Argumente & Lagebericht
Zu spät geheult
PI-News-Autor Rainer K. Kämpf prangert an, dass Industrielle, Vorstände, Politiker und Verbandsbosse „das Land aus Feigheit verraten“ hätten.
Der Gegenwart. — 17. Januar 2026
Von RAINER K. KÄMPF | „Ich war noch nie so pessimistisch für Deutschland wie heute“, hat der Aufsichtsratsvorsitzende von Mercedes-Benz und frühere BASF-Chef Martin Brudermüller bekannt. Willkommen im Club. Die Einsicht kommt spät, fast zu spät, birgt jedoch ein restliches Fünkchen möglicher Hoffnung in sich. Bedenkt man doch, daß der Pessimist an sich ein geläuterter Optimist mit Lebenserfahrung ist. Diese Lebenserfahrung, die wir alle, mehr oder weniger, im Verlauf der jüngsten Geschichte der Bundesrepublik Deutschland sammeln durften und mußten, könnte im günstigen Fall die Keimzelle für ein Wiederauferstehen des geschundenen Landes sein.
Ehemalige entdecken plötzlich die Wahrheit
Neu sind diese Erkenntnis und die ihr innewohnende Hoffnung nicht. Der springende Punkt bei solchen Wortmeldungen wie der des ehemaligen BASF-Chefs ist das verräterische Attribut „früher“. Des Öfteren melden sich die Ehemaligen zu Wort. Richter, Industrielle, Politiker. Es drängt sich der sicherlich richtige Eindruck auf, erst wenn es nicht mehr karriereschädigend sein kann, meldet man sich zu Wort und kritisiert. Zuweilen sogar heftig. Nur, wem nützt das und bringt uns die plötzlich aufkeimende Altersweisheit irgendwie weiter? Sie alle tragen Verantwortung und Schuld am Niedergang des Wirtschaftswunders Deutschland. Keiner der mächtigen DAX-Vorstände hat den Saboteuren des Gemeinwesens ernsthaft Paroli geboten. Zu groß war die Sorge, ins Aus gestellt zu werden. Da wurde mit den Wölfen geheult, daß teilweise diese selbst beeindruckt waren.
Verbände haben mit den Wölfen geheult
Die Vorstände der Autoindustrie fanden offenbar Gefallen daran, das Flaggschiff der deutschen Industrie zu schrotten, und die Spitzen der Stahlindustrie schienen vergessen zu haben, wie energieintensiv ihre Branche ist. Die Bauwirtschaft fand ein sichtlich sadomasochistisches Vergnügen daran, wie die Branche mit Vorschriften, Auflagen und Bürokratie so weit drangsaliert wurde, daß kaum noch ein Normalverdiener auf die irrsinnige Idee kam, Wohneigentum zu schaffen. Geschweige denn unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu erhalten. Anstatt ihrer ureigensten Bestimmung nachzukommen, die Interessen der Mitglieder zu vertreten und zu stärken, haben die Verbände von Industrie und Handwerk mit den Wölfen geheult und ihre Mitglieder sowie das Land aus Feigheit verraten. Wobei der Vorwurf der Feigheit noch die freundlichste Unterstellung sein mag.
Wenn’s dann zu spät ist, kullern die Krokodilstränen, wie abscheulich!
Quelle: PI-News vom 17. Januar 2026 ⋙ Link
Lebensdaten
PI-NEWS-Autor Rainer K. Kämpf hat Kriminalistik, Rechtswissenschaft und BWL studiert. Er war tätig in einer Anwaltskanzlei, Geschäftsführer einer GmbH, freier Gutachter und Sachverständiger. Politisch aktiv ist Kämpf seit 1986. Als Kommissar in spezieller Stellung im Berliner Polizeipräsidium hatte er Kontakte zum damaligen „Neuen Forum“ in den Anfängen. Er verzichtete darauf, seinem Diensteid zu folgen und folgte lieber seinem Gewissen. Bis 2019 war er Referent einer AfD-Landtagsabgeordneten in Brandenburg. Aus gesundheitlichen Gründen beendete er diese Tätigkeit und befindet sich seither im unruhigen Ruhestand.
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Martin Brudermüller (* 5. Mai 1961 in Stuttgart) ist ein deutscher Chemiker und Manager. Er war von 2018 bis 2024 Vorstandsvorsitzender von BASF. Seit 2024 ist er Aufsichtsratsvorsitzender der Mercedes-Benz Group. (Wikipedia)
Mitgliedschaften
◾Mitglied im Board of Directors Accenture plc seit 2024
◾Mitglied im Aufsichtsrat der Mercedes-Benz Group AG und der Mercedes-Benz AG seit 2021
◾Präsident von CEFIC seit 2020
◾Mitglied im Wirtschaftsbeirat der Grünen Bundestagsfraktion
◾Mitglied des Senats der Max-Planck-Gesellschaft seit 2017
◾Vertreter des VCI bei BDI und BDA seit 2015
◾Mitglied des Senats bei acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften seit 2015
◾Mitglied des Kuratoriums im Fonds der Chemischen Industrie seit 2015
Im Alleingang
Reinhard Mey – Bevor ich mit den Wölfen heule (gebjgbtl571b; 25.1.2010; 3:24 min.)
»Lied elf von der ersten CD des (Live-)Albums "20.00 Uhr" (1974).«
Wörterbuch
»mit den Wölfen heulen«
Bedeutungen: sich aus Opportunismus und wider besseres Wissen dem Reden oder Tun anderer anschließen (umgangssprachlich); opportunistisch sein; sich nach der Mehrheit, dem Durchschnitt richten; sich anpassen
Herkunft: als Redewendung verselbständigt aus dem Sprichwort man muss mit den Wölfen heulen, das bereits seit spätmittelhochdeutscher Zeit häufig bezeugt ist
Sinnverwandte Wörter: seinen Mantel nach dem Wind hängen / sein Mäntelchen nach dem Wind hängen, seine Fahne nach dem Wind drehen / sein Fähnlein nach dem Wind drehen, mit dem Strom schwimmen