Hinweise auf Menschen
Theo Jansen
Aus Kunststoffrohren und Kabelbindern erschafft der Gott der Strandbiester kinetische Kunstobjekte. Sind die Maschinenwesen nun mehr Tiere oder Aliens?
Der Gegenwart. — 14. September 2022
In den 80er Jahren war ich Kolumnist für die niederländische Zeitung De Volkskrant. Die Artikel, die ich schrieb, waren eine Art Fantasiereise. In einer dieser Kolumnen schrieb ich über eine Art Skelette am Strand, die sich durch den Wind bewegten. Sie schaufelten Sand auf, und meine Idee war, dass sie auf diese Weise die Dünen erhöhen und die Niederlande vor dem steigenden Meeresspiegel schützen würden. Ich war von dieser Idee besessen und kaufte in einem Baumarkt ein Elektrizitätsrohr. Nach einigen Experimenten damit hatte ich so viele Ideen und Inspirationen gesammelt, dass ich mir versprach, mich ein Jahr lang mit diesem Material zu beschäftigen. Dieses Vorhaben geriet völlig aus dem Ruder. Im Frühjahr bringe ich ein neues Tier an den Strand, das ich im Winter gebaut habe. Der Prozess des Denkens und Entwerfens geht dem Bau voraus. Während des Sommers mache ich alle möglichen Experimente mit dem Sand, dem Wind und dem Wasser. Am Ende des Sommers habe ich alle möglichen Anpassungen an dem Tier vorgenommen, und ich bin viel klüger geworden. Dann erkläre ich die Bestie für ausgestorben. Mit anderen Worten: Die Entwicklung eines neuen Strandtiers dauert durchschnittlich ein Jahr.
Theo Jansen auf strandbeest.com
Die Kreaturen von Theo Jansen wirken wie Aliens. Und wie bei einer Begegnung mit Außerirdischen sicherlich widerstrebende Gefühle wie Interesse und Erschrecken auftreten werden, so sieht man mit Faszination, aber auch mit einer Portion Grusel die Kreaturen von Theo Jansen.
Mag sein, daß die Strandbiester schon weithin bekannt sind. Es wird aber immer noch Leute geben, die sie zum ersten Mal sehen. Deshalb stellen wir Theo Jansen und seine Strandbeesten hier vor.
Wikipedia weiß: „Bei der US-Raumfahrtbehörde NASA wird die Idee untersucht, für die extrem heiße Oberfläche der Venus einen Rover zu entwickeln, der sich nach dem Prinzip eines Strandbeests bewegt.“ – Na, sag ich doch: bei den Aliens.
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Jansen studierte sieben Jahre lang Physik an der Universität Delft, verließ die Universität aber 1974 ohne Abschluss. Nach dem Studium begann er als Künstler zu arbeiten. Zunächst beschäftigte er sich ausschließlich mit Malerei. 1980 baute er eine „Fliegende Untertasse“, die er über Delft fliegen ließ und damit für große Aufregung sorgte.
Seit 1990 entwickelt er kinetische Kunstobjekte, die er Strandbeesten (‚Strandtiere‘) nennt. Es handelt sich um gehende Maschinen, die aus gelben Plastikrohren, Kabelbindern, Nylonfäden und Klebebändern konstruiert sind. Die Umwandlung von einer geradlinigen Bewegung in eine Drehbewegung (und umgekehrt) erfolgt dabei über Koppelgetriebe. Die für ihre Bewegung notwendige Energie beziehen sie aus dem Wind oder Druckluft. Die zum Teil Tieren ähnlich sehenden und an Fabelwesen erinnernden skelettartigen Gebilde befinden sich nach Angaben des Künstlers bereits in der 7. Generation einer Evolution in Richtung „eigenständig lebender Wesen“. Die Strandbeesten können sich grob an ihrer Umwelt orientieren. So verankern sie sich bei einem aufkommenden Sturm selbstständig im Sand, erkennen mit ihren Fühlern Hindernisse und ändern die Laufrichtung, wenn sie ins Wasser geraten.
Für seine innovative kinetische Kunst bekam Theo Jansen den Sonderpreis der Prix Ars Electronica 2005 zugesprochen. Weitläufig bekannt wurde er 2007 durch den Werbespot der Automarke BMW.
Textgrundlage: https://de.wikipedia.org/wiki/Theo_Jansen
Strandbeesten
Strandbeesten sind kinetische Kunstobjekte. Der Name ist niederländisch und bedeutet „Strandtier“. Entwickelt werden sie seit 1990 von Theo Jansen. Das große Thema der Strandbeesten ist Evolution. Jede Generation soll besser an ihre Umwelt angepasst sein als die vorhergehende. Seine Arbeit und Detaillösungen beschreibt Jansen oft mit Analogien aus der Biologie.
Um die charakteristische Laufbewegung hinzubekommen, entwickelte Theo Jansen das im Bild zu sehende Bein (siehe die animierten Grafiken in Wikipedia). Um die Proportionen der Stangen zu bestimmen, entwickelte Jansen ein Computerprogramm auf einem Atari-Computer. Der Algorithmus begann mit Zufallswerten, wählte dann die besten aus und erzeugte daraus wiederum Varianten (evolutionärer Algorithmus).
Die ersten so berechneten Zahlen verwendete Jansen beim ersten Strandbeest („Animaris Currens Vulgaris“). Da die Beine sich nicht bewährten, ließ er den Algorithmus noch einmal laufen. Die resultierenden Zahlen – von ihm als „(eleven) holy numbers“ bezeichnet – haben sich bis heute bewährt.
Die Kinematik der Beine wird auch in Lehrbüchern für Technische Mechanik als Beispiel für viergliedrige Koppelgetriebe mit Kurbelschwinge besprochen. Sie ähnelt derer des Klann-Mechanismus und der Laufmaschine von Tschebyschow, die auch Plantigrade Machine genannt wird.
Material
Die Wahl der charakteristischen gelben PVC-Kunststoffrohre (genauer Isolationsrohre) fiel 1990 aufgrund der sehr guten Verfügbarkeit und des Preises. Jansen experimentierte von 1997 bis 2001 auch mit Holz und 2004 mit Stahl, kam aber wieder zum ursprünglichen Material zurück. Jansen nennt die Rohre seine „Proteine“. Die Kunststoffrohre schränken die Gestaltungsmöglichkeiten einerseits zwar ein, andrerseits inspirieren sie ihn auch zu kreativen Problemlösungen.
Energiegewinnung und Speicherung
Die ersten Modelle konnten sich ohne menschliches Zutun nicht bewegen. Konkret mussten die Strandbeesten entweder gezogen oder geschoben werden. Mittlerweile ist für Strandbeesten die Energiegewinnung aus Wind charakteristisch. Spätere Generationen (2001–06) nutzen zusätzlich in PET-Flaschen gespeicherte Druckluft. Diese Flaschen nennt Jansen „Windmagen“.
Gehirn
Spätere Generationen der Strandbeesten (ab 2006) haben Sensoren und Logikbausteine verbaut. Jansen verwendet dazu Druckluft und selbst gebaute Ventile, also Pneumatik. Dieses „Gehirn“ ermöglicht es den Strandbeesten zum Beispiel, die nahende Flut zu bemerken und in Richtung Dünen zu laufen bzw. sich bei einem Sturm zu verankern.
Verbindungstechnik
Ursprünglich wurden die Strandbeesten von Klebeband zusammengehalten. Da sich das nicht bewährte, tüftelte Jansen weiter. Für die heutigen Strandbeesten verwendet Jansen Kabelbinder, Nylonschnur, Klebeband und Silikongel.
Größe
Das „Animaris Rhinoceros Lignatus“ aus Holz wog 250 kg. Das wohl schwerste Strandbeest ist das „Animaris Rhinoceros Transport“. Es ist aus pulverbeschichtetem Stahl gebaut, wiegt 3,2 Tonnen und misst etwa 4,7 × 6 × 5 m.
Modelle
Von den Strandbeesten gibt es Modelle. Sie lassen sich gruppieren in Bausätze und 3D-gedruckte Modelle. Modelle und Nachbauten stellen für Jansen die Vermehrung der Strandbeesten dar.
Bausätze
Der erste Bausatz („Animaris Ordis Parvus“) erschien 2011 in bzw. mit einem japanischen Magazin. Das Heft und die Bauanleitung wurden später ins Englische übersetzt. In Deutschland ist der Bausatz mit dem englischsprachigen Heft (welches auch die Bauanleitung erhält) und einer beiliegenden deutschsprachigen Bauanleitung erhältlich. Die englischsprachige Bauanleitung gibt es auch online. Ein weiterer Bausatz ist das „Animaris Rhinoceros Parvus“.
3D-Modelle
Es werden 3D-gedruckte Strandbeestmodelle in verschiedenen Größen angeboten. Die Modelle sind direkt nach dem Drucken und Reinigen lauffähig. Es ist keine Montage erforderlich. Für Jansen sind diese Modelle die nächste logische Evolution.
Textgrundlage: https://de.wikipedia.org/wiki/Strandbeest

Theo Jansen (2007)
Foto: Axel Hindemith/Wikimedia
Theo Jansen (* 17. März 1948 in Scheveningen) ist ein niederländischer Künstler, der Kunst, evolutionaristische Bionik und Ingenieurwissenschaften kombiniert. Er wuchs als das jüngste von elf Kindern in Scheveningen auf. Theo Jansen spielt Gitarre und singt in der niederländischen Band Mbungo Express. (Wikipedia)
Webseite: strandbeest.com
Der Gott der Strandbiester
Der Gott der Strandbiester – Theo Jansen – Mit seinem wehenden weißen Haar, seinen lebhaften Augen und seiner Begeisterungsfähigkeit entspricht der holländische Künstler Theo Jansen ganz dem Klischee des etwas verrückten Künstlers – oder des mad scientist. Tatsächlich ist Jansen eine charismatische Mischung aus beidem. (26.9.2012)
Ich liebe meine Tiere, aber nicht in der gleichen Weise wie Menschen, dafür sind sie in der Evolution zu weit von uns entfernt.
Theo Jansen
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