Das deutsche Volk wurzelt in den germanischen Stämmen: „Germaanse Volksvergadering“, die Versammlung freier Männer — Illustration (1878/81): Charles Rochussen/Wikimedia

Skulptur des Tacitus
Skulptur des Tacitus
am Parlamentsgebäude
in Wien — Foto: Pe-Jo/Wikipedia

Lebensdaten

Publius Cornelius Tacitus (* um 58, † um 120) war ein bedeutender römischer Geschichtsschreiber, Politiker und Senator. Tacitus’ ganz oder weitgehend erhaltene Schriften sind Agricola, Germania, Dialogus de oratoribus, Historien und Annalen. Sowohl die Historien als auch die Annalen gehören zu den bekanntesten und wichtigsten historischen Schriften der römischen Geschichte, sind aber nur teilweise erhalten. Die Germania ist eine bedeutende ethnographische Darstellung verschiedener Stämme der Germanen, die eine interessante Rezeptionsgeschichte aufweist.

Quellen

Tacitus selbst war nie in Germanien gewesen. Wahrscheinlich ist, dass er sein Wissen größtenteils aus literarischen Quellen bezog, wie aus Gaius Iulius Caesars Werk über den Gallischen Krieg (De bello Gallico) und dem darin enthaltenen Germanenexkurs. Womöglich zog er auch andere schriftliche Quellen zu Rate, in Frage kommen unter anderem der Germanenexkurs im Geschichtswerk des Titus Livius und die bella Germaniae („Germanenkriege“) des älteren Plinius. Es gilt als wahrscheinlich, dass auch mündliche Berichte von zeitgenössischen Germanien-Reisenden in sein Werk eingeflossen sind.

Antike

In der Antike fand Tacitus relativ wenig Beachtung, obwohl er, wie Plinius belegt, bei seinen Zeitgenossen als Schriftsteller großen Ruhm genoss. Durch den großen Erfolg Suetons erlosch die traditionelle Form der Geschichtsschreibung im lateinischen Westen (besonders in ihrer spezifischen senatorischen Form, für die Tacitus stand) bis in die Spätantike; zumindest kennen wir keine entsprechenden Werke. Dort dominierte, anders als im griechischen Osten, fortan das Genre der Kaiserbiographien. Zudem galten Tacitus’ Sprache und Stil vielen vermutlich als zu anspruchsvoll. Ammianus Marcellinus schloss mit seinem umfassenden Geschichtswerk im späten 4. Jahrhundert bewusst an Tacitus an; nicht wenige Historiker, darunter Syme, sehen Ammianus sogar als (literarischen) „Erben des Tacitus“ an. Sidonius Apollinaris (5. Jahrhundert) hat Tacitus offenbar gelesen, und der Kirchenvater Hieronymus fasste die Annalen und die Historien als eine 30 Bücher umfassende Kaisergeschichte auf.

Mittelalter

Im Mittelalter gerieten die Schriften des Tacitus fast völlig in Vergessenheit. Immerhin gibt es jedoch eine umfangreiche Benutzung der Germania in der Einleitung zur Translatio s. Alexandri des Rudolf von Fulda, der für eine Beschreibung der Sachsen des 9. Jahrhunderts die Germanencharakteristik des Tacitus nahezu wörtlich verwendet.

Neuzeit

In der Zeit des Humanismus (15./16. Jahrhundert) wurden die Schriften des Tacitus (vor allem die Germania, aber auch die Kapitel über Arminius in den Annalen) nach ihrer Wiederauffindung und Publizierung in Erstdrucken dann zu einer wichtigen Grundlage eines entstehenden Nationalbewusstseins. Deutsche Humanisten nahmen die positive Charakteristik der Germanen durch Tacitus begeistert auf und zogen sie recht unkritisch und in wörtlicher Übernahme zur Darstellung „des“ deutschen Nationalcharakters heran. Auch die Gestalt des Arminius entwickelte sich zum deutschen Nationalhelden und zum Vorkämpfer deutscher Freiheit gegen Rom (vgl. vor allem den Arminius des Ulrich von Hutten). In der Zeit der Französischen Revolution wurde er als Vorkämpfer gegen die Unterdrückung gefeiert, später wurde er jedoch teils sehr kritisch betrachtet (Theodor Mommsen). (Wikipedia)

 

Tacitus sieht alle Germanen als ursprünglich an, d. h. alle haben dieselbe Herkunft und sind nicht mit anderen Völkern vermischt und seien auch nicht nach Germanien eingewandert. Charakterzüge, die er im allgemeinen Teil dem gesamten Volk zuschreibt, führt er auf diese gemeinsame Herkunft zurück. Das kann Tacitus allerdings nicht belegen, er geht schlicht davon aus, dass kein Volk freiwillig in dieses karge Land gezogen sein könnte, um sich mit den Germanen zu vermischen.

Wikipedia

 

Germania magna im frühen 2. Jahrhundert, Karte von Alexander George Findlay aus dem 19. Jahrhundert — Illustration: Wikimedia — Zum Vergrößern ⋙ Link
Germania magna im frühen 2. Jahrhundert, Karte von Alexander George Findlay aus dem 19. Jahrhundert — Illustration: Wikimedia — Zum Vergrößern ⋙ Link

Germania magna

Als Germanen wird eine Gruppe von ehemaligen Stämmen in Mitteleuropa und im südlichen Skandinavien bezeichnet, deren Identität in der Forschung traditionell über die Sprache bestimmt wird. Kennzeichen der germanischen Sprachen sind unter anderem bestimmte Lautwandel gegenüber der rekonstruierten indogermanischen Ursprache, die als germanische oder erste Lautverschiebung zusammengefasst werden. Das von den Germanen bewohnte Siedlungsgebiet wurde entsprechend von den Römern als Germania magna bezeichnet. Ab der Zeitenwende prägte der Kontakt mit den Römern die germanische Welt, wie auch die Entwicklung des Römischen Reiches sich zunehmend mit der germanischen Welt verband. In der Spätantike kam es im Verlauf der „Völkerwanderung“ zu weitreichenden Zügen mehrerer germanischer Stämme (gentes), die teilweise größere Verbände bildeten, und schließlich zu deren Einfall in das Römische Reich. Ihr Ziel war vor allem Teilhabe am Wohlstand des Imperiums, dessen Strukturen und Kultur sie keineswegs zerstören wollten. Einige dieser Gruppen gründeten Reiche nach antikem römischen Vorbild auf dem Boden des Westreiches, das um das Jahr 476 unterging. Elemente der germanischen Religion und des religiösen Brauchtums wurden unter anderem durch Akkommodation in das angenommene Christentum übertragen. In der neueren Forschung wird dabei die Sammelbezeichnung Germanen zunehmend kritisch gesehen, da die so bezeichneten Gruppen sich niemals als Einheit verstanden hätten, sondern es sich um eine reine Fremdbezeichnung handle, die Unterschiede verwische. Dieser Artikel beschreibt die allgemeine Geschichte der germanischen Völker, beginnend vor der Zeitenwende, bis in die Spätantike bzw. das beginnende Frühmittelalter. In der Forschung wird auch die Geschichte Skandinaviens bis ins Mittelalter im germanischen Kontext gesehen. (Wikipedia)

 

Respekt auch für Straftäter

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hat mehr Respekt für gut integrierte Migranten gefordert. Fast 25 Millionen Menschen und damit fast 30 Prozent der Menschen in Deutschland hätten einen Migrationshintergrund. […] Faeser kritisierte den Vorschlag von CDU-Chef Friedrich Merz, Straftätern mit Doppelpass die deutsche Staatsbürgerschaft zu entziehen. Das führe zu einem Gefühl, dass es Bürger erster und zweiter Klasse gebe. „Das ist eine Diskussion auf dem Rücken von Menschen, die sich das Leben in Deutschland hart erarbeitet haben“, sagte Faeser. Die Forderung der AfD nach „Remigration“, also Rückführungen im großen Stil, wertete die Ministerin als „Menschenverachtung“ und schädlich für den Standort Deutschland.

BR24 Redaktion: »Bundesinnenministerin Faeser fordert mehr Respekt für Migranten«, 15.1.2025