Der Balkan. Kriegs-Presse-Amt, Berlin 1918.
▪ Der Orient. Kriegs-Presse-Amt, Berlin 1918.
▪ Kaspar Hauser. Wer er nicht war – wer er vielleicht war. A. Scherl, Berlin 1925.
▪ Die oberbayrischen Seen. Velhagen & Klasing, Bielefeld 1929.
Autobiographisches
▪ Lebenserinnerungen. A. Scherl, Berlin 1925/26. Band 1: Schwert und Feder. Erinnerungen aus jungen Jahren. 1925. Band 2: Reisen und Reifen. Der Lebenserinnerungen zweiter Teil. 1926.
▪ Mein Schaffen. A. Scherl, Berlin 1928.
Volltexte
■ Werke von Rudolph Stratz im Projekt Gutenberg ⋙ Link
Kriegsschilderer
Der Begriff Kriegsschilderer bezeichnet Personen, die die Kampfhandlungen oder das Frontleben literarisch, journalistisch oder künstlerisch darstellen. Im Kontext der Weltkriege handelte es sich um vom Generalstab autorisierte Berichterstatter, die Propagandaschriften verfassten, aber auch um Autoren, die ihre Fronterlebnisse verarbeiteten. Sie sind vom direkten Frontdienst befreit, um über den Krieg zu berichten, und bewähren sich in ihrer Art, ähnlich wie Militärärzte, wobei ihre Darstellung oft heroisierend oder propagandistisch gefärbt sein konnte. Autorisierte Kriegsschilderer waren Rudolf Stratz und Ernst Jünger („In Stahlgewittern“). Als Kriegsschilderer wurden auch Schriftsteller wie Churchill, Tolstoi oder Hemingway bezeichnet, die Kriegserfahrungen literarisch verarbeiteten. (Übersicht mit KI)