Artefakte und Produkte
Schweinfurter Grün
Mit dieser strahlenden Farbe malten Claude Monet, Paul Gauguin und Vincent van Gogh. Sie enthält Arsen, das auch für Bibliotheken zum Problem wird.
Der Gegenwart. — 6. Mai 2024
Gesucht wird nach alten Büchern mit auffällig grünen Einbänden oder Buchschnitten. Das damals zur Herstellung von Büchern genutzte „Schweinfurter Grün“ ist verdächtig Arsen zu enthalten. Die toxische Substanz wurde vor allem im 19. Jahrhundert als Schutz vor Parasiten aufgetragen. Deshalb werden in zahlreichen Universitäten nun grüne Bücher aus dem 19. Jahrhundert zunächst für die Öffentlichkeit gesperrt und dann nach und nach überprüft. […] Gefährlich könnte es werden, wenn man beim Umblättern die Finger befeuchtet oder wenn arsenbelasteter Staub eingeatmet wird oder in die Augen gerät. Denn Arsen ist giftig und krebserregend. Doch solange die Bücher im Regal stehen, gelten sie als unbedenklich.
Anja Braun/SWR: „Belastung mit Arsen: Universitäten sperren und prüfen tausende Bücher“, 14.3.2024
Im Jahr 1805 entdeckte der österreichische Techniker Ignaz von Mitis ein Fällungsprodukt, das nach ihm Mitisgrün genannt wurde. Erstmals hergestellt wurde dieses Pigment um 1805 in Kirchberg am Wechsel, weshalb es auch Kirchberger Grün genannt wurde. Die erste industrielle Fertigung von Mitisgrün fand im unterfränkischen Schweinfurt durch den Industriellen Wilhelm Sattler statt, das Produkt wurde nach diesem Fabrikationsort benannt. 1814 wurde die Produktion nach Schonungen im Landkreis Schweinfurt verlegt.
Das Pigment kam unter einer Vielzahl von Namen in den Handel, etwa 80 sind bekannt. 1822 legte Justus von Liebig, der Sohn eines Drogisten und Farbenhändlers, die chemischen Verfahren zur Bereitung der Farben offen, die bis dahin „das unpatentisirte Monopol weniger Fabriken“ waren und als Betriebsgeheimnis behandelt wurden.
Warnung vor dem Gebrauch von Tapeten
Im März 1839 warnte die Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg vor dem Gebrauch von Zimmeranstrichen und Tapeten, „welche mit einem, arseniksaures Kupfer enthaltenden Pigmente, dem sogenannten Scheeleschen oder Schweinfurter Grün tingirt sind“, da solche „nach unzweifelhaften Erfahrungen“ den Bewohnern schädlich werden könnten. Den Nachweis der giftigen Wirkung von mit Schweinfurter Grün bedruckten Tapeten veröffentlichte erstmals der Merseburger Arzt Carl von Basedow im Jahr 1844. Er zeigte, dass ein bestimmter Pilz (Penicillium brevicaule) aus leimgebundenem Schweinfurter Grün organische Arsenverbindungen freisetzt, die über die Atemluft zu Vergiftungen führen.
Lange Zeit wurde über die Todesursache von Napoleon Bonaparte spekuliert, die in einer Arsenvergiftung aus der Tapetenfarbe ihre Begründung finden könnte. Dies wurde jedoch 2008 durch eine italienische Forschergruppe in Frage gestellt, die durch Haaranalysen zu dem Ergebnis kam, dass in allen betrachteten Lebensphasen ähnlich hohe Gehalte des giftigen Halbmetalls im Körper vorhanden waren und somit keine (zumindest absichtliche) Vergiftung vorliegt.
Im 19. Jahrhundert bei Büchern eingesetzt
1882 wurde Schweinfurter Grün als Farbstoff im Deutschen Reich verboten, seit 1887 gelten Verbote für die Verarbeitung in wässerigen Bindemitteln und in Pastell. Danach wurde es noch als Insektizid und als Schiffsanstrich verwendet.
Im 19. Jahrhundert kam Schweinfurter Grün auch bei Büchern zum Einsatz und kann sich unter anderem auf Einbänden, Buchschnitten, Titelschildern sowie in Druck- oder Handkolorierungen von Illustrationen finden. Die Kommission Bestandserhaltung des Deutschen Bibliotheksverbands erstellte eine Handreichung zu arsenhaltigen Pigmenten. Danach können nicht nur grüne Farbtöne betroffen sein, sondern auch weitere Farben, weshalb die Einschätzung von Fachleuten vorgenommen werden sollte. Ab Februar 2024 sperrten mehrere Bibliotheken ihre Bestände aus dem 19. Jahrhundert, um sie auf Arsenbelastung zu überprüfen.
Textgrundlage: https://de.wikipedia.org/wiki/Schweinfurter_Gr%C3%BCn
Fakten
Schweinfurter Grün (auch Pariser Grün, Patentgrün oder Mitisgrün) oder Kupfer(II)-arsenitacetat ist ein Doppelsalz, das Kupfer, Arsen und das Anion der Essigsäure enthält. Die chemische Formel wird mit Cu(CH3COO)2 · 3 Cu(AsO2)2 angegeben. Das Pigment wurde kurz nach seiner industriellen Einführung für die Malerei entdeckt und von etlichen Firmen in Europa hergestellt. Es wurde wegen seiner Farbintensität und Lichtechtheit geschätzt, allerdings war seine Giftigkeit schon früh bekannt. Die Strahlkraft und der Farbton von Schweinfurter Grün sind einmalig und das Pigment wurde im 19. Jahrhundert von vielen Impressionisten und Post-Impressionisten verwendet, beispielsweise Claude Monet, Édouard Manet, Vincent van Gogh und Paul Gauguin. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis etwa zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurde es als eines der ersten Pflanzenschutzmittel eingesetzt. (Wikipedia)
