Artefakte und Produkte
SMS Arminius
Der Stolz der Marine wurde in London bestellt, weil keine Werft in Preußen vor der Reichsgründung ein Panzerschiff bauen konnte.
Der Gegenwart. — 22. Januar 2026
Nach den Erfahrungen mit schwer gepanzerten Schiffen im Krimkrieg beschloss Preußen, entsprechende Schiffe zu beschaffen, und bestellte 1863 als erstes Panzerschiff die Arminius. Da keine Werft in Preußen solche Schiffe bauen konnte, wurde es bei der Werft Samuda Brothers auf der Isle of Dogs bei London bestellt. Die Kiellegung erfolgte 1863, der Stapellauf am 20. August 1864. Als Auslieferungstermin war der September 1864 vorgesehen, aber der zweite Deutsch-Dänischen Krieges 1864 verzögerte die Auslieferung bis zum 22. April 1865.
Die Baukosten beliefen sich auf 628.949 Taler. Hierzu kamen bis Ende 1868 noch 10.993 Taler für Umbau- und Reparaturmaßnahmen. Der größte Teil der Summe von 458.536 Talern, einem Neugroschen und acht Pfennigen kam aus einer „nationalen Sammlung für die preußische Flotte“.
Im Deutschen Krieg wurde die Arminius unter Korvettenkapitän Reinhold Werner auf der Elbe und auf der Weser eingesetzt, wo sie mehrere Küstenbatterien und Forts des Königreichs Hannover widerstandslos außer Gefecht setzte. Ab 1867 gehörte die Arminius zur Marine des Norddeutschen Bundes.
Während des Deutsch-Französischen Krieges bewachte die Arminius als Teil des Hauptgeschwaders der Marine des Norddeutschen Bundes die Weser- und Jademündungen. Dort kam es am 24. August 1870 zu einem kurzen folgenlosen Schusswechsel mit der französischen Panzerkorvette Atalante. 1871 wurde die Arminius in die Kaiserliche Marine eingegliedert. Ab 1875 diente das Schiff als Maschinistenschulschiff, als Eisbrecher vor Kiel und Flensburg sowie als Tender.
Die Arminius wurde am 2. März 1901 aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen, 1902 verkauft und in Hamburg abgewrackt.
Konstruktion
Die Arminius war vollständig aus Eisen gebaut, mit einem einfachen glatten Boden und mit fünf wasserdichten Querwänden, von denen drei bis zum Zwischen- und zwei bis zum Oberdeck hinaufreichten.
Auf dem Deck befanden sich die beiden nach Cowper Phipps Coles’ Plänen gebauten, drehbaren Geschütztürme, der Kommandantenturm sowie zwei Masten (Fock- und Großmast). Der Fockmast führte Rah- und der Großmast Gaffelsegel. Die gesamte Segelfläche betrug ca. 540 m². Die Besegelung bewährte sich allerdings nicht und wurde später wieder entfernt. Die Reling bestand aus dicht nebeneinander stehenden ca. 6,35 mm starken Stahlblechen von ca. 1,15 m Höhe. Diese konnten im Gefecht nach außen abgeklappt werden, um sowohl die Zielfläche zu verkleinern als auch um den Geschützen, die paarweise in den Geschütztürmen eingebaut waren, freies Schussfeld zu verschaffen, da die Seelenachse der Geschütze nur ca. 46 cm über der Deckfläche lag.
Maschinenanlage
Die Maschinenanlage bestand aus vier Dampfkesseln und einer Zweizylinder-Dampfmaschine mit einfacher Dampfdehnung und einer Leistung von 300 nominellen Pferdestärken. Bei dem Begriff „nominelle PS“ handelte es sich um einen fiktiven Wert, der sich im Wesentlichen aus dem Zylinderdurchmesser und dem Kolbenhub errechnete. Die Maschinenanlage wurde von der Firma Penn and Son in Greenwich geliefert.
Panzerung
Der Gürtelpanzer, der vollständig um das Schiff gelegt war, bestand aus der ca. 19 mm (3/4 in) starken eigentlichen Schiffswand, einer darauf aufliegenden ca. 22,9 cm starken Teakholz-Zwischenlage und schließlich dem aus massiven ca. 11,4 cm starke Eisenplatten bestehende Panzer. Der Gürtel reichte von der Deckoberkante bis ca. 76 cm unter die Wasserlinie.
Bewaffnung
Ursprünglich waren für die Arminius vier englische gezogene 120-Pfünder-Geschütze vorgesehen. Als die immer stärker werdenden Schiffspanzer ein stärkeres Kaliber erforderlich erscheinen ließen, sollte sie 300-pfündige Armstrong-Hinterlader, Kaliber 10 1/2 Zoll, erhalten. Schließlich entschied man sich für vier gezogene 72-Pfünder aus kruppschem Gussstahl (offizielle Bezeichnung: „Gußstahl 72-Pfünder, 144 Zoll (3,75 m) lang, 135 Zentner schwer“). Diese Geschütze konnten mit einer Pulverladung von 16 Pfund und einem Vollgeschoss von 225 Pfund Gewicht auf eine Entfernung von 650 Schritt eine massive 4 1/2-zöllige (ca. 11,5 cm) Panzerplatte durchschießen.
Nach kurzer Zeit stellte man jedoch fest, dass auch diese Kanonen auf Dauer den Anforderungen nicht gerecht werden konnten, daher wurden die gussstählernen Geschütze durch solche aus Bronze ersetzt, da aufgrund der höheren Zähigkeit der Bronze die Pulverladung entsprechend erhöht werden konnte (offizielle Bezeichnung: „Bronzener 72-Pfünder, 144 Zoll (3,75 m) lang“). Mit diesem Geschütz konnte man mit einer Pulverladung von 22 Pfund und einem Vollgeschoss von 210 Pfund noch auf eine Entfernung von 1500 Schritt eine massive 5-zöllige (ca. 12,5 cm) Panzerplatte durchschießen.
Textgrundlage: https://de.wikipedia.org/wiki/Arminius_(Schiff)
Das Panzerschiff Arminius
Die Arminius, benannt nach Arminius, dem Fürsten der Cherusker im 1. Jahrhundert, war ein Panzerschiff (Turmschiff) der Preußischen und Norddeutschen Marine, das bei der Reichsgründung 1871 von der Kaiserlichen Marine übernommen wurde. Wegen seines ausgeprägten Rammbugs wird es als Widderschiff bezeichnet.

Die auf der SMS Arminius installierte Riesenkanone
Bildquelle: Illustrirte Zeitung, Bd. 43 (1864) / Wikimedia
Aus London nach Danzig
Es ist wohl zu beachten, daß gleichzeitig mit der Verlegung der Flottenstation nach Kiel durch Ordre vom 24. März die Auflösung des bis dahin dort stationirten Ostsee-Geschwaders befohlen wurde. Der König bestimmte in jener Ordre namentlich auch, daß die Korvetten Gazelle, Augusta, Victoria und der Aviso Preuß. Adler, sobald es die Verhältnisse gestatten, nach Danzig übergeführt und Behufs Instandsetzung außer Dienst gestellt werden sollten. Der Aviso Loreley aber und einige Kanonenboote wurden zu Vermessungsarbeiten in der Nordsee bestimmt. Im Hafen von Kiel sind zurückgeblieben: die Korvette Arkona als Kommando-Wachtschiff, Korvette Vineta zum Kreuzen in der Ostsee und zum Transportdienst bei der Uebersiedelung der Stamm-Division u. s. w., ferner (in Folge neueren Befehls) einstweilen die Korvette Augusta und zwei Kanonenboote erster Klasse. Die Korvette Augusta soll jedoch in Kurzem, jener Ordre zufolge, Behufs Instandsetzung nach Danzig gehen. Später wird dieselbe aber, sowie auch die Korvette Victoria, welche gegenwärtig das Panzerschiff Arminius aus London nach Danzig begleitet, und die Korvette Gazelle, welche von Cherbourg nach Danzig geht, nach erfolgter Instandsetzung nach Kiel zurückkehren, insoweit die Räumlichkeiten zur Unterbringung des Inventars dort beschafft sein werden.
Provinzial-Correspondenz. No. 17. Dritter Jahrgang. 26. April 1865.
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Den Befehl über Seiner Majestät Segel- und Dampfschiffe können nur Seeleute übernehmen.
Die Kommandanten
22. April 1865 bis 12. Juni 1865
Kapitänleutnant Marinus Struben
14. Mai 1866 bis 20. Oktober 1866
Korvettenkapitän Reinhold von Werner
28. September 1868 bis 15. oder 29. November 1868
Korvettenkapitän Eduard Arendt
19. Juli 1870 bis 27. April 1871
Korvettenkapitän Otto Livonius
1. Mai 1872 bis 1. Oktober 1872
Kapitänleutnant/Korvettenkapitän Philipp von Kall
16. April 1873 bis 31. Mai 1873
Kapitänleutnant Heinrich Holzhauer
17. März 1874 bis 31. Mai 1874
Korvettenkapitän Philipp von Kall
15. März 1875 bis 31. Mai 1875
Kapitänleutnant Günther von Zitzewitz
Seiner Majestät Schiff
Seiner Majestät Schiff sowie die für diese Phrase stehenden Abkürzungen S.M.S. bzw. SMS wurde in deutschsprachigen monarchischen Marinen sowie in der Literatur hierüber als Präfix zum jeweiligen Schiffsnamen genutzt. So wurden zum Beispiel der deutsche Kreuzer Emden als „SMS Emden“ oder das österreichische Schlachtschiff Viribus Unitis als „SMS Viribus Unitis“ bezeichnet. Wurde gegenüber dem Souverän von einem mit S.M.S. bezeichneten Schiff gesprochen, hieß die Benennung „Eurer Majestät Schiff …“. Sprach umgekehrt der Souverän von einem derart bezeichneten Schiff, verwendete er die Floskel „Mein/Unser Schiff …“. Offizielle Erlasse zur verpflichtenden Benutzung dieser Bezeichnung, wie sie zum Beispiel für das in der United States Navy genutzte Präfix USS existieren, sind nicht bekannt. Auf Dienstsiegeln von Schiffen der Kaiserlichen Marine wurde wohl immer die Variante S.M.S. mit dem Schiffsnamen verwendet. (Wikipedia)