Das rätselhafte Voynich Manuscript: Abbildungen aus der „astronomischen“ Sektion — Illustration: Beinecke Rare Book & Manuscript Library, Yale University/Wikimedia

Fakten & Daten

Das Voynich-Manuskript (benannt nach Wilfrid Michael Voynich, der das Manuskript 1912 erwarb) ist ein handschriftliches mittelalterliches Schriftstück, das u. a. im Besitz Rudolfs II. war. Es ist seit 1969 mit der Signatur MS 408 im Bestand der Beinecke Rare Book and Manuscript Library der Yale University in New Haven (Connecticut), Vereinigte Staaten. Das Manuskript ist in einer unbekannten Schrift verfasst. Es wurden im Lauf der Zeit vielfach Ansätze zu einer Entschlüsselung des Manuskripts vorgelegt, bislang konnte jedoch keiner davon einer fachlichen Untersuchung standhalten. Es ist unklar, ob der Text einen sinnvollen Inhalt transportiert. Im Manuskript vorhandene Abbildungen erinnern an botanische, anatomische und astronomische Zusammenhänge und wurden mit Sorgfalt gezeichnet, aufgrund des fehlenden Kontextes ist jedoch auch der Inhalt der Illustrationen Gegenstand von Spekulation.


Rezeption und Wirkung

Das Voynich-Manuskript war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nur wenigen Spezialisten bekannt. Im Laufe der letzten Jahrzehnte jedoch stieg der Bekanntheitsgrad, wodurch es Eingang in Werke der populären Kultur fand und Büchern, Bildern, Musik bis hin zu Computerspielen als Inspiration diente. (Wikipedia)

Voynich-Manuskript als PDF Link 

 

Forschung mit KI-Modellen

Forscher ließen KI auf das Voynich-Manuskript los – das Resultat überrascht (Chronik der Schatten; 14.3.2026; 1:03:54 Std.)

»Das Voynich-Manuskript gilt seit über hundert Jahren als eines der größten ungelösten Rätsel der Weltgeschichte. Das Buch, geschrieben in einer unbekannten Schrift und begleitet von seltsamen Illustrationen, konnte bislang von keiner Sprache eindeutig entschlüsselt werden. Im Jahr 2026 haben mehrere unabhängige Forschungsteams moderne KI-Modelle eingesetzt, um das Manuskript erneut zu analysieren. Die Ergebnisse sind überraschend – und widersprechen sich teilweise. Einige Modelle erkennen sprachähnliche Strukturen, andere sehen lediglich ein komplexes Muster ohne klare Bedeutung. In diesem Video untersuchen wir, was künstliche Intelligenz tatsächlich über das Voynich-Manuskript herausgefunden hat, welche Methoden verwendet wurden und warum die Ergebnisse neue Fragen aufwerfen, statt endgültige Antworten zu liefern.«

 

Forscher und Forschung

Wilfrid Voynich

Voynich war angesichts des Marci-Briefes schnell zu der Überzeugung gelangt, Roger Bacon (gest. 1292/94) sei der Autor des Manuskripts. In den folgenden Jahren bemühte er sich, die Provenienz des Manuskripts zu klären. Von der Annahme, Bacon sei der Autor, gelangte er zu der Hypothese, der englische Mathematiker und Mystiker John Dee sei in den Besitz der Handschrift gelangt – und jener Unbekannte, der das Manuskript später an Rudolf II. verkaufte. Diese Annahme beruhte auf der Kenntnis, dass Dee eine Sammlung von Schriften Bacons besaß und sich zusammen mit dem Spiritisten Edward Kelley in den 1580er Jahren am Hof Rudolfs II. aufhielt. Eine Entschlüsselung des Textes hatte Voynich nicht versucht. Er verschickte vielmehr ab 1919 Kopien des Manuskripts an verschiedene Fachleute. Einer von diesen war Newbold.


William Romaine Newbold

Newbold war Dozent für Philosophie an der University of Pennsylvania in Philadelphia. Er hörte schon 1915 von dem Manuskript, beschäftigte sich damit aber erst nach 1919, nachdem er von Voynich drei Seiten in Photokopie erhalten hatte. Schon nach wenigen Stunden meinte er, einen Schlüssel gefunden zu haben. In der Folge entwickelte er die Theorie einer Mikroschrift. Demnach sollte der eigentliche Inhalt des Manuskripts in mikroskopisch kleinen Unregelmäßigkeiten der Voynich-Zeichen versteckt sein. Bei genauer Betrachtung würden darin altgriechische Kurzschriftzeichen erkennbar. Der so gelesene Text wurde von Newbold einem weiteren Dechiffrierungsschritt unterzogen. Das Resultat bestätigte ihm nicht nur die Urheberschaft Bacons, darüber hinaus verriet es angeblich auch, dass Bacon nicht nur über ein Mikroskop verfügt habe, sondern dass ihm schon die Spiralstruktur des Andromedanebels bekannt gewesen sei.

Über ihre Ergebnisse berichteten Voynich und Newbold im April 1921 in mehreren Vorträgen vor dem College of Physicians und der American Philosophical Society in Philadelphia. Obwohl erste (vermeintliche) Erfolge sich schnell eingestellt hatten, gestaltete sich die weitere Entzifferung ausgesprochen mühsam. Bevor Newbold eine vollständige Decodierung an Voynich liefern konnte, starb er überraschend im September 1926.


Roland Grubb Kent

Kent, ein Freund Newbolds und Professor für vergleichende Philologie an der University of Pennsylvania, kann nicht als Voynich-Forscher im engeren Sinn gelten. Vielmehr unterzog er sich der Aufgabe, den Nachlass seines früh verstorbenen Freundes Newbold zu ordnen und zu editieren. 1928 erschien der von ihm herausgegebene Band The Cipher of Roger Bacon, der dem wissenschaftlichen Ruf seines Freundes erheblich schaden, der Voynich-Forschung jedoch sehr nützen sollte, da der Band erstmals Reproduktionen des Manuskriptes im Druck verfügbar machte. Er rief allerdings auch Kritiker auf den Plan.


John Matthew Manly

Manly, Professor für englische Sprache an der University of Chicago und während des Ersten Weltkrieges Kryptoanalytiker im militärischen Nachrichtendienst der USA, hatte die Forschungen Newbolds schon einige Zeit mit Interesse, aber auch mit Skepsis verfolgt, was aus einem 1921 veröffentlichten Artikel Das geheimnisvollste Manuskript der Welt in der US-Zeitschrift Harpers ersichtlich wird. Auf die Publikation der „Ergebnisse“ meinte er reagieren zu müssen, da er befürchtete, unwidersprochen würden die Thesen Newbolds ungefiltert Eingang in die Geistesgeschichte finden. 1931 veröffentlichte er daher eine vernichtende Kritik an Newbolds Methoden und Ergebnissen.

Er zeigte darin, dass die Mikroschrift nur in der Phantasie Newbolds vorhanden war, dass es sich vielmehr bei den vermeintlichen Kürzeln um Unregelmäßigkeiten bei Auftrag und Abblättern der Tinte auf dem rauen Schreibmaterial handelte. Darüber hinaus wies er darauf hin, dass das von Newbold verwendete Verfahren der Dechiffrierung eine sichere Wiederherstellung eines Originaltextes gar nicht zuließ, vielmehr musste der Dechiffrierer den zu dechiffrierenden Inhalt schon kennen (was eben bei Newbold der Fall war, der genau das fand, was er zu finden hoffte).


Joseph Martin Feely

Feely, ein Anwalt aus Rochester in Maine, stützte seinen Entschlüsselungsversuch lediglich auf eine Abbildung der Manuskriptseite 78r in Newbolds Buch. Er kam zu dem Ergebnis, es handele sich um eine Chiffrierung durch Alphabetsubstitution (d. h., jedes Zeichen des Alphabets wird regelhaft durch ein bestimmtes anderes Zeichen ersetzt, in diesem Fall durch ein Voynich-Zeichen). Als Klartextsprache nahm er Latein an. Eine solch einfache Verschlüsselung könnte bei der vorhandenen Textmenge aufgrund von Häufigkeitsanalysen auch ohne Computer dechiffriert werden, wie Edgar Allan Poe in seiner Erzählung Der Goldkäfer vorführt.

Feely nahm daher weiter an, zuvor seien die lateinischen Wörter durch willkürliches Weglassen von Buchstaben abgekürzt worden. Das angenommene Element der Willkür in der Verschlüsselung hat zur Folge, dass die Entschlüsselung auf einem gehörigen Maß an Subjektivität beruht und damit Irrtümer ermöglicht. Dass der von Feely entschlüsselte Text keinen Sinn ergab, wäre angesichts der üblichen Hermetik frühneuzeitlicher alchemistischer Texte zu tolerieren gewesen. Hätte Feelys Entschlüsselung jedoch zugetroffen, hätte sie auf den von ihm nicht analysierten Seiten ebenfalls zu akzeptablen Lesungen führen müssen.


Hugh O’Neill

O’Neill war ein Botaniker an der Catholic University of America und hatte von einem Kollegen einen Satz Photokopien des Voynich-Manuskripts erhalten. Er versuchte, die in den botanischen Abschnitten abgebildeten Pflanzen zu identifizieren, was bei mittelalterlichen Manuskripten häufig schwierig, im Fall des Voynich-Manuskripts nahezu unmöglich ist. Dennoch meinte O’Neill zwei Pflanzen eindeutig bestimmen zu können, nämlich auf Blatt 93r eine Sonnenblume und auf Blatt 101v eine Art des Spanischen Pfeffers. Das Bemerkenswerte bei diesen Identifizierungen war, dass beide Gewächse in der Alten Welt vor Kolumbus nicht heimisch waren, das Manuskript demnach erst nach 1493 entstanden sein könnte. Das wiederum hieße, dass Roger Bacon nicht der Autor sein kann.


William Friedman

William Friedman war wohl der erste ausgewiesene Experte für Kryptologie, der sich mit dem Voynich-Manuskript befasste. Er war Gründer des Signals Intelligence Service der US-Armee. Unter seiner Leitung wurde während des Zweiten Weltkriegs der japanische PURPLE-Code entschlüsselt. Friedman hatte in den Kriegsjahren einen Vortrag Newbolds gehört und später mit Manly an der Widerlegung der Theorien Newbolds gearbeitet. Im Mai 1944 gründeten die beiden eine Arbeitsgruppe, deren Aufgabe die maschinenlesbare Transkription des Voynich-„Textes“ mittels Lochkarten sein sollte. Die Aufgabe wurde nicht vollendet, da die Gruppe mit Kriegsende auseinanderfiel. Unter Voynich-Forschern ist die Gruppe um Friedman (und das von ihr entwickelte Transkriptionsschema) als FSG (First Study Group) bekannt. Das Voynich-Manuskript scheint Friedman und seine Ehefrau Elizebeth weiter beschäftigt zu haben, da er Ende der 50er Jahre in der Fußnote eines Aufsatzes eine als Anagramm verschlüsselte Hypothese zum Voynich-Code publizierte. Die Auflösung wurde erst nach seinem Tod 1970 bekannt: „Das Voynich-Manuskript stellt einen frühen Versuch der Konstruktion einer künstlichen oder universellen Sprache vom A-priori-Typ dar.“ (William Friedman)

Unter einer künstlichen oder universellen Sprache versteht man eine Plansprache oder logische Sprache. Vom „A-priori“-Typ ist eine solche Sprache dann, wenn sie sich nicht allgemeiner Verständlichkeit halber an existierende Sprachen anlehnt, sondern wenn sie in ihrer Konstruktion logisch-philosophischen Prinzipien folgt. Konsequenzen dieser Hypothese für den Voynich-Text wären:

1. Die Hypothese würde das Vorhandensein sonst nur bei natürlichen Sprachen zu findender statistischer Eigenschaften im Voynich-Text erklären.

2. Die Entschlüsselung einer konstruierten Sprache, deren Konstruktionsprinzip verloren gegangen ist, ist extrem schwierig oder unmöglich. Das wäre verträglich mit den bis heute gescheiterten Bemühungen um die Entschlüsselung des Voynich-Textes.

Im September 1962 initiierten die Friedmans eine weitere Arbeitsgruppe (SSG, Second Study Group) mit dem Ziel, automatische Datenverarbeitung zur Entschlüsselung des Voynich-Codes einzusetzen. Dieses Mal sollte ein RCA-301-Computer eingesetzt werden, zu dem die Gruppe außerhalb der normalen Betriebszeiten Zugang hatte. Sie wären damit die ersten Voynich-Forscher gewesen, die einen Computer zur Entschlüsselung verwendeten. Es kam jedoch nicht dazu, da die Radio Corporation of America (RCA) die Nebennutzung für diesen Zweck untersagte. Die Gruppe löste sich im Sommer 1963 auf.


Robert S. Brumbaugh

Robert Brumbaugh war Professor für Philosophie des Mittelalters an der Yale University, hatte also im Gegensatz zu anderen Voynich-Forschern die Möglichkeit, das Dokument im Original in Augenschein zu nehmen – zu einer Zeit, in der nur wenige Seiten als (schwarz-weißes) Faksimile publiziert oder als Photokopie in Umlauf waren, ein unschätzbarer Vorteil. Darüber hinaus gelang es ihm, einen Forschungsauftrag für die Untersuchung des Manuskripts zu erhalten. Er veröffentlichte in den 1970er Jahren eine Reihe von Artikeln zum Thema und fasste in der 1978 erschienenen Monographie The Most Mysterious Manuscript den damaligen Stand der Forschung zusammen. Brumbaugh selbst entwickelte aufgrund der Ähnlichkeit einiger Voynich-Zeichen mit altertümlichen Ziffernformen die Theorie, dass die Voynich-Zeichen (dezimale) Ziffern seien, wobei jeder Ziffer mehrere Buchstaben des lateinischen Alphabets zugeordnet seien. Ähnlich wie beim Ansatz von Feely enthielte auch eine solche Kodierung ein Element der Mehrdeutigkeit, entsprechend enthalten die Dekodierungen ein stark subjektives Element. Auch die von Brumbaugh vorgelegten „Entschlüsselungen“ ergaben keinen (offensichtlichen) Sinn.


Prescott Currier

Prescott Currier war ursprünglich Sprachwissenschaftler (B. A. in Romanistik und Diplom in vergleichenden Sprachwissenschaften). Ab 1935 begann er sich mit Kryptologie zu beschäftigen. Currier hatte in England die Bekanntschaft von John Tiltman gemacht, der wiederum von Friedman zur Beschäftigung mit dem Voynich-Manuskript angeregt worden war. Auch Currier sollte sich über viele Jahre mit dem Rätsel des Manuskripts beschäftigen. Wichtigstes Resultat seiner Untersuchungen war, dass – anders, als bis dahin stets angenommen – das Manuskript mehr als einen Schreiber hat. Currier stellte fest, dass zwei Schreibstile – und mehr noch: zwei „Sprach“stile – deutlich unterscheidbar sind. Diese beiden Voynich-Varianten werden heute mit Currier-A bzw. Currier-B bezeichnet. Er stellte seine Ergebnisse 1976 auf einem von Mary D’Imperio veranstalteten Seminar vor.


Mary D’Imperio

Die Mathematikerin Mary D’Imperio war wie Friedman Kryptoanalytikerin. Persönlich bekannt mit John Tiltman und Prescott Currier, begann sie Ende der 1970er, sich intensiv mit dem Voynich-Manuskript zu beschäftigen. Sie organisierte das erste wissenschaftliche Symposium zum Thema Voynich-Manuskript, das im Jahr 1976 stattfand, und veröffentlichte die Resultate in einem Tagungsband sowie in dem heute noch als beste Überblicksarbeit geschätzten Band The Voynich Manuscript: An Elegant Enigma. In ihren Arbeiten zum Voynich-Manuskript befasste sie sich mit Fragen der Transkription und des Zeichenvorrates. Sie wies unter anderem auf die Ähnlichkeiten zwischen den Voynich-Zeichen und einigen in Mittelalter und Renaissance gebräuchlichen lateinischen Kürzeln hin.


Gordon Rugg und Andreas Schinner

Gordon Rugg von der britischen Keele-Universität beschäftigte sich etwa ab 1997 mit der Frage, wie der Text des Voynich-Manuskripts entstanden sein könnte. Dazu erstellte Rugg eine Tabelle mit zufälligen Zeichenkombinationen, die dann als Vor-, Mittel- oder Nachsilben neuer „Wörter“ dienten. Über diese Tabelle schob er ein sogenanntes Cardan-Gitter, eine Schablone mit drei Fenstern, wie sie im 16. Jahrhundert zur Verschlüsselung von Texten verwendet wurde. Die Zeichenfolgen, die jeweils in den drei Fenstern erschienen, wurden transkribiert, und eine dreisilbige unverständliche „Sprache“ entstand, die große Ähnlichkeit mit dem Text des Voynich-Manuskriptes aufwies. Im Dezember 2003 gab Rugg seine Forschungsergebnisse bekannt. Seiner Ansicht nach handelt es sich bei dem Voynich-Manuskript um einen mittelalterlichen Schabernack, um wirres Geschwafel ohne Sinn und Gehalt.

Die Schabernack-Hypothese wird auch durch eine Textanalyse des österreichischen Wissenschaftlers Andreas Schinner gestützt: Er entdeckte unnatürliche Regelmäßigkeiten in der Wortfolge des Manuskripts, die in Texten, die in natürlichen Sprachen verfasst sind, nicht vorkommen. Der theoretische Physiker kommt daher ebenfalls zu dem Schluss, dass das Voynich-Manuskript das raffinierte Werk eines Schelms ist und lediglich bedeutungslosen Unsinn enthalte.

Im Jahr 2009 konnte mittels einer Radiokarbonanalyse die Entstehung des Pergamentbandes mit höchster Wahrscheinlichkeit auf zwischen 1404 und 1438 bestimmt werden. Die Verschlüsselungstechnik mit dem Cardan-Gitter müsste also auf einem schon damals älteren Pergament angewandt worden sein. Außerdem erscheint die Schabernack-Hypothese auch insofern als äußerst unwahrscheinlich, als die Anfertigung dieses Manuskriptes nicht nur ein extrem kostspieliges Unterfangen war (damals sehr teures Pergament, sehr teure, hochwertige Tintenfarben), sondern auch viele Jahre in Anspruch genommen haben muss.


Marcelo Montemurro und Damián Zanette

Marcelo Montemurro von der University of Manchester und Damián Zanette vom Centro Atómico Bariloche e Instituto Balseiro veröffentlichten 2013 eine Arbeit mit dem Titel Keywords and Co-Occurrence Patterns in the Voynich Manuscript: An Information-Theoretic Analysis bei PLOS ONE. In dem Artikel geben sie an, semantische Muster im Voynich-Manuskript identifiziert zu haben. Demnach könnte das Manuskript einen Geheimtext mit einer „authentischen Botschaft“ darstellen.


Arthur Tucker und Rexford Talbert

Nach Ansicht zweier amerikanischer Botaniker, Arthur O. Tucker und Rexford H. Talbert, zeigt das Voynich-Manuskript Pflanzen mittelamerikanischer Herkunft. Dies könne darauf hindeuten, dass das Voynich-Manuskript in Mittelamerika gezeichnet und in einer mittelamerikanischen Sprache geschrieben wurde, also möglicherweise in einer Sprache, die heute nicht mehr gesprochen wird.


Nick Pelling

Nick Pelling stellt seine Theorie zur Autorenschaft des Voynich-Manuskript in seinem Buch The Curse of the Voynich vor. Aufgrund der Illustrationen im Voynich-Manuskript – speziell jene auf den ausklappbaren Rosetten-Folios – vermutet Pelling, dass das Manuskript aus der Gegend von Mailand stammt und um die Mitte des 15. Jahrhunderts oder etwas später datiert. Aufgrund biographischer Hinweise vermutet er als möglichen Autor den Architekten Antonio Averlino, auch Filarete genannt. Neben dieser Theorie hat Nick Pelling weitere wichtige Beobachtungen zum Manuskript gemacht (z. B. was die Reihenfolge und Bindung der einzelnen Folios im historischen Ablauf betrifft sowie zur Schrift, zur Chiffre und den möglichen kryptologischen Erklärungen dafür).


Stephen Bax

Stephen Bax, ein Professor für Angewandte Linguistik, gibt an, er habe in dem Text insgesamt 10 Wörter, nämlich verschiedene Pflanzennamen sowie die Namen von Sternbildern, entziffert. Seiner Meinung nach ist der Text in einer semitischen Sprache verfasst, und die Entdeckung dieser Namen könnte ähnlich wie bei den ägyptischen Hieroglyphen den Durchbruch zur Entschlüsselung des Textes darstellen.


Jürgen Hermes

Jürgen Hermes stellte 2012 in seiner Dissertation Textprozessierung – Design und Applikation eine Theorie zur Entschlüsselung des Voynich-Manuskripts vor. Seine Verschlüsselungstheorie geht davon aus, dass das Voynich-Manuskript mit einer Methode chiffriert wurde, die der Trithematischen Polygraphia (PIII-Methode) ähnelt. Bei dieser Verschlüsselungsart wird ein Codebuch erstellt, welches aus Listen besteht. In diesen Listen steht ein Phantasiewort bestehend aus Wortstamm + Endung für je einen Buchstaben im Klartext. Ändert sich das Suffix, handelt es sich um einen anderen Buchstaben. Eine Textentschlüsselung dieser Chiffrierungsart ist allerdings ohne das dazugehörige Codebuch kaum möglich. Davon ausgehend versuchte Hermes ein potentielles Codebuch zu rekonstruieren. Zur Ermittlung der Endungen im Text wurde eine graphemische Methode angewandt (Minimalpaarfindung + Clusterverfahren (K-Means++)). Die morphemische Analyse sollte mögliche Stämme identifizieren (Keyword-Trees, Zerlegungsvariationssuche, Häufigkeitsanalyse). Aus seiner Analyse schloss Hermes, dass das Voynich-Manuskript durch eine PIII-ähnliche Methode verschlüsselt worden sein könnte. Bei beiden Verfahren wies der Text des Voynich-Manuskripts mehr Ähnlichkeiten mit dem PIII-generierten Text auf als mit dem natürlich-sprachlichen Text.


Artjunow et al.

2016 veröffentlichte eine Gruppe um Andronik Aramowitsch Artjunow vom Keldysch-Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften eine neue Lösung. Nach ihnen seien Vokale und Leerzeichen entfernt worden. 30 Prozent des Textes seien in Dänisch oder Deutsch, der Rest in einer romanischen Sprache (Latein oder Spanisch) verfasst.


Greg Kondrak

Greg Kondrak, ein Professor für Computerlinguistik an der Universität von Alberta, nutzte Verfahren aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz, um verschlüsselte Texte zu analysieren, und wandte sie auch auf das Voynich-Manuskript an. Die Ergebnisse wurden 2016 in Form eines Artikels präsentiert, der von Kondrak und einem seiner Studenten verfasst wurde. Dem zufolge sei die Sprache des Manuskripts mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit Hebräisch, wobei die einzelnen Wörter Anagramme mit fehlenden Vokalen seien. Allerdings konnten auf diese Weise nur kleine Fragmente entschlüsselt und übersetzt werden. Erst nach einigen manuellen Korrekturen konnte ein einzelner Satz ermittelt werden, der halbwegs Sinn ergab. Die beiden räumten außerdem ein, dass Experten für mittelalterliche Manuskripte nicht von den Ergebnissen überzeugt waren.


Gerard Cheshire

Gerard Cheshire, seinerzeit Forschungsassistent im Fach Biologie an der Universität Bristol, studierte eine detaillierte Abbildung des Manuskripts genauer, in der vier Landkarten enthalten sind. Eine davon zeigt offenbar einen Vulkanausbruch auf einer Insel; der einzige Vulkanausbruch in Europa bzw. dem Mittelmeerraum, der in etwa in die Entstehungszeit des Manuskripts fällt, fand 1444 auf der Insel Vulcanello nördlich von Sizilien statt, das damals unter aragonesischer Herrschaft stand. Die weiteren Karten stellen nach Cheshires Ansicht die Inseln Lipari (nahe Vulcanello) und Ischia sowie die über eine Brücke damit verbundene Felseninsel des Castello Aragonese im Golf von Neapel dar. Zur Zeit des Vulkanausbruchs bewohnte die weibliche Entourage (siehe Lucrezia d’Alagno) von Alfons V. (Aragón), einem Förderer von Kunst und Wissenschaft, das Castello Aragonese. Die Befunde insgesamt bewogen Cheshire im Jahr 2018 zu der These, der Ursprung des Manuskripts müsse in diesem Umfeld liegen. Des Weiteren behauptete Cheshire 2019, dass das Voynich-Manuskript in proto-romanischer Sprache geschrieben worden sei, einer linguistisch konstruierten Zwischenstufe zwischen Vulgärlatein und den Vorläufern der heutigen romanischen Sprachen.


Torsten Timm

Aufgrund der Korrelation von Worthäufigkeit, Wortähnlichkeit und Wortposition geht Timm davon aus, dass der Text des Voynich-Manuskripts während des Schreibens aus sich selbst erzeugt wurde und folglich bedeutungslos sei. Auch dass es kaum Korrekturen gibt und der Text immer fast perfekt in den Platz am Zeilenende passt, würde dadurch erklärt. Der Schreiber habe jeweils ein Wort in einer Zeile darüber – vielfach der Einfachheit halber von oberhalb der aktuellen Schreibposition – ausgewählt und nach bestimmten Regeln sowie anhand spontaner persönlicher Vorlieben und dem vorhandenen Platz zu einem neuen Wort abgewandelt. Möglich sei es zum Beispiel gewesen, einen oder mehrere Glyphen durch graphemisch ähnliche zu ersetzen, ein Präfix anzufügen oder zu entfernen oder zwei Quellwörter zu konkatenieren. Zusammen mit Andreas Schinner präsentierte Timm einen Algorithmus, der Texte mit diesem Vorgehen erzeugen kann. Zur Überprüfung der Validität der Selbstzitierungs-Hypothese vergleichen sie so erzeugte Textproben mit dem Voynich-Manuskript und stellten fest, dass alle statistischen Merkmale gut übereinstimmen. Mit dem von Timm erstellten VoynichTextGenerator wird das beschriebene Verfahren in einer App implementiert, indem auf Grundlage einer ausgewählten Zeile des Voynich-Manuskripts ein längerer Text generiert werden kann.


Rainer Hannig

Im Juni 2020 publizierte Rainer Hannig, deutscher Philologe und Ägyptologe, eine Interpretation, wonach es sich bei der zugrundeliegenden Sprache im Voynich-Manuskript um spätmittelalterliches Hebräisch handelt. Er beschäftigt sich seit 2017 mit dem Manuskript. Nach Hannig weisen die Wörter des Manuskripts oft drei Konsonanten mit folgendem Vokal auf, was auf eine semitische Schrift deutet. Sechs „Galgenzeichen“ der Schrift identifizierte er mit den hebräischen Begadkefat-Lauten (b, g, d, k, p, t). Einer der ersten Übersetzungsversuche von Hannig liefert eine Krankengeschichte: Ein Bauer bekam nach dem Verzehr einer Suppe Verdauungsprobleme, seine Umgebung wehklagt, und er sucht einen Arzt auf, der ihm aber auch nicht helfen kann.


Lea Carl-Krüsi und Christoph Eggenberger

Die beiden Kunsthistoriker können zur Textentzifferung nichts beitragen, erkennen aber in der Abfolge der Bilder ein klares Anliegen: «Es ist ein Plädoyer für die Sprösslinge des Adels, die mit Frauen aus dem Volk gezeugt wurden, die sogenannten Bastarde». Unter dem Deckmantel von pflanzlichen Symbolen wird der missliche Status der Rechtlosen und Enterbten zwischen Adel und Volk dargestellt. «In der Botanik sind die prächtigsten Pflanzen – der Phantasie entsprungene Gebilde – das Resultat von Kreuzungen. Also liegt der Schluss nahe: Auch in der humanen Biologie gelten dieselben Regeln.»


Stefan Guzy

Dem Berliner Typografen und Manuskriptforscher Stefan Guzy gelang 2023 nach einer intensiven Auswertung aller Buchtransaktionen der kaiserlichen Hofkammer der Nachweis, dass der Augsburger Arzt und Handschriftenhändler Carl Widemann 1599 dem Kaiser ein Konvolut Handschriften für 600 Gulden verkauft hatte. Da dies nach Guzy die einzige Transaktion in der Größenordnung in der gesamten Regierungszeit von Rudolf II. gewesen ist und der im Brief von Marci genannten Ankaufssumme entspricht, dürfte das Voynich-Manuskript mit diesem Verkauf gemeint gewesen sein.

Michael A. Greshko

2025 veröffentlichte der US-amerikanische Wissenschaftsjournalist Michael A. Greshko in der Fachzeitschrift Cryptologia eine Untersuchung, in welcher er ein Verfahren beschreibt, durch das mit den im Mittelalter verfügbaren Mitteln sich aus einem lateinischen oder italienischen Text ein Kryptogramm erzeugen ließe, das die verschiedenen ungewöhnlichen statistischen Merkmale des Voynich-Manuskripts weitgehend reproduziert. Greshko sieht darin einen Beleg dafür, dass ein derartiges Verschlüsselungsverfahren im 15. Jahrhundert verfügbar war und einen Hinweis darauf, dass es sich entgegen anderen Vermutungen um einen Text mit Inhalt und keinen reinen Zufallstext handeln kann. Bei dem von Greshko in Anlehnung an die altitalienischen Naibi-Spielkarten Naibbe genannte Verfahren wird ein Würfel verwendet und auf Grundlage der erwürfelten Augenzahl der zu verschlüsselnde Text in eine Folge von Einzel- und Doppelbuchstaben zerlegt. Anschließend wird mit einer gezogenenen Spielkarte eine von sechs verschiedenen Verschlüsselungstabellen mit dem Voynich-Zeichensatz entsprechenden Zeichen gewählt. (Wikipedia)