Machtworte – Inspektion der Herrschaftssprache
Überwiegend friedlich
Boris Reitschuster ärgert sich: »Silvester wie im Bürgerkrieg, aber sie spielen alles herunter / Warum Beschwichtigung gefährlicher ist als Randale selbst«
Der Gegenwart. — 1. Januar 2026
Von BORIS REITSCHUSTER. | Eigentlich sollte das hier ein bewegender Neujahrstext werden, und die Glückwünsche aufgreifen und vertiefen, die ich heute Nacht in den sozialen Medien geteilt habe: Nach dem Aufwachen sah dann aber alles leider, leider ganz anders aus. Auch wenn ich es mir gestern bzw. heute Nacht schon so habe vorstellen lassen – ich will mich einfach nicht daran gewöhnen, ich will einfach nicht aufhören, mich darüber zu wundern, zu entsetzen.
Es begann mit einem Video auf der Internet-Seite der „Bild“ – Reporter-Berichte über die Neujahrsnacht. Und es wirkte wie Frontberichterstattung. Regelrechte Straßenschlachten, brennende Barrikaden, Angriffe auf die Polizei. […]
Rot-grüne Medien wie der „Spiegel“ bringen oben auf der Seite nur eine einzige, zusammenfassende Meldung – alles andere, so wohl die Furcht in der Redaktion, könnte zu viel Realität sein für die Leser und diese beunruhigen bzw. rot-grüne Weltansichten ins Wanken bringen.
Mein erster Instinkt als Journalist: Eine detaillierte Übersicht über die Ereignisse, dann eine Übersicht, wie über sie berichtet wird, wie die ganzen Propaganda-Medien von ARD und ZDF über „Spiegel“ und „Zeit“ bis hin zu „Süddeutscher Zeitung“ und „Tagesspiegel“ versuchen, den üblichen Spagat zu machen – nicht alles verschweigen, aber doch so zu berichten, dass es nicht beunruhigt und die Risse in ihrer Ideologie nicht sichtbar sind.
Doch dann habe ich den Instinkt gestoppt und mir gesagt: Es ist jedes Mal das Gleiche – alle Jahre wieder. Nicht nur an Silvester. Bis hin zum Rückblick am nächsten Tag, dass so gut wie alle wieder frei sind, die festgenommen wurden, und dann Monate später, dass es bis auf wenige Potemkinsche Ausnahmen keine wirklich schmerzenden Strafen gibt.
* * *
„Wasserwerfer zur Beruhigung“
Für Berliner Verhältnisse sei die Silvesternacht ruhiger gewesen als sonst, teilt die Polizei mit. […] Insgesamt wurden etwa 800 Ermittlungen wegen verschiedener Delikte eingeleitet. Meistens ging es um Verstöße gegen das Waffengesetz und das Sprengstoffgesetz. Dazu kamen Angriffe auf Polizisten, Widerstand, Brandstiftungen, Körperverletzungen und Landfriedensbruch. [...] Vor allem durch die zahlreichen Angriffe mit Feuerwerkskörpern zählte die Polizei 35 verletzte Beamte, 2 davon so schwer, dass sie stationär in Krankenhäusern aufgenommen werden mussten.
Gezielt angegriffen
Nachdem die einschlägig Verdächtigen in Berlin wiederholt versuchten, die Schlacht um Pokrowsk nachzustellen, behauptet das Establishment, die Nacht wäre ruhig und friedlich verlaufen. Das nun wieder bringt selbst die Polizeigewerkschaften in die missliche Lage, widersprechen zu müssen. Dass zahlreiche Einsatzkräfte gezielt angegriffen wurden, lässt sich einfach nicht unter den Tisch kehren. Ob ein herbeiphantasiertes Böllerverbot den jährlichen Straßenkrieg verhindern würde, ist höchst fraglich. Messer sind ja auch verboten.
Rainer K. Kämpf: „Die Schlacht in Berlin“, 1. Januar 2026 ⋙ Link
Unter Beschuss
SILVESTER-CHAOS UND ESKALATION: So heftig feierte Deutschland ins neue Jahr 2026 – Reporter vor Ort (BILD; 1.1.2026; 6:24 min.)
»Deutschland startet ins neue Jahr. Die Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst sind im Dauereinsatz und unter Beschuss. In Hamburg muss sich die Polizei vor den Böller-Chaoten zurückziehen. BILD-Reporter sind in ganz Deutschland die ganze Silvesternacht unterwegs Quelle: BILD«
Widerstände gegen Polizei
[MASSIVE AUSSCHREITUNGEN AN SILVESTER] BÖLLER-ANGRIFF GEGEN POLIZEI | Silvesternacht Hamburg | DOKU (Einsatz-Report24; 1.1.2026; 17:14 min.)
»Schwere Ausschreitungen zum Jahreswechsel in Hamburg: Massiver Böllerbeschuss in Hamburg-Steilshoop gegen Polizeikräfte und Passanten - mehrere Festnahmen und Widerstände gegen Polizeibeamte – Polizei bündelt zahlreiche Kräfte um gegen die Ausschreitungen vorzugehen, Feuerwehr Hamburg im Dauereinsatz bei diversen Bränden zu Silvester.«